10. Dezember: Lichtermarsch für die verfolgten Christen in der Wiener Innenstadt

Kundgebung der Plattform „Solidarität mit verfolgten Christen“ am 70. Jahrestag der Proklamation der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ – Besorgnis erregende Zunahme der Christenverfolgung in mehr als 50 Ländern

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Foto: © Bwag/Wikimedia (Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Wien, 05.12.18 (poi) Am Montag, 10. Dezember, findet in Wien wieder ein großer Lichtermarsch für die verfolgten Christen statt, Veranstalterin ist die Plattform „Solidarität mit verfolgten Christen“, in der sich rund 20 christliche Organisationen zusammengefunden haben. Die Plattform versteht sich als ein Sprachrohr der Millionen von Christen, die in mehr als 50 Ländern der Welt diskriminiert und verfolgt, ja immer wieder auch getötet werden. Zugleich setzt sich die Plattform für die volle Religionsfreiheit der praktizierenden Christen in Europa (gegen rechtliche Einschränkungen der Meinungs- und Gewissensfreiheit) ein. Dabei wird betont, dass zweifellos ein großer Unterschied zwischen Verfolgungssituationen in asiatischen oder afrikanischen Ländern und der Lage in Europa besteht, aber auch hier sei es notwendig, gegen alarmierende Entwicklungen Zeichen zu setzen. Der Termin des Lichtermarsches hat heuer besondere Bedeutung, weil der 10. Dezember der 70. Jahrestag der Proklamation der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen ist. Die dort festgeschriebene Religionsfreiheit gilt als „die Mutter aller Menschenrechte“. Der Treffpunkt ist um 17 Uhr bei der Staatsoper, anschließend führt der Weg zum Stephansdom, wo nach 18 Uhr ein ökumenischer Wortgottesdienst stattfindet. Aus technischen Gründen – wegen des massiven Passanten-Andrangs in der Kärntner Straße – wird der Lichtermarsch auch heuer in zwei Varianten geführt (Kärntner Straße bzw. Neuer Markt-Seilergasse). Für beide Gruppen gibt es gleichzeitig eine „Statio“ vor der Malteserkirche bzw. der Kapuzinerkirche. Kardinal Christoph Schönborn sendet an die Teilnehmenden des Lichtermarsches eine Grußadresse, die Weihbischof Franz Scharl verlesen wird.

Die Plattform „Solidarität mit verfolgten Christen“ macht darauf aufmerksam, dass die Verfolgung von Christen aus Glaubensgründen weltweit einen neuen Höchststand erreicht hat. Dabei beruft sich die Plattform auf die evangelikale Organisation „Open Doors“, die alljährlich die Zahl der verfolgten Christen genau in einem „Weltverfolgungsindex“ erhebt. In dem Index wird vor allem die Situation in islamisch dominierten Ländern, in afrikanischen Staaten mit gemischter christlicher und islamischer Bevölkerung und in indischen Bundesstaaten erhoben, in denen die regionale Regierung von hindu-nationalistischen Gruppierungen gestellt wird. Besonderes Augenmerk gilt auch der Situation christlicher Flüchtlinge bzw. von Konvertiten zum Christentum. Die Plattform zitiert Ellen Fantini vom Dokumentationsarchiv „Intoleranz gegen Christen“: Es ist inakzeptabel, dass viele Christen in Flüchtlingsunterkünften in Europa vor einem Genozid geflohen sind, dass ihnen aber Diskriminierung, Missbrauch und Gewalt nach Europa gefolgt sind“. Christen dürften nicht in Länder abgeschoben werden, in denen sie wegen ihres Glaubens der Verfolgung ausgesetzt sind.  (Anfragen: Kurt Igler, Tel.: 0699/174 75 666, Herbert Rechberger, Tel.: 01/405 25 530, Martin Kugler, Tel.: 0699/101 02 208).

Vor kurzem – am 25. Oktober – hat der Nationalrat einen von der Abgeordneten Gudrun Kugler (V) im  Menschenrechts-Ausschuss eingebrachten Antrag in  Sachen Verfolgung religiöser Minderheiten – insbesondere christlicher Minderheiten – verabschiedet. In dem Antrag wird die Bundesregierung „vor dem Hintergrund der weltweit zunehmenden Diskriminierung und Intoleranz gegenüber Angehörigen religiöser und insbesondere christlicher Minderheiten“ ersucht, sich – „wie im Regierungsprogramm vorgesehen“ –  international gegen die Verfolgung religiöser Minderheiten, insbesondere christlicher Minderheiten, einzusetzen. Im Nationalrat hatte Gudrun Kugler darauf hingewiesen, dass das heurige Gedenkjahr mit Menschenrechten zu tun hat. Sie erinnerte an die Jahrestage – 1948 Proklamation der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, 1958 Ratifizierung durch Österreich, 1998 Beschluss über Statut des Internationalen Strafgerichtshofs. Dieses Statut erlaube es der internationalen Staatengemeinschaft, auf Einzelne zuzugreifen, die Menschenrechtsverletzungen begangen haben. In diesem Zusammenhang erinnerte die Abgeordnete an die Verfolgung von Christen und Jesiden durch islamistische Milizionäre im Irak.

Im Hinblick auf kritische Anmerkungen einzelner Oppositionsvertreter wies Gudrun Kugler daraufhin, dass ihr Antrag ausdrücklich die Verfolgung „aller“ religiösen Minderheiten in den Blick nehme, aber „insbesondere“ die der Christen, weil  diese Gruppe am meisten verfolgt wird.

