Ägypten: Kopten in Minya lehnen „Versöhnungszeremonie“ ab

Diese von den Behörden veranstalteten Zeremonien führen nach interreligiösen Zwischenfällen oft dazu, dass Straftaten von Islamisten nicht verfolgt werden

0
627
Foto: © Bertramz (Quelle: Wikimedia; Lizenz: GNU Free Documentation License)

Kairo, 13.09.18 (poi) Der koptisch-orthodoxe Bischof von Minya, Anba Makarios, hat den Vorschlag der ägyptischen Behörden zur Abhaltung einer traditionellen „Versöhnungszeremonie“ nach den jüngsten islamistischen Ausschreitungen gegen Christen in Demshaw Hashem in der Provinz Minya abgelehnt. Der koptische Bischof erklärte laut katholischer Nachrichtenagentur „Fides“, dass solche traditionellen Zeremonien oft den legitimen Schutz der Rechte christlicher Bürger nicht gewährleisten und Verbrechen nicht bestraft werden. Angesichts der Episoden religiöser Gewalt appellierte Anba Makarios an das Gesetz und rief das Prinzip der Gleichheit aller Bürger in Erinnerung, das von Präsident Abd-el-Fattah al Sisi immer wieder betont wird.

In den letzten Tagen hatten auch andere koptische Vertreter die traditionelle „Versöhnungszeremonie“ im Fall der jüngsten Gewaltwelle gegen koptische Christen in Demshaw Hashem abgelehnt. In dem Dorf verhaftete die Polizei 19 Personen, die verdächtigt werden, die Häuser koptischer Christen angegriffen zu haben. Auslöser der Übergriffe war ein Gebet in einer angeblich ohne Baugenehmigung errichteten Kirche. Die traditionellen Versöhnungszeremonien führen nach Ansicht der koptischen Gruppen dazu, dass kriminellen Handlungen islamistischer Gruppen ungesühnt bleiben.

Bei den so genannten „Versöhnungszeremonien“ handelt es sich um öffentliche Versammlungen, die von den lokalen Behörden veranstaltet werden, um die Mitglieder der verschiedenen Religionsgemeinschaften nach konfessionellen Zusammenstößen zu öffentlichen Gesten der Versöhnung zu bewegen. Sie werden insbesondere von der Initiative „Haus der ägyptischen Familie“ gefördert, die als interreligiöse Verbindungsstelle aktiv dafür eintritt, interreligiöse Konflikte zu verhindern.