In den Golfstaaten werden große Kirchen erbaut

Im Fürstentum Katar entsteht eine orthodoxe Kathedrale, im Königreich Bahrain eine katholische

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Foto: © Francisco Anzola (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Doha-Manama, 27.03.18 (poi)  Die Zunahme der christlichen Bevölkerung in den Golfstaaten wird im Fürstentum Katar und im Königreich Bahrain sichtbar. In beiden Golfstaaten sind große christliche Gotteshäuser im Bau. In Doha, der Hauptstadt von Katar, soll die orthodoxe Kathedrale St. Isaak und Georg zum Jahresende vollendet sein . Der zuständige Erzbischof (des Patriarchats von Jerusalem), Makarios (Mavrojannakis), kündigte an, dass die Liturgien in der neuen Kirche auf griechisch, arabisch und russisch gehalten werden sollen. Der Patriarch von Jerusalem, Theophilos III., werde nach Doha kommen, um die neue Kirche zu weihen.

Bei einem Basar zu Gunsten des Kirchenbaus zeigte sich in der Fastenzeit, dass die orthodoxen Christen im Fürstentum Katar zusammenhalten: Bei dem Basar wurden Speisen und Volkskunst-Erzeugnisse der russischen, serbischen, griechischen, georgischen, moldauischen, bulgarischen und syrisch-libanesischen Tradition angeboten. Kirchenpolitisch ist Doha allerdings ein heikles Pflaster. Das Patriarchat von Antiochien ist der Auffassung, dass die ganze arabische Halbinsel traditionell zu seinem „kanonischen Territorium“ gehört. Das Patriarchat von Jerusalem stellt sich auf den Standpunkt, dass die meisten Christen in Katar aus Palästina kommen; auf diesem Hintergrund errichtete Jerusalem in Doha einen erzbischöflichen Sitz. Erzbischof Makarios wurde im März 2013 – unter heftigem Protest des Patriarchats von Antiochien – für Doha geweiht. Wegen des Streits um die kirchliche Zuständigkeit für das Fürstentum Katar ist die kirchliche Gemeinschaft zwischen den orthodoxen Patriarchaten von Antiochien und Jerusalem seit fünf Jahren gebrochen. Der Streit um Katar führte dazu, dass das Patriarchat von Antiochien 2016 nicht am Konzil von Kreta teilnahm.

In Awali, einem Vorort von Manama, der Hauptstadt des Königreichs Bahrain, haben in diesen Tagen die Bauarbeiten für die neue katholische Kathedrale begonnen, die Unserer Lieben Frau von Arabien geweiht sein wird. Nach Angaben des Apostolischen Vikars, Bischof Camillo Ballin, soll die Kathedrale im Jahr 2021 eröffnet werden. Den Baugrund hatte König Hamad bin Isa al Khalifa der katholischen Kirche vor fünf Jahren geschenkt. Die meisten Katholiken im Königreich sind Arbeitsmigranten aus Osteuropa, Südindien, von den Philippinen; es gibt aber auch rund 1.000 einheimische Katholiken. Die neue Kathedrale wird mit dem Bischofssitz verbunden sein. Wie Bischof Ballin betonte, soll sie aber in erster Linie ein spirituelles Zentrum sein. Den Bau der Kathedrale betrachte er als Zeichen einer “gewissen Öffnung” des Königreichs Bahrain für den religiösen Pluralismus.

In den Golfstaaten wird jetzt auch unbefangener mit den Zeugnissen der reichen christlichen Vergangenheit umgegangen. Bis zur ersten Jahrtausendwende gab es in den heutigen Golfstaaten eine starke christliche Präsenz – etwa durch die Diözesen und Klöster der Apostolischen Kirche des Ostens. Eine zweite Phase christlicher Präsenz ergab sich in der Zeit der portugiesischen Herrschaft im 16./17. Jahrhundert.