Äthiopien gedachte der 34 jungen Christen, die vor vier Jahren von IS-Terroristen in Libyen ermordet wurden

Die jungen Leute hatten sich geweigert, ihrem christlichen Glauben abzuschwören und zum Islam zu konvertieren – Verhandlungen über Überführung der Leichen

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Foto: © Gyrofrog (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Addis Abeba, 21.04.19 (poi) In Äthiopien wurde am Sonntag der 34 jungen Männer gedacht, die vor vier Jahren wegen ihrer christlichen Glaubensüberzeugung in Libyen von IS-Terroristen ermordet wurden. Die IS-Terroristen hatten genau vor vier Jahren grausige Videos ins Netz gestellt, auf denen die Ermordung der 34 jungen Äthiopier zu sehen war: 17 wurden – in orangefarbenen Sträflingskleidern – an einem Mittelmeerstrand geköpft, 17 in schwarzen Gewändern wurden in einer wüstenhaften Gegend (vermutlich im Fezzan) durch Genickschuss getötet. Die Terroristen führten als „Begründung“ ihres Verbrechens an, dass sich die Äthiopier geweigert hätten, ihrem Glauben abzuschwören und zum Islam zu konvertieren. Nach unbestätigten Berichten war unter den Opfern auch ein muslimischer Äthiopier, der sich von seinen Kameraden nicht trennen wollte und ihr Schicksal auch auf sich nahm. Die Leichen der Opfer wurden im Dezember des Vorjahrs entdeckt, es sind Verhandlungen zur Überführung der sterblichen Hüllen nach Äthiopien im Gang. Wegen der seit Jahren in Auflösung befindlichen libyschen Staatlichkeit gestalten sich diese Verhandlungen schwierig.

Auch ist bis heute nicht hundertprozentig geklärt, ob alle 34 Opfer der Islamisten äthiopische Staatsbürger waren oder ob es unter ihnen nicht auch eritreische Bürger gab. Unter den Migranten aus dem Bereich des „Horns von Afrika“ sind äthiopische ebenso wie eritreische oder somalische Staatsbürger. Viele von ihnen kommen bei der Durchquerung der Wüsten ums Leben oder werden Opfer von modernen Sklavenhändlern oder Transplantations-Verbrechern, die an den Organen gesunder junger Leute interessiert sind. Im orthodoxen Blog „Orthodox News OCP“ hieß es am Sonntag: „Wir beten, dass sich die Lebensverhältnisse in Afrika südlich der Sahara soweit verbessern, dass unsere jungen Leute nicht mehr in der Hoffnung  auf ein besseres Schicksal in Europa ihr Leben riskieren müssen“.

Das halbstündige Video mit den Mordtaten war im April 2015 von der sogenannten Medienabteilung der IS-Terroristen („Al Furqan Media“) veröffentlicht worden. Das Außenministerium in Addis Abeba bildete damals eine Sonderkommission, um zu ergründen, ob es sich bei den Mordopfern tatsächlich um äthiopische Bürger handelte. In einer Erklärung wurde festgestellt, „in jedem Fall verurteilen wir mit äußerster Schärfe solche Untaten, ob es sich nun bei den Opfern um Äthiopier oder Bürger anderer Staaten handelt“.

Die Opfer der Mordorgie in Libyen wurden von den Terroristen in dem IS-Video als „Angehörige der feindlichen äthiopischen Kirche“ präsentiert. Der koptisch-katholische Bischof Antonios Aziz Mina sagte im Gespräch mit der vatikanischen Nachrichtenagentur „Fides“, es mache betroffen, dass die äthiopische Kirche als „feindliche Kirche“ bezeichnet werde. Offensichtlich hätten die dschihadistischen Terroristen am Besuch von Patriarch Mathias I. in Ägypten im April 2013 Anstoß genommen, bei dem es nicht nur zur kirchlichen Versöhnung zwischen äthiopischer und koptischer Kirche kam, sondern auch zu einer politischen Annäherung zwischen Addis Abeba und Kairo. Trotz des „großen Schmerzes“ durch das neue Blutbad in Libyen würden die Christen im nordöstlichen Afrika die Ereignisse weiterhin „mit den Augen des Glaubens“ sehen, betonte Bischof Aziz Mina: „Die Reihe der Märtyrer ist nicht zu Ende, sie wird sich durch die ganze Geschichte bis zum Jüngsten Tag fortsetzen. Die Christen suchen das Martyrium nicht, sie wollen in Frieden und Fröhlichkeit leben. Aber wenn das Martyrium kommt, ist es tröstlich zu sehen, wie die Gläubigen unbeirrt für Christus Zeugnis ablegen, wie es auch die 21 im Februar 2015 ermordeten Kopten angesichts der Mörder getan haben“.

In dem Video über die Ermordung der jungen Äthiopier kam die wirre Gedankenwelt der IS-Terroristen zum Ausdruck. Unter dem Titel „Bis ein deutlicher Beweis zu ihnen kam“ bezogen sie sich auf Sure 98 des Korans und illustrierten mit Bildern von der Zerstörung christlicher Kirchen und Friedhöfe im nördlichen Irak sowie der Schändung von Ikonen die „einzigen Möglichkeiten“ für die Christen: Konversion zum Islam oder Zahlung der ausgiebigen Sondersteuer für den „Schutz“ durch die muslimischen Machthaber („Dschizya“). Die beiden „einzigen Möglichkeiten“ wurden Personen in den Mund gelegt, die als „Christen aus Syrien“ präsentiert wurden.