Ägypten: Gedenken an ermordeten Abt Bischof Epiphanios

Der Abt des koptischen Makarios-Klosters, der auch der Stiftung PRO ORIENTE eng verbunden war, wurde vor drei Jahren von einem Mönch ermordet

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Foto: © Berthold Werner (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Kairo, 30.07.21 (poi) Im ägyptischen Makarios-Kloster im Wadi al-Natrun wurde am Donnerstag mit einem Gottesdienst des dritten Todestages des im Juli 2018 ermordeten koptisch-orthodoxen Abtes und Bischofs Epiphanios gedacht. Der koptische Patriarch Tawadros II. würdigte anlässlich des Gedenkens das Lebensbeispiel des Abtes. Epiphanios habe sich durch „überfließendes Wissen“, begleitet von einer beispielhaften „Einfachheit des Lebens“ und einer „weisen Sanftmut“ ausgezeichnet, zitierte der vatikanische Nachrichtendienst „fides“ das Oberhaupt der Koptischen Kirche.

Bischof Epiphanios war am 29. Juli 2018 in dem Wüstenkloster nordwestlich von Kairo von einem Mitbruder getötet worden. Als Anlass der Ermordung nannten die Behörden nicht näher bezeichnete Unstimmigkeiten disziplinärer und finanzieller Art zwischen dem Abt und dem Mörder sowie einem Komplizen. Der Mörder wurde im Mai 2021 in Kairo hingerichtet. Der Komplize erhielt eine lebenslange Haftstrafe.

Nach dem Tod des Bischofs hatte Patriarch Tawadros II. scharfe Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ordensdisziplin ergriffen. Unter anderem setzte er die Neuaufnahme von Mönchen für ein Jahr aus. Ebenso wurden die Ordensmänner aufgefordert, ihre Aktivitäten in Sozialen Netzwerken zu beenden.

Das Kloster des heiligen Makarios des Großen liegt in der Sketischen Wüste zwischen Kairo und Alexandria. Es wurde im 4. Jahrhundert vom heiligen Makarios von Ägypten gegründet und ist seither ununterbrochen bewohnt. Epiphanios stand dem Kloster seit 2013 vor. Er zählte zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der Koptischen Kirche. Als Forscher und Wissenschaftler arbeitete er an der Übersetzung mehrerer Bücher der Bibel vom Griechischen ins Arabische mit.

Tiefe Betroffenheit bei PRO ORIENTE

Die Ermordung des Abt-Bischofs hatte 2018 auch bei der Stiftung PRO ORIENTE tiefe Betroffenheit ausgelöst. Der Bischof war Mitglied der „PRO ORIENTE Commission for Ecumenical Encounter between the Catholic Church and the Oriental Orthodox Churches“ (CEE) gewesen. Bereits früher hatte sich Bischof Epiphanios am inoffiziellen ökumenischen Dialog von PRO ORIENTE beteiligt.

Kardinal Christoph Schönborn, Vorsitzender des PRO ORIENTE-Kuratoriums, war bei seinem Besuch in Ägypten im Herbst 2016 ebenfalls im Makarios-Kloster zu Gast und zeigte sich beeindruckt von der Persönlichkeit des Abts, der ihm und der ihn begleitenden PRO ORIENTE-Delegation einen sehr herzlichen Empfang bereitet hatte.

Epiphanios kam aus der Schule des berühmten Mönchs Matta al-Maskin (Matthäus der Arme), der eine von Mönchen getragene kirchliche Erneuerungsbewegung initiiert hatte und weltweit bekannt war – auch als geistlicher Schriftsteller (etwa mit seinem Werk „Die Erfahrung Gottes im Leben des Gebets“).