Ein Fest der „Ökumene durch Musik“ zum 2. Jahrestag der Begegnung zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kyrill

Kardinal Schönborn: Wien erweist sich als „guter Ort der Begegnung“ – Stürmischer Applaus im Wiener Konzerthaus für Metropolit Hilarion und dessen Werke „Stabat Mater“ und „Wallfahrtslieder auf Psalmenverse“

0
51

Wien, 11.02.18 (poi) Ein Fest der „Ökumene durch Musik“ wurde am Samstagabend das Konzert russischer Kirchenmusik im Wiener Konzerthaus aus Anlass des 2. Jahrestages der bahnbrechenden Begegnung zwischen Papst Franziskus und dem Moskauer Patriarchen Kyrill I. auf Kuba. Kardinal Christoph Schönborn sprach von einem „unvergesslichen Abend“. Er habe es als Auszeichnung empfunden, als Metropolit Hilarion (Alfejew) vor zwei Monaten anfragte, ob die Feiern zum 2. Jahrestag der Begegnung von Papst und Patriarch in Wien stattfinden könnten. Wien erweise sich als „guter Ort der Begegnung“, die Musik sei gleichsam das Eingangstor für den Dialog, „eine Sprache, durch die wir einander näher kommen“. Die beim Konzert zu Gehör gebrachte Kantate „Stabat Mater“ habe Metropolit Hilarion zum Teil während seiner Zeit als russischer Bischof in Wien komponiert; dieses Werk erinnere an den Schmerz der Christen im Nahen Osten, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden, so Kardinal Schönborn. Das große Thema des Symposions, mit dem am Montag im Wiener Erzbischöflichen Palais des 2. Jahrestags der Begegnung von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill gedacht werden soll, sei die „Compassion“, die „Aufmerksamkeit und Liebe für die verfolgten Christen“. Zu diesem Symposion wird auch der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, eigens aus Rom nach Wien kommen.

Metropolit Hilarion hatte zuvor betont, wie sehr er sich freue, Wien wieder besuchen zu können, wo er sechs Jahre seines Lebens als Bischof der russisch-orthodoxen Diözese verbracht habe. Diese Jahre habe er in guter Erinnerung, „damals hatte ich noch Zeit, Musik zu schreiben“. In Wien habe er auch Maestro Wladimir Fedosejew kennengelernt (unter dessen Leitung am Samstagabend das musikalische Ereignis im Konzerthaus stand). Damals habe er Fedosejew die Partitur seiner Matthäus-Passion gezeigt, der Maestro sei dann auch der erste gewesen, der diese Musik zum Klingen brachte. Als zentrale Aufgabe der Feiern zum 2. Jahrestag der Begegnung von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill bezeichnete der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats die Beratung darüber, „wie den verfolgten Christen im Nahen Osten geholfen werden kann“.

Ausführende des Konzerts am Samstagabend „auf einer der Hauptbühnen des musikalischen Geschehens in Wien“ (Metropolit Hilarion) waren das Tschaikowskij-Symphonieorchester unter dem Dirigenten Wladimir Fedosejew, der Moskauer Synodalchor unter Chorleiter Aleksij Puzakow und die Sopranistin Elena Ewsejewa. Zu Gehör gebracht wurden „Lob der Wüste“, die Ouverture zur Oper „Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch und der Jungfrau Fewronija“ von Nikolai Rimski-Korsakow, die beiden Fragmente aus der „Nachtwache“ von Sergej Rachmaninow („Gottesgebärerin, freue Dich“ und „Lobet den Namen des Herrn“), die Psalmensinfonie für Chor und Orchester von Igor Strawinskij und zwei große Werke von Metropolit Hilarion: Die Kantate „Stabat Mater“ und die Sinfonie „Wallfahrtslieder auf Psalmenverse“. Mit dem Moskauer Synodalchor hat Metropolit Hilarion eine besondere Verbindung, denn das Wiedererstehen dieses Chors erfolgte im Frühjahr 2009, als der Metropolit zum Vorsteher der Moskauer Kirche der Ikone der Gottesmutter „Aller Betrübten Freude“ berufen wurde. Der Synodalchor wurde mit Hilfe des Chors dieser Kirche wiederbelebt, wo seit 1948 die Traditionen der Moskauer Schule des Kirchengesangs  bewahrt worden waren. Abgesehen von der Mitwirkung an feierlichen Liturgien tritt der Moskauer Synodalchor mit seinem Konzertrepertoire in ganz Russland und im Ausland auf. U.a. ist der Chor auch Partner des Chors der Sixtinischen Musikkapelle des Papstes bei der Durchführung von zwei internationalen Projekten, die in der ganzen Welt ein Zeugnis der christlichen Werte und hoher Kunst geben. Auch am Sonntagmorgen reiste der Synodalchor nach Rom.

Nach dem Konzert am Samstagabend gab es stürmischen Applaus für Metropolit Hilarion und seine Kompositionen. Unter den Ehrengästen waren mit Kardinal Schönborn u.a. der Apostolische Nuntius, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, der griechisch-orthodoxe Metropolit von Austria, Arsenios (Kardamakis), der rumänisch-orthodoxe Metropolit von Mitteleuropa, Serafim (Joanta), der neue Wiener russisch-orthodoxe Erzbischof Antonij (Sewrjuk), der syrisch-orthodoxe Metropolit von Österreich und der Schweiz, Mor Dionysios Isa Gürbüz, und der armenisch-apostolische Bischof von Damaskus, Armash Nalbandian. Das Konzert fand im Rahmen des österreichisch-russischen „Jahres der Musik“ statt. (forts mgl)