Abu-Dhabi-Erklärung wurde in Ägypten schon „vorweggenommen“

Kardinal Sandri hörte bei seiner Pastoralreise zum 800-Jahr-Gedenken der Begegnung zwischen dem Heiligen Franziskus und Sultan al-Kamil aber auch ungeschminkte Berichte über die örtliche Situation

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Foto: © Bernardo Löwenstein (Quelle: Wikimedia; Lizenz; Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Kairo, 27.02.19 (poi) Die Katholiken in Ägypten haben in der Praxis vieles von dem vorweggenommen, was Papst Franziskus in dem gemeinsam mit dem Großimam der Al Azhar-Universität, Ahmed Al-Tayyeb, in Abu Dhabi unterzeichneten Dokument über die menschliche Brüderlichkeit darlegen wollte. Dies betonte Kardinal Leonardo Sandri, Präfekt der vatikanischen Ostkirchenkongregation, bei seiner Pastoralreise zum 800-Jahr-Gedenken der Begegnung zwischen dem Heiligen Franziskus und Sultan Al-Malik al-Kamil im oberägyptischen Minia, wo er in der neuerbauten Auferstehung Christi-Kirche in Neu-Minia vom koptisch-katholischen Ortsbischof Boutros Fahim Awad Hanna festlich empfangen wurde. Die Auferstehung Christi-Kirche ist bereits das sechste neue Gotteshaus, das der Bischof in den bisher fünf Jahren seiner Amtszeit erbaut hat.

Großen Eindruck machte auf den Kardinal und seine Delegation das Schulzentrum des Guten Hirten, Teil eines Schul-Konsortiums von sieben katholischen Schulen, an denen 5.000 Schülerinnen und Schüler – Christen und Muslime – unterrichtet werden. Was hier geschehe, sei eine Verwirklichung der Ziele der von Papst und Großimam unterzeichneten Abu Dhabi-Erklärung, betonte Kardinal Sandri. Beim Gottesdienst in der schwer bewachten koptisch-katholischen Kathedrale konzelebrierte Kardinal Sandri mit Bischof Boutros und dem Apostolischen Nuntius in Kairo, Erzbischof Bruno Musaro‘. Nach dem Gottesdienst traf der Kardinal in einer im Programm nicht vorgesehenen Begegnung mit Priestern der koptisch-katholischen Eparchie zusammen. Nach der Präsentation von pastoralen Programmen wurde laut Medienmitteilung der Ostkirchenkongregation sehr offen über die Situation diskutiert: Die auch unter dem Klerus weit verbreitete Armut, innerkirchliche Kommunikationsmängel, die „offene Wunde“ in der Ökumene, weil trotz offizieller Erklärungen von koptisch-orthodoxen Priestern nach wie vor die Wiedertaufe von Katholiken praktiziert werde, wenn sie wegen Eheschließung oder anderer Gründe konvertieren wollen, die mangelnde Koordination bei der Präsentation von Hilfsprojekten.

 

„Zeugen des Märtyrertums“

Der franziskanische Kustos des Heiligen Landes, P. Francesco Patton, würdigte bei einer Begegnung mit dem koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen Tawadros II. im Rahmen der Pastoralreise zum 800-Jahr-Gedenken der Begegnung zwischen dem Heiligen Franziskus und Sultan al-Kamil die koptische Kirche für ihre Treue zu Christus. „In diesen Jahren hat die koptische Kirche Ägyptens den Gläubigen des Nahen Ostens und der ganzen Welt ein eindrucksvolles Zeugnis des Märtyrertums gegeben“, sagte der Kustos bei dem Treffen mit dem Papst-Patriarchen am Dienstag in Kairo.

  1. Patton betonte die Solidarität mit den Kopten Ägyptens angesichts von Terror und Gewalt. Das Zeugnis der Kopten sei das „Zeugnis derer, die sogar ihre Feinde lieben können“. Zudem verwies Patton auf die Bedeutung der jüngsten gemeinsamen Erklärung, mit der Papst Franziskus und Großimam Ahmed Al-Tayyeb zur menschlichen Brüderlichkeit aufgefordert haben und vor fehlgeleiteten religiösen Lehren warnten. Religionen dürften niemals zu Krieg, Hass, Extremismus, Gewalt oder Blutvergießen aufrufen, so der Kustos des Heiligen Landes.

Der Delegation von Kardinal Sandri gehört aus Österreich auch Prof. Pablo Argarate, Leiter des Instituts für Ökumenische Theologie, Ostkirchliche Orthodoxie und Patrologie an der Universität Graz, an. Der aus Argentinien stammende Theologe ist ein ausgewiesener Ostkirchen-Experte und arbeitet intensiv bei „Pro Oriente“ mit.