Am Valentinstag werben die Kirchen für eine “Welt ohne Vergewaltigung und Gewalt”

Weltkirchenrat verbindet den Valentinstag mit seiner Kampagne “Donnerstags in schwarz” – Auch der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich macht mit

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Foto: © Johntex (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Genf-Wien, 12.02.19 (örkö) Weil der Valentinstag am 14. Februar heuer auf einen Donnerstag fällt, verbindet der Weltkirchenrat diesen Tag mit seiner Kampagne “Donnerstags in schwarz”, die gegen Vergewaltigung und Gewalt mobilisieren will. Die Kampagne entstand aus der “Dekade der Kirchen in Solidarität mit den Frauen” (1988-1998). Auch der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) macht beim Valentinstag im Zeichen der Kampagne “Donnerstags in schwarz” mit; bei der ÖRKÖ-Vorstandssitzung am Mittwoch im serbisch-orthodoxen Bischofshaus in der Veithgasse im 3. Bezirk werden sich die Mitglieder des Gremiums alle in schwarz präsentieren und den “Donnerstags in schwarz”-Button “Unterwegs zu einer  Welt ohne Vergewaltigung und Gewalt” anstecken.

Der Weltkirchenrat ist sich bewusst, dass der Valentinstag ein Tag ist, an dem die Liebe gefeiert wird, doch verweist er auch darauf, dass das Wort „Liebe“ für viel zu viele Menschen mit Missbrauch und Gewalt einhergeht (www.oikoumene.org/donnerstags-in-schwarz). Gestartet wurde die Valentinstags-Aktion (Motto: „Liebe heilt und verletzt nicht“) schon am 31. Jänner mit der Verbreitung von Gedanken über eine Bibelstelle, die oft zitiert wird, wenn es um das Thema Liebe geht: „Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles„ (Erster Korinther-Brief Kapitel 13, Verse 4 bis 7). „Einerseits beschreibt diese Bibelstelle das unendlich Schöne der Liebe und die Kraft und Macht, die sie hat“, so Nicole Ashwood, Referentin des Weltkirchenrats-Programms „Gerechte Gemeinschaften für Frauen und Männer“: „Aber leider gibt es auch Frauen, die Formulierungen wie ‚Liebe erträgt alles‘ so verstehen, dass sie Gewalt in einer Ehe oder Beziehung hinnehmen müssen. Daher müssen wir diese Bibelstelle genauer beleuchten und im Kontext von Gottes Liebe für alle darüber sprechen“.

Die Kampagne „Donnerstags in schwarz“ will deutlich machen, dass gläubige Menschen ihre Stimme gegen sexuelle und geschlechtsbezogene Gewalt erheben müssen. Diese Gewalt geschehe häufig im Versteckten, „die Opfer bleiben oft still, aus Angst vor Stigmatisierung und weiterer Gewalt“, heißt es in einer Erklärung des Weltkirchenrats: „Wir alle tragen  eine Verantwortung, uns gegen Gewalt auszusprechen und sicherzustellen, dass Frauen und Männer, Burschen und Mädchen vor Vergewaltigung und Gewalt allgemein in ihrem Zuhause, in der Schule, am Arbeitsplatz und in den Straßen – an allen Orten in unserer Gesellschaft – in Sicherheit sind“. Die Kampagne sei einfach, aber tiefgründig: „Tragen Sie am Donnerstag schwarze Kleidung. Stecken Sie einen Button an, um zu zeigen, dass Sie Teil einer globalen Bewegung sind, die sich gegen Haltungen und Handlungen auflehnt, die Vergewaltigung und Gewalt dulden. Zollen Sie Frauen Respekt, die gegenüber Ungerechtigkeit und Gewalt Widerstand leisten“.

Inspiriert wurde die Kampagne von Frauengruppen wie den argentinischen „Müttern der Plaza de Mayo“, die jeden Donnerstag vor dem Präsidentenpalast in Buenos Aires protestierten und Auskunft darüber forderten, was mit ihren Kindern in der Zeit der Militärdiktatur geschehen waren, aber auch von Gruppen schwarz gekleideter Frauen, die im Heiligen Land, in Ruanda (nach dem Völkermord) oder in Bosnien (während der jugoslawischen Nachfolgekriege) ihr Nein zur Gewalt und ihre Entschlossenheit zum Widerstand gegen alle Formen von geschlechtsbezogener Gewalt, einschließlich der Nutzung von Vergewaltigung als Kriegswaffe, zum Ausdruck brachten.

Mary Ann Swenson, stellvertretende Vorsitzende des Zentralausschusses des Weltkirchenrates und methodistische Bischöfin der kalifornischen Region Hollywood, bezeichnete in einem Interview das Tragen von schwarzer Kleidung an Donnerstagen und das Weitergeben von Geschichten über den Widerstand und die Widerstandskraft von Frauen als wichtigen Teil des Kampfes gegen eine Kultur, die Vergewaltigungen und Gewalt zulasse: „Es ist ein Schritt auf unserem Pilgerweg hin zu Frieden und Gerechtigkeit“. Sie ist überzeugt, dass auch Haltungen und Einstellungen in christlichen Kirchen in der Vergangenheit zu dem Problem beigetragen haben, weil sie es zugelassen hätten, dass einige Menschen „die Bibel dazu nutzten, Frauen wie ihr Eigentum zu behandeln“.