Abkommen zwischen Vatikan und Kasachischer Republik

Die Übereinkunft wird neue Möglichkeiten für „gemeinsame Projekte zur Förderung des gegenseitigen Respekts unter den Repräsentanten der verschiedenen Religionsgemeinschaften“ eröffnen – Unterzeichnung erfolgte im Zuge einer Videokonferenz

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Foto ©: Dnalor 01 (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Astana,  19.10.20 (poi) Der Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog und das kasachische „Nazarbajew-Zentrum  für die Entwicklung des interkonfessionellen Dialogs“ haben ein gemeinsames Memorandum unterzeichnet, „das vielversprechende neue Möglichkeiten für gemeinsame Projekte zur Förderung des gegenseitigen Respekts und der Kenntnis unter den Repräsentanten der verschiedenen Religionsgemeinschaften eröffnet“. Dies teilte die kasachische katholische Bischofskonferenz in einem Kommunique mit. Die Unterzeichnung war im Zuge einer Videokonferenz erfolgt, an der u.a. der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Kardinal Miguel Angel Ayuso Guixot, der Vorsitzende des „Nazarbajew-Zentrums“, Botschafter Altai Abibullajew, der Apostolische Nuntius in Astana, Francis A. Chullikatt, und der Generalsekretär der kasachischen Bischofskonferenz, Bischof Athanasius Schneider, teilnahmen.

Von beiden Seiten sei die Bedeutung der Übereinkunft für die weitere Entwicklung der freundschaftlichen institutionellen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Kasachischen Republik betont worden, heißt es in dem Kommunique der Bischofskonferenz. Der interreligiöse Dialog sei für Kasachstan von besonderer Bedeutung, was auch daran ersichtlich sei, dass die kasachische Regierung alle drei Jahre einen Kongress der Führungspersönlichkeiten der Weltreligionen organisiert.

Im Oktober 1992 wurden die diplomatischen Beziehungen zwischen der kurz zuvor unabhängig gewordenen Kasachischen Republik und dem Heiligen Stuhl aufgenommen. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit sei in den drei offiziellen Vatikan-Besuchen von Präsident Nazarbajew in den Jahren 1998, 2003 und 2009, vor allem aber durch den Pastoralbesuch von Papst Johannes Paul II. im September 2001 zum Ausdruck gekommen. Der Wojtyla-Papst habe damals bei einer Begegnung an der Eurasiatischen Universität Kasachstan als ein „Land der Begegnung und des Austausches“ bezeichnet, in dem die Diversität nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung erlebt wird.

Religionsfreiheit und interreligiöser Dialog seien seit der Unabhängigkeitserklärung der früheren Sowjetrepublik „tragende Säulen der kasachischen Politik“, heißt es in einer Analyse der katholischen Nachrichtenagentur „Fides“. Präsident Nazarbajew (der von 1990 bis 2019 im Amt war) habe die Religionsfreiheit als  „Instrument der Harmonie“ und der „Einheit in der Verschiedenheit“ aufgefasst. Diese Linie werde offensichtlich auch von Nazarbajews Nachfolger, Präsident Kassym-Jomart Tokajew, fortgesetzt.