Botschaft des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios an das Kirchenvolk aus Anlass der Coronavirus-Pandemie

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Foto: © Massimo Finizio (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

18. März 2020

Brüder und Kinder im Herrn,

aus dem Phanar, aus dem Herzen der Basileuousa, der königlichen Stadt, aus der Stadt der Hagia Sophia, der Großen Kirche, wende ich mich an ich Euch, meine Geliebten, an jeden Einzelnen und jede Einzelne von Euch; ich tue dies aus Anlass der beispiellosen Umstände und der Prüfung, die wir als Menschheit gerade durch die globale Bedrohung der neuen Coronavirus-Pandemie durchmachen, die als Covid-19 bekannt ist.

Das Wort der Kirche, der Mutterkirche, kann hier nicht fehlen. Und unser Wort ist, wie wir aus den Erfahrungen der Jahrhunderte gelernt haben, eucharistisch, unterweisend, ermutigend und tröstend.

Wir danken aufrichtig allen, die mit Selbstaufopferung kämpfen und dabei sogar sich selbst und ihre Familien vernachlässigen:

– dem medizinischen und pflegerischen Personal am Krankenlager unserer Mitmenschen,

– den Forschern und Wissenschaftlern, die nach geeigneten Medikamenten und Impfstoffen gegen das Virus suchen,

– sowie allen, die aktiv an der Bekämpfung dieser Pandemie tätig sind.

Ihr Opfer, meine Lieben, ist von unschätzbarem Wert. Es ist ein Opfer für die ganze Gesellschaft. Es ist ein Opfer, das jede Hochachtung und Dankbarkeit verdient.

Wir danken ihnen und wir grüßen sie alle, nicht nur von den Balkonen unserer Häuser, sondern in jedem Augenblick von ganzem Herzen. Unsere Gedanken und unsere Gebete sind bei ihnen.

In diesem Kampf tragen die dazu berufenen Staaten, die Länder und die zuständigen Gesundheitsbehörden die Hauptverantwortung für die Planung, die richtige Bewältigung und Überwindung dieser Krise. Man könnte sie als Generäle im Kampf gegen einen unsichtbaren, aber inzwischen bekannten Feind bezeichnen. Es ist ein gegen die Menschheit gerichteter Feind.

Diese Verantwortung, die auf ihren Schultern liegt, erfordert die Mitarbeit von uns allen. Es ist eine Zeit individueller und sozialer, kollektiver Verantwortung. Deshalb, meine Kinder, fordere ich Euch auf, wo immer auf der Welt Ihr auch lebt, alle schwierigen, aber notwendigen Maßnahmen des Gesundheitsbehörden und der Staaten mit genauer Befolgung und Geduld umzusetzen. Alles geschieht zu unserem Schutz und Gemeinwohl, um die Ausbreitung des Virus zu begrenzen. Deshalb hängt unsere Befreiung von seiner Last ganz von unserer Mitarbeit ab.

Einige von Euch haben vielleicht das Gefühl, dass diese drastischen Maßnahmen den Glauben untergraben oder angreifen können.

Was aber gefährdet ist, ist nicht der Glaube, sondern die Gläubigen,

nicht Christus ist in Gefahr, sondern unsere Christen.

nicht der Gott-Mensch, sondern wir Menschen.

Unser Glaube ist tief in unserer Kultur verwurzelt. Unser Glaube ist lebendig und kein außergewöhnlicher Notstand kann ihn einschränken. Was eingeschränkt werden muss, sind Zusammenkünfte und große Ansammlungen von Menschen und dies aufgrund außergewöhnlicher Umstände. Bleiben wir zuhause! Lasst uns uns selbst und die Menschen um uns herum schützen. Dort soll jeder und jede für die ganze Menschheit beten und auf die Kraft unserer spirituellen Einheit bauen.

Wir werden diese Zeit als einen Zug durch die Wüste erfahren, um das Gelobte Land sicher zu erreichen, wenn die Wissenschaft mit Gottes Hilfe den Kampf gegen das Virus gewinnt. Denn wir sind sicher, dass sie ihn auch mit unseren Gebeten gewinnen wird. Dann ist es gut, wenn wir hier alle zusammenstehen und geistig vereint sind, um den Kampf der Umkehr und Heiligung fortzusetzen.

Wir sehen unsere Mitmenschen unter den Folgen des Virus leiden, andere haben sich ihm bereits beugen müssen und uns verlassen. Unsere Kirche betet für die Heilung der Kranken und für die Seelenruhe der Opfer, aber auch für die Stärkung und Kräftigung der betroffenen Familien.

Auch diese Prüfung wird vorbeigehen. Die Wolken werden verschwinden und die Sonne der Gerechtigkeit wird die tödliche Wirkung des Virus beseitigen. Aber unser Leben wird sich verändert haben. Und dies ist eine Gelegenheit, es zum Besseren zu verändern, dass nämlich Liebe und Solidarität zunehmen mögen.

Meine Kinder im Herrn, möge der Segen unseres Herrn, auf die Fürbitten der Gottesmutter, die wir auch Evangelistria nennen, weil sie die Frohe Botschaft des Evangeliums empfangen hat, den Weg von uns allen begleiten, möge er unsere freiwillige Isolation in wahre Gemeinschaft wandeln, möge er zu dem werden, worum wir beten und wonach wir streben, möge er unser Lebenssinn werden und unsere Rückkehr zu dem, was wahr ist, zu dem, was Gott gefällt!

Ich wünsche euch dazu viel Kraft! Gott sei mit uns!