Amtseinführung des Oberhaupts der neuen „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ am 3. Februar

Ökumenischer Patriarch Bartholomaios I. wird in Kiew erwartet – Zwei Tage zuvor, am 1. Februar, ist der 10. Jahrestag der Amtseinführung des Moskauer Patriarchen Kyrill fällig

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Foto: © Dmitry A. Mottl (Quelle: WIkimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Kiew, 27.01.19 (poi) Das Oberhaupt der neugeschaffenen „Orthodoxen Kirche der Ukraine“, Metropolit Epifanij (Dumenko), wird am Sonntag, 3. Februar, in Kiew offiziell in sein Amt eingeführt werden. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. wird aus diesem Anlass in Kiew erwartet. Nach Angaben des stellvertretenden Leiters des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Erzpriester Nikolaj Balaschow, sind keine weiteren Repräsentanten orthodoxer Kirchen zu erwarten. Denn keine der autokephalen orthodoxen Kirchen habe bisher die „von ukrainischen Politikern und dem Phanar geschaffene“ Kirche in der Ukraine anerkannt oder ihrem Oberhaupt gratuliert. Daher werde auch niemand Repräsentanten zur Amtseinführung von Metropolit Epifanij entsenden.

Metropolit Epifanij wird am 3. Februar zugleich seinen 40. Geburtstag begehen. Er hatte seine Amtseinführung am 18. Jänner in Kiew bei der Präsentation der ukrainischen Ausgabe des Interview-Buches des polnischen katholischen Journalisten Krzysztof Tomasik mit dem ukrainischen griechisch-katholischen Großerzbischof von Kiew und Halytsch, Swjatoslaw Schewtschuk, angekündigt. In dem Interview-Buch hatte Schewtschuk dem polnischen Journalisten seinen Lebens- und Glaubensweg dargelegt, der eng mit der Geschichte seiner Heimat verbunden ist: Angefangen von der Jugend in der Sowjetukraine bis zur Kathedra des Großerzbischofs in der neuerbauten griechisch-katholischen Kathedrale in Kiew. Bei der Präsentation der ukrainischen Ausgabe des Buches in Kiew war auch der ukrainische Staatspräsident Petro Poroschenko anwesend.

Die Amtseinführung von Metropolit Epifanij ist auch deswegen delikat, weil zwei Tage zuvor – am Freitag, 1. Februar – der 10. Jahrestag der Amtseinführung des Moskauer Patriarchen Kyrill I. fällig ist. Bisher haben die Oberhäupter der antiochenischen, der serbischen, der tschechisch-slowakischen und der nordamerikanischen Kirche ihre Präsenz bei den Feiern in Moskau angekündigt.

In einem Interview mit der griechischen Website „TaNea” sagte Metripolit Epifanij, er erwarte die Anerkennung seiner Kirche durch die orthodoxe Kirche von Griechenland. Diese Anerkennung könne der erste Schritt zu einer intensivieren Zusammenarbeit sein, „insbesondere im Hinblick darauf, dass die ukrainische Kirche stärker der griechischen Tradition folgen wolle”. In den Seminaren der „Orthodoxen Kirche der Ukraine” solle jedenfalls Altgriechisch und modernes Griechisch gelernt werden. Er wolle – „nach einer entsprechenden Anerkennung” – sowohl Athen als auch den Athos besuchen, sagte der Metropolit.

Die orthodoxe Kirche von Griechenland hat sich bisher im Hinblick auf die Ukraine nicht offiziell festgelegt.

 

Filaret will weiter „Patriarch“ bleiben

In der Ukraine geht mittlerweile das Ringen weiter: Der selbsternannte „Patriarch“ Filaret (Denisenko) wurde offiziell vom Ökumenischen Patriarchat als „früherer Metropolit“ rehabilitiert (er war vom Moskauer Patriarchat, dem er früher angehörte, laisiert und exkommuniziert worden, nachdem er sich an die Spitze einer selbsterbauten „ukrainischen“ Kirche gesetzt hatte). Konstantinopel instruierte ihn, sich nicht mehr als „Patriarch“ zu präsentieren. Trotzdem stellt Filaret immer wieder öffentlich fest, dass er Patriarch „war, sei und es immer sein werde“. Am 16. Jänner erklärte er, dass er in den Liturgien „seiner“ Kirche an erster Stelle als „Patriarch von Kiew und der ganzen Rus“ genannt werden müsse, danach erst könne des neugewählten Metropoliten Epifanij gedacht werden.  Nach dem sogenannten „Vereinigungskonzil“ vom 15. Dezember hatte Filaret zunächst darauf bestanden, als „Ehrenpatriarch“ bezeichnet zu werden, zugleich betonte er, dass er die Kirche „zusammen mit Metropolit Epifanij“ leiten werde. Filaret (Denisenko) hatte zunächst zugesagt, dass das „Kiewer Patriarchat“ am Tag nach dem „Vereinigungskonzil“ aufgelöst werde, tatsächlich existiert es aber weiter. Ähnliches gilt für die andere früher schismatische Struktur, die „Ukrainische autokephale orthodoxe Kirche“.

Filaret lehnte im Gespräch mit Journalisten auch den von Konstantinopel auferlegten Namen „Heiligste Kirche der Ukraine“ ab. Die Abkürzung „Orthodoxe Kirche der Ukraine“ (OCU) sei inkorrekt. Es müsse „ukrainisch-orthodoxe Kirche“ heißen (genauso wird bisher die mit Moskau verbundene orthodoxe Kirche in der Ukraine genannt).

 

„Patriarch ohne Kleider“

In der progressiven orthodoxen US-Website „Orthodoxy in Dialogue“  bezeichnete Giacomo Sanfilippo (er ist einer der Gründer, seine Mutter stammt aus der orthodoxen Volksgruppe der ursprünglich in den Beskiden beheimateten Lemken) Filaret (Denisenko) als „Patriarchen ohne Kleider“. Sanfilippo zitiert orthodoxe Befürworter der ukrainischen Autokephalie, die sich zumindest erwartet hätten, dass sich Filaret wie Benedikt XVI. in ein verborgenes Leben des Gebets zurückziehe. Das sei aber eine „naive Hoffnung“ gewesen. Nach wie vor trete Filaret mit der Kopfbedeckung eines „russischen Patriarchen“ auf,  in einer „visuellen Tradition“ wie der orthodoxen werde damit die Rolle des neugewählten Metropoliten Epifanