Ägypten: Todesurteil gegen Bischofsmörder bestätigt

Es handelt sich um einen der beiden Täter beim Überfall auf den Abt des Makarios-Klosters, Bischof Epiphanios, im Jahr 2018

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Foto: © Berthold Werner (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Kairo, 04.07.20 (poi) Der Oberste Gerichtshof Ägyptens hat am 1. Juli das Todesurteil gegen den früheren koptischen Mönch Wael Saad Tawadros bestätigt; der Ex-Mönch war verurteilt worden, weil er am 29. Juli 2018 im Makarios-Kloster im Wadi Natrun Abt-Bischof Epiphanios – gemeinsam mit einem Mittäter – ermordet hatte. Das Höchstgericht verurteilte den Mittäter, den Mönch Falta’os al-Makari, nur zu lebenslanger Haft und hob damit das gegen ihn ausgesprochene Todesurteil auf.

Die Todesurteile gegen die beiden – aus dem Kloster verstoßenen – Mönche war am 23. Februar 2019 vom Strafgerichtshof in Damanhur erlassen worden. Am 24. April 2019 hatte der ägyptische Großmufti sein „nihil obstat“ für die Urteile erteilt (in Ägypten können Todesurteile nur vollstreckt werden, wenn der Großmufti keinen Einspruch erhebt). Das doppelte Todesurteil wurde in koptischen Kreisen als „Katastrophe“ bezeichnet, Bischof Agathon forderte dazu auf, für die beiden Verurteilten zu beten und so bald wie möglich Berufung gegen das Urteil einzulegen.

Die Ermordung von Bischof Epiphanios hatte die gesamte koptische Kirche erschüttert – aber auch im ökumenischen Bereich tiefe Betroffenheit ausgelöst, so bei „Pro Oriente“, wo der koptisch-orthodoxe Bischof als von Papst-Patriarch Tawadros II. beauftragter Gesprächspartner in der „Commission for Ecumenical Encounter between the Catholic Church and the Oriental Orthodox Churches“ (CEE) hoch geschätzt wurde. Laut den Ermittlungen der ägyptischen Sicherheits- und Justizbehörden war es zu Streitigkeiten zwischen dem ermordeten Abt und den beiden Verurteilten wegen wirtschaftlicher Probleme und wegen mehrerer Verstöße gegen die Mönchsregeln gekommen. Während des Prozesses erklärten sich die beiden Angeklagten für unschuldig und zogen auch frühere Schuldbekenntnisse zurück, die sie auf psychologischen Druck der Ermittler zurückführten.

Bischof Epiphanios war in den frühen Morgenstunden des 29. Juli 2018 in einer Blutlache im Makarios-Kloster aufgefunden worden. Er war auf dem Weg von seiner Zelle zum Morgengebet vor Beginn der Sonntagsmesse. Der 64-jährige Epiphanios wurde in Tanta geboren und hatte ursprünglich Medizin studiert. Er trat 1984 in das Makarios-Kloster ein und wurde 2002 zum Priester geweiht. Als Wissenschaftler und Gelehrter hatte er an der Übersetzung mehrerer Bücher der Bibel vom Griechischen ins Arabische gearbeitet und sich stets um freundschaftliche Beziehungen auch mit Mönchsgemeinschaften anderer christlicher Konfessionen bemüht. Aus dieser ökumenischen Einstellung rührte auch seine Beziehung zu „Pro Oriente“.