Moskauer Patriarchat intensiviert Dialog mit den orientalisch-orthodoxen Kirchen

Erste Runde der “bilateralen theologischen Konsultationen” zwischen russisch-orthodoxer und koptisch-orthodoxer Kirche – Besuch aus Moskau beim Katholikos der indisch-orthodoxen Kirche in Kottayam

0
69
Foto: © Apdency (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain)

Den Haag-Moskau, 28.01.20 (poi) Die russisch-orthodoxe Kirche intensiviert den theologischen Dialog mit den orientalisch-orthodoxen Kirchen (die sich nach dem Konzil von Chalcedon von der damals noch geeinten römischen Reichskirche getrennt haben). Von 20. bis 24. Jänner fand im Zentrum der koptisch-orthodoxen Kirche für die Benelux-Länder im niederländischen Lievelde die erste Runde der “bilateralen theologischen Konsultationen” zwischen russisch-orthodoxer und koptisch-orthodoxer Kirche statt. Die Aufnahme dieser “theologischen Konsultationen” war beim 3. Treffen der Kommission für den Dialog zwischen russisch-orthodoxer und koptisch-orthodoxer Kirche beschlossen worden, das von 27. bis 31. Mai 2019 in Kairo stattfand.

Treffen wie das in Kairo sollten dazu beitragen, die Arbeit der “Gemeinsamen Kommission für den theologischen Dialog zwischen der orthodoxen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen” weiterzuführen, die von 1985 bis 1993 aktiv war. Danach tagte noch das Arbeitskomitee dieser “Gemeinsamen Kommission”, zuletzt im November 2014 in Athen. Die “bilateralen theologischen Konsultationen” zwischen russisch-orthodoxer und koptisch-orthodoxer Kirche sollen ausdrücklich nicht zu einer bilateralen Übereinkunft zwischen den beiden Kirchen führen, weil dies ausschließlich der “Gemeinsamen Kommission” bei Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit vorbehalten sei. Wohl aber wurden bei der Zusammenkunft in Lievelde die wichtigsten Herausforderungen für die beiden Kirchen im gegenwärtigen Augenblick – “vor allem auch im Hinblick auf bioethische Fragestellungen” – diskutiert.

Delegationsleiter von russisch-orthodoxer Seite war der Mönch Stefan Igumnow, der im Außenamt des Moskauer Patriarchats die Abteilung für die zwischenkirchlichen Beziehungen leitet, auf koptisch-orthodoxer Seite fungierte Metropolit Serapion von Los Angeles als Delegationsleiter. Bei dem Treffen in Lievelde wurden auch die Dokumente der “Gemeinsamen Kommission” analysiert, einschließlich der Ergebnisse der inoffiziellen theologischen Gespräche zwischen orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Vertretern in den Jahren 1964 bis 1971 (an diesen inoffiziellen Gesprächen hatte u.a. der spätere Wiener armenisch-apostolische Erzbischof Mesrob Krikorian teilgenommen, der daraufhin die Stiftung “Pro Oriente” motivierte, ab 1971 ähnliche inoffizielle Gespräche zwischen katholischen und orientalisch-orthodoxen Theologen in Wien durchzuführen). Ausgehend von diesen Dokumenten ging es in Lievelde auch um Fragen der Ekklesiologie (Struktur der Kirche), der Sakramente, des Kirchenrechts, der Ikonen- und Reliquienverehrung und der monastischen Tradition.

Abschließend erläuterte Metropolit Arsenios, der die koptisch-orthodoxe Diözese für die Niederlande leitet, die Situation seiner Kirche in dem nordwesteuropäischen Land. Die koptisch-orthodoxe Kirche ist seit rund 100 Jahren in den Niederlanden präsent und ist um ein christliches Zeugnis in einer überaus säkularen Umgebung bemüht. Der koptischen Kirche in den Niederlanden gehören nicht nur Migranten aus Ägypten und dem Sudan an, sondern auch Konvertiten aus anderen ethnischen Gruppen.

Vor wenigen Tagen war eine hochrangige Delegation des Moskauer Patriarchats unter Leitung des Erzbischofs von Wladikawkas und Alanien, Leonid (Tolmatschew), der auch stellvertretender Chef des Außenamts der russisch-orthodoxen Kirche ist, bei Katholikos Marthoma Paulos II., dem Oberhaupt der indisch-orthodoxen Malankara-Kirche, in Kottayam zu Besuch. Die Visite erfolgte im Rahmen der Tätigkeit des Arbeitskomitees für die bilateralen Beziehungen zwischen russisch-orthodoxer Kirche und indisch-orthodoxer Kirche. Der Katholikos unterstrich die Bedeutung der bilateralen Gespräche zwischen russisch-orthodoxen und indisch-orthodoxen Theologen für “die ganze Orthodoxie”. Der Delegation von Erzbischof Leonid gehörte auch der Mönch Stefan Igumnow an, der im Außenamt des Moskauer Patriarchats u.a. für die Beziehungen zu den orientalisch-orthodoxen Kirchen zuständig ist.

Die orientalisch-orthodoxen Kirchen haben sich im Zug der christologischen Diskussionen beim und nach dem Konzil von Chalcedon (im Jahr 451, die Stadt heißt heute Kadiköy) von der römischen Reichskirche getrennt. Heute gehören zu dieser Kirchenfamilie die armenisch-apostolische Kirche, die syrisch-orthodoxe Kirche, die indisch-orthodoxe Kirche, die koptisch-orthodoxe Kirche, die äthiopisch-orthodoxe Kirche und die eritreisch-orthodoxe Kirche. Alle diese Kirchen sind mittlerweile im Zug der internationalen Migrationsbewegung nicht nur in ihren Ursprungsländern präsent, sondern weltweit verbreitet.