Ukrainisch-orthodoxe Kirche unterstützt „alle Friedensinitiativen von Präsident Selenskij“

Metropolit Onufrij appellierte bei der Jahresversammlung der Kiewer Eparchie an Priester und Laien, sich nicht verwirren zu lassen und die Wahrheit des Evangeliums treu zu bleiben

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Foto: © The Synodal information and educational Department (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Kiew, 30.12.19 (poi) Entspannungszeichen in der Ukraine: Die ukrainisch-orthodoxe Kirche (des Moskauer Patriarchats) unterstützt alle Friedensinitiativen von Präsident Wladimir Selenskij und schätzt seine Haltung im Hinblick auf die Kirche-Staat-Beziehungen. Dies betonte der Kanzler der ukrainisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Antonij (Pakanitsch) von Boryspol, in einem Interview mit dem Pressedienst der „Union orthodoxer Journalisten“. Wörtlich sagte der Metropolit: „Wir begrüßen die Friedensinitiativen des Präsidenten im innen- wie im außenpolitischen Bereich“. Der Schlüssel für positive Kirche-Staat-Beziehungen könnten nur „Objektivität, Unparteilichkeit und eine Haltung der Gleichbehandlung der Glaubensgemeinschaften durch die staatlichen Behörden“ sein. Die Kirche-Staat-Beziehungen sollten, so Metropolit Antonij, auf der Verfassung aufbauen, die das Prinzip der Nichteinmischung des Staates in kirchliche Angelegenheiten klar festlege.

Es sei absurd, wenn staatliche Beamte in den religiösen Bereich eingreifen wollen, um bestimmte Kategorien von Gläubigen zu bevorzugen, stellte der Kanzler der ukrainisch-orthodoxen Kirche fest. Man müsse sich nur vorstellen, welcher Skandal ausbrechen müsste, wenn eine Religionsgemeinschaft bestimmen wollte, welcher Minister als „legitim“ betrachtet werden sollte und welcher nicht oder welches Dekret der Präsident unterzeichnen sollte und welches nicht. Metropolit Antonij nahm damit auf die Tendenzen unter dem abgewählten Präsidenten Petro Poroschenko und seiner Anhänger Bezug, die mit der Bezeichnung der ukrainisch-orthodoxen Kirche als „nicht legitimer Kirche“ operierten.

Das Oberhaupt der ukrainisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Onufrij (Berezowskij), hatte bei der Jahresversammlung der von ihm geleiteten Kiewer Eparchie an Priester und Laien appelliert, sich nicht verwirren zu lassen und der Wahrheit des Evangeliums treu zu bleiben. Wörtlich sagte der Metropolit: „Wir leben in einer Kirche, die von Christus begründet worden ist und nicht von Menschen. Solange von den Kanzeln unserer Kirchen das Evangelium gepredigt wird und solange wir nach den Geboten Gottes leben, wird unsere Kirche eine Kirche Christi sein“. Es sei Aufgabe der ukrainisch-orthodoxen Kirche, die Wahrheit zu predigen, niemals aufzuhören, das Wort Gottes darzulegen und Gutes zu tun.

Metropolit Onufrij fasste bei der Jahresversammlung der Kiewer Eparchie noch einmal seine Haltung zu den kirchlichen Vorgängen um die Ukraine zusammen: „Das Patriarchat von Konstantinopel hatte begonnen, Personen zur Konzelebration zuzulassen, die über keine gültige Bischofs-, Priester- oder Diakonenweihe verfügen. Das ist Blasphemie und Missbrauch der Heiligen Eucharistie. Eines der Grundprinzipien des orthodoxen Kirchenrechts lautet, dass jeder Amtsträger, der die eucharistische Gemeinschaft mit einem Exkommunizierten aufnimmt, selbst exkommuniziert wird. Daher hat die ukrainisch-orthodoxe Kirche die eucharistische Gemeinschaft mit dem Patriarchat von Konstantinopel und mit jenen Kirchen und Hierarchen abgebrochen, die die Schismatiker anerkannt haben“. Es sei dies der einzige Weg gewesen, um die Eucharistie zu schützen und die „kanonische und spirituelle Reinheit der Kirche Christi“ zu bewahren. Energisch wies der Metropolit Vorwürfe zurück, die ukrainisch-orthodoxe Kirche betreibe Selbstisolierung: „Wo es um den wahren Glauben und das Eintreten für die kanonische Reinheit der Kirche geht, kann es keine Selbstisolierung geben“.

Die Kirche habe viele Umbrüche erlebt, sagte der Metropolit. Es habe Versuche gegeben, die Kirche zu zerstören, auseinanderzureißen, sie in die Katakomben zu verbannen. Aber das sei nie gelungen. Vorübergehende Schwierigkeiten hätten die „wahren Gläubigen“ gestärkt, die Kirche habe immer überlebt. Die jüngsten Ereignisse in der Ukraine könnten nicht mit der Verfolgung in der Sowjetunion oder dem Martyrium der frühen Christen verglichen werden. Metropolit Onufrij appellierte an Priester und Laien, ihre Aufgaben ohne „überflüssiges Pathos“ zu erfüllen und „mutig Christus die Treue zu halten“.

Metropolit Antonij nannte am Tag der Jahresversammlung der Kiewer Eparchie in einem Medieninterview die exakten Zahlen der ukrainisch-orthodoxen Pfarrgemeinden, die zur neuen „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ übergegangen sind. Demnach seien 84 Pfarrgemeinden freiwillig zu der am 15. Dezember 2018 begründeten neuen Kirche übergetreten, 122 Pfarrgemeinden seien von Vertretern der „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ gewaltsam in Besitz genommen worden, 220 Pfarrgemeinden seien in der Poroschenko-Ära illegal von den Lokalbehörden als Gemeinden der neuen Kirche registriert worden. „Wir hätten nie vermutet, dass in einem demokratischen Staat Vorgänge wie die gewaltsame Inbesitznahme oder die illegale ‚Umregistrierung‘ von Pfarrgemeinden möglich sind“, sagte der Kanzler der ukrainisch-orthodoxen Kirche. Mittlerweile habe die Rechtsabteilung seiner Kirche eine Hotline eingerichtet, an die sich die betroffenen Priester und Laien wenden können. Derzeit seien 250 Prozesse im Laufen, um die Rückgabe von widerrechtlich entzogenen Gotteshäusern und Pfarrgebäuden zu erreichen.