Emotionaler Friedensappell des Papstes für Syrien

Nuntius Zenari: „Die Armen, die Kranken, die Hungernden klopfen an unsere Tür“

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Foto: © Gianfranco Gazzetti/Gruppo Archeologico Romano (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Vatikanstadt-Damaskus, 12.02.20 (poi) Einen emotionalen Appell für Syrien formulierte Papst Franziskus am Mittwoch am Ende der Generalaudienz. In freier Rede bat er die Gläubigen um das Gebet und „einen Moment des Schweigens“ für die Menschen in Syrien. Wörtlich sagte der Papst: „Ich möchte, dass wir in diesem Augenblick alle für das geliebte und gequälte Syrien beten. So viele Familien, so viele ältere Menschen, so viele Kinder müssen vor dem Krieg flüchten. Syrien blutet seit Jahren, beten wir für Syrien“. Wenige Tage zuvor, beim Angelus-Gebet am Sonntag, 9. Februar, hatte der Papst ähnliche Formulierungen gebraucht: „Aus dem nordwestlichen Syrien erreichen uns weiterhin schmerzvolle Nachrichten, besonders über die Situation so vieler Frauen und Kinder, der Leute, die auf Grund der militärischen Eskalation fliehen müssen. Ich erneuere meinen Aufruf an die internationale Gemeinschaft und an alle beteiligten Akteure, sich der diplomatischen Mittel, des Dialogs und der Verhandlungen zu bedienen – um im Respekt vor dem internationalen humanitären Recht Leben und Schicksal der Zivilisten zu schützen“. Auch bei dieser Gelegenheit verwendete der Papst die Formulierung vom Gebet für „das geliebte und gequälte Syrien“.

Der Apostolische Nuntius in Damaskus, Kardinal Mario Zenari (der in ständigem Kontakt mit den engsten Mitarbeitern von Papst Franziskus ist), hat im Gespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur „AsiaNews“ betont, dass die Lage in Syrien „überaus kritisch“ sei, auch die Kirche im Land verwandle sich immer mehr in „ein Feldspital“. Mit Recht spreche der Papst im Hinblick auf Syrien von der Kirche als „einem Feldspital“ und zugleich von einer Kirche, die zu den Leidenden hinausgeht. Die humanitäre Nothilfe sei jetzt eine primäre Aufgabe der Kirche in Syrien, „auch dank der Unterstützung durch die verschiedenen katholischen Hilfswerke und durch die Christen in aller Welt“.

„Die Armen, die Kranken, die Hungernden klopfen an unsere Tür“, stellte Kardinal Zenari fest. Es gebe mehr als zehn Millionen Inlandsvertriebene, die humanitäre Hilfe, Nahrungsmittel und Medikamente brauchen. Mehr als die Hälfte der Bewohner Syriens sei in einer akuten Notlage. Die katholische Kirche in Syrien sei zwar zahlenmäßig klein, aber überaus engagiert: „Wir sind an vorderster Front im Hinblick auf die Basisbedürfnisse. Hier sinken die Temperaturen unter Null, die Probleme nehmen zu, zum Hunger kommt auch die Kälte“.

Seit drei Jahren betreibe die katholische Kirche in Syrien – „in Zusammenarbeit mit dem Heiligen Stuhl und persönlicher Unterstützung durch den Papst“ – das Projekt „offene Krankenhäuser“. Dabei gehe es um drei – ursprünglich französische oder italienische –Spitäler in Damaskus und Aleppo, die von der italienischen Hilfsorganisation AVSI unterstützt werden. Es handle sich um Einrichtungen, die Ende des 19. Jahrhunderts mit ihrer Aktivität begonnen hätten und heute unter den wenigen sanitären Strukturen sind, die noch funktionieren. Kardinal Zenari erinnerte daran, dass die Weltgesundheitsorganisation bereits Ende 2018 angegeben hatte, dass nur mehr 44 Prozent der syrischen Krankenhäuser funktionsfähig waren. Mittlerweile habe sich dieser Prozentsatz noch reduziert.

Die Arbeit der kirchlichen Krankenhäuser sei in einem Land, in dem acht von zehn Personen unter der Armutsschwelle leben, von fundamentaler Bedeutung, betonte der Nuntius in Damaskus. Im Dezember des Vorjahrs seien in den drei Krankenhäusern 30.000 Patientinnen und Patienten behandelt worden, „alles arme Leute, unabhängig von Ethnie oder Religion“. Wörtlich sagte der Kardinal-Nuntius: „Wir haben hier in Syrien zwei Ziele: Wir wollen die Leute gesund nach Hause schicken und wir wollen das Gewebe der Gesellschaft heilen“. Die Ordensleute aus den Spitälern berichteten immer wieder, wie beeindruckt auch muslimische Syrer seien, dass Christen die Verletzten, die Leidenden, die Kinder, die Alten behandeln. Damit wandle sich auch die allgemeine Haltung gegenüber den Christen. Leider verbessere sich die allgemeine Situation Syriens nicht, „umso notwendiger ist das Engagement, um die Notsituation im Gesundheitsbereich zu überwinden“.