Am Abend des 10. Dezember werden drei orientalische Patriarchen – der chaldäisch-katholische Kardinal-Patriarch Mar Louis Raphael Sako, der syrisch-orthodoxe Patriarch Mor Ignatius Aphrem II. und der syrisch-katholische Patriarch Mor Ignatius Yousef III. Younan – zu einem Kurzbesuch in Wien erwartet.

 

Solidaritätskundgebung in Wien für die verfolgten Christen weltweit am 70. Jahrestag der Proklamation der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte – Grußwort von Außenministerin Kneissl: „Einsatz für religiöse Minderheiten klare außenpolitische Priorität“ – Achtung, Sperrfrist, Montag, 10. Dezember, 18 Uhr

Wien, 10.12.18 (poi) Am 70. Jahrestag der Proklamation der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte fand in Wien am Montag ein Lichtermarsch für die verfolgten Christen statt, an dem zahlreiche Christen unterschiedlicher Konfession teilnahmen.  Den Abschluss bildete ein ökumenischer Gottesdienst im Stephansdom. Getragen wurde der Lichtermarsch von der Plattform „Solidarität mit verfolgten Christen“, die vor zehn Jahren den ersten Aktionstag für die verfolgten Christen durchgeführt hatte, aus dem sich der alljährlich abgehaltene Lichtermarsch mit abschließendem  Gottesdienst im Stephansdom entwickelt hat. Der Plattform gehören rund 20 christliche Organisationen an. Kardinal Christoph Schönborn stellte am Montag in einem Grußwort, das von Weihbischof Franz Scharl beim Lichtermarsch verlesen wurde, wörtlich fest: Vor 70 Jahren wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte proklamiert, in der die Religionsfreiheit verankert ist. Doch wird sie in vielen Teilen der Welt noch immer mit Füßen getreten. Mehr als 100 Millionen Christen werden weltweit verfolgt, unterdrückt und ausgegrenzt. Diese Menschen brauchen unsere Unterstützung, unsere Solidarität und unser Gebet“. Der Wiener Erzbischof brachte seine Dankbarkeit dafür zum Ausdruck, dass mit dem Lichtermarsch auf die Not verfolgter Christen aufmerksam gemacht wird: „Möge dieser Marsch die Verbundenheit mit unseren Brüdern und Schwestern stärken, ein deutliches Zeichen für die Religionsfreiheit setzen und den verfolgten Menschen Hoffnung bringen“.

Außenministerin Karin Kneissl stellte in einem an die Teilnehmenden des Lichtermarsches übermittelten Grußwort ihrerseits fest, dass die weltweite Zunahme von Konflikten und Gewalttaten gegen religiöse Minderheiten mit großer Sorge erfülle. Vor allem im Nahen Osten sei die Situation von Christen und anderen Angehörigen religiöser Minderheiten äußerst besorgniserregend. Dies sei umso bedauerlicher, als das Zusammenleben in der Region lange Zeit von Toleranz geprägt war. Verfolgung und Migration bedrohten nunmehr diese Diversität in der arabischen Welt, das könne einen nicht wieder gutzumachenden Verlust für den sozialen und kulturellen Reichtum in dieser Region bedeuten.

Die österreichische Bundesregierung habe den Schutz religiöser Minderheiten – insbesondere christlicher Minderheiten – in ihrem Regierungsprogramm zu einer klaren außenpolitischen Priorität gemacht, erinnerte die Außenministerin: „Wir setzen uns sowohl in bilateralen Gesprächen mit betroffenen Ländern als auch auf europäischer und internationaler Ebene intensiv für eine Verbesserung der Situation religiöser Minderheiten weltweit ein“. Der Einsatz für Religionsfreiheit sei  auch ein Schwerpunkt für die mit 1. Jänner 2019 beginnende österreichische Mitgliedschaft im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen.

Die Europäische Union sei ein wesentlicher Akteur in Sachen weltweiter Religionsfreiheit, betonte Kneissl. Auf Ebene der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik achte Wien auf die „effektive Umsetzung der auf österreichische Initiative im Jahr 2013 angenommenen Leitlinien für Religions- und Gewissensfreiheit“. Darüber hinaus unterstütze Österreich das Mandat des Sonderbeauftragten für Religionsfreiheit außerhalb der Europäischen Union, Jan Figel, der hier wertvolle Arbeit leiste.

Österreich sei seit Jahrzehnten aber auch im interreligiösen Dialog aktiv, stellte die Außenministerin fest. Staaten müssten sich für Toleranz und Respekt gegenüber Andersgläubigen einsetzen. Aber auch religiöse Verantwortungsträger hätten eine klare Verantwortung, sich gegen Gewalt schürende Interpretationen ihres Glaubens auszusprechen.

Die überwiegende Mehrzahl nationaler und internationaler Konflikte weise heute eine religiöse Dimension auf, so Kneissl. Interreligiöser Dialog sei daher oft ein wichtiges Mittel zur Konfliktlösung. Unterstützung und Respekt würden jenen gelten, die ihre Religion, ihren Glauben, ihre Weltanschauung „in den Dienst des Friedens stellen“. Dazu gehöre auch, einander im Dialog zu begegnen und über die Grenzen der eigenen Gemeinschaft hinweg für Versöhnung und Verständigung zu arbeiten.