Äthiopiens Christen begrüßen heimgekehrten Patriarchen Abuna Merkurios

Der einstige Ministerpräsident Tamirat Layne, der vor 27 Jahren den Rücktritt des Patriarchen erzwungen hatte, bat um Vergebung

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Foto: © Mark Neyman / Government Press Office (Israel) (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Addis Abeba, 04.08.18 (poi) Die Überwindung des Schismas in der äthiopisch-orthodoxen Kirche wurde nach der Rückkehr des exilierten Patriarchen Abuna Merkurios auch in Addis Abeba eindrucksvoll gefeiert. Patriarch Abuna Mathias hielt eine bewegende Begrüßungsansprache, als Abuna Merkurios in die Dreifaltigkeitskathedrale der äthiopischen Hauptstadt einzog.  Abuna Mathias erinnerte daran, dass sie beide – die jetzt miteinander „gleich an Ehre“ die äthiopische Kirche leiten werden – am selben Tag und in der selben Feier in den bischöflichen Rang erhoben wurden. Der damalige Patriarch Abuna Tekle Haimanot hatte die beiden jetzigen Patriarchen zusammen mit zwölf anderen Klerikern am 21. Jänner 1979 in der Dreifaltigkeitskathedrale zu Bischöfen geweiht. Dieser Akt war notwendig geworden, weil das marxistische „Derg“-Regime darauf bestand, dass alle früheren Bischöfe aus dem Amt scheiden müssten, weil sie mit Kaiser Haile Selasie I. und dessen Regime verbunden gewesen seien. Der „Derg“-Vorsitzende Mengistu Haile Mariam – der seit seinem Sturz 1991 als Großgrundbesitzer und „gentleman farmer“ in Zimbabwe lebt – war damals nicht bereit, Kompromisse einzugehen.

Besonderen Eindruck machte nach der Heimkehr von Abuna Merkurios die Vergebungsbitte des einstigen Ministerpräsidenten Tamirat Layne. Der frühere Politiker – heute ein fundamentalistischer evangelikaler Pastor – sprach im Patriarchenpalast in Addis Abeba vor, verbeugte sich tief vor Abuna Merkurios, küsste (in der üblichen orientalischen Geste) dessen Füße und bat um Vergebung für seine Rolle beim vor mehr als 25 Jahren erzwungenen Amtsverzicht des Patriarchen. Abuna Merkurios musste danach ins Nachbarland Kenia flüchten. Aber auch der erste Ministerpräsident der EPRDF fiel bald in Ungnade, er wurde wegen Korruption eingekerkert. Im Gefängnis bereute er seine Taten einschließlich des erzwungenen Rücktritts des Patriarchen. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis wurde er ein „born again christian“ und schlug eine Pastorenlaufbahn ein. Tamirat Layne wurde nicht müde, dass er für seine Taten als Politiker Buße tun wolle. Insbesondere sei es ihm darum zu tun, das von ihm mitverursachte Schisma in der äthiopisch-orthodoxen Kirche zu heilen. Die Bilder von der Begegnung von Abuna Merkurios mit Tamirat Layne – insbesondere jene vom Fußkuss des Pastors für den Patriarchen  – kursieren in den „social media“ in Äthiopien, aber auch in der weltweiten äthiopischen Diaspora.