Akademie von Volos entwarf Programm der Theologenausbildung für die „Orthodoxe Kirche der Ukraine“

Ökumenischer Patriarch erklärte in Interview mit ukrainischer Nachrichtenagentur, die Kirche von Griechenland werde die erste orthodoxe Schwesterkirche sein, die die neue ukrainische Kirche anerkennt

0
62
Foto: © Klearchos Kapoutsis from Santorini (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Konstantinopel, 14.07.19 (poi) Die Auseinandersetzung um die neugegründete „Orthodoxe Kirche der Ukraine“ – der vom Ökumenischen Patriarchen am 6. Jänner die Autokephalie verliehen wurde – geht weiter. Am Sonntag stellte der Metropolit von Dimitrias, Ignatios (Georgakopoulos), am Ende der vom Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. zelebrierten Göttlichen Liturgie in der Georgskathedrale im Phanar das Programm für die künftige Theologenausbildung der „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ vor. Dieses Programm wurde von der Theologischen Akademie von Volos entwickelt, Metropolit Ignatios ist der für Volos zuständige Bischof der orthodoxen Kirche von Griechenland. Die Details des Programms legte der Direktor der Akademie von Volos, Prof. Pantelis Kalaitzidis,  in der Georgskathedrale dar. Bei der Liturgie waren vor allem Gläubige aus Konstantinopel, aus der Ukraine und Griechenland anwesend.

Bartholomaios I. erklärte am Sonntag in einem Interview mit der ukrainischen Nachrichtenagentur TSN, die Kirche von Griechenland werde die erste orthodoxe Schwesterkirche sein, die die „Orthodoxe Kirche der Ukraine“ anerkennt. Er hoffe aber, dass „früher oder später“ alle orthodoxen Kirchen die neugegründete ukrainische Kirche anerkennen werden, „wenn es keinen politischen Druck gibt“.

In dem Interview erläuterte Bartholomaios I. neuerlich seine Sichtweise, wobei er sich auf die „exklusiven Privilegien“ des Ökumenischen Patriarchats und auf die Erklärung des Heiligen Synods von Konstantinopel von 1686 berief. Wörtlich sagte der Ökumenische Patriarch: „Unsere ukrainischen Brüder haben ständig geklagt, dass sie eine unabhängige Kirche wollen. Wir haben mehrfach von der politischen Führung des Landes denselben Wunsch gehört. Daher haben wir nach vielen Jahren des Gebets und der Anstrengungen im Dialog die Leute gefunden, die würdig waren, den Autokephalie-Status zu erhalten“. Der Autokephalie-Status für die „Orthodoxe Kirche der Ukraine“ unterscheide sich im übrigen nicht von der Autokephalie anderer orthodoxer Kirchen.

Im Hinblick auf die Initiativen des umstrittenen „Ehrenpatriarchen“ Filaret (Denisenko) brachte der Ökumenische Patriarch sein Bedauern zum Ausdruck. Filaret hätte eigentlich der „Mentor“ seines „geistlichen Sohnes“, des zum Oberhaupt der „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ gewählten Metropoliten Epifanij (Dumenko), sein sollen, aber er habe „leider den falschen Weg gewählt“.

 

„Absolut falsch, grundlos und verleumderisch“

Der Pressesprecher des Ökumenischen Patriarchats, Nicholas-George Papachristou, stellte am Sonntag in einem Kommunique fest, alle Behauptungen, dass das Ökumenische Patriarchat im Austausch für den Autokephalie-Tomos für die „Orthodoxe Kirche der Ukraine“ wirtschaftliche oder andere Vorteile von politischen oder kirchlichen Persönlichkeiten „verlangt oder erhalten“ hätte, seien „absolut falsch, grundlos und verleumderisch“. Diese Behauptungen seien „beleidigend“ für die Mutterkirche von Konstantinopel, von der neun Kirchen – einschließlich der Kirche von Moskau – in einem „analogen und ähnlichen Verfahren“ die Autokephalie erhalten hätten.

Patriarch Bartholomaios habe erst vor kurzem neuerlich bekräftigt, dass die vom Ökumenischen Patriarch erteilte „ekklesiologische Antwort“ sich auf die „vom Evangelium inspirierte ewige Tradition der Kirche“ stütze, „im Respekt vor den kirchenrechtlichen Bestimmungen der heiligen Kanones und frei von jedem politischen oder diplomatischen Druck“. Im Hinblick auf die im Internet zirkulierenden Fehlinformationen, die sich gegen die kanonischen Rechte des Ökumenischen Patriarchats richten, müsse dies klar gesagt werden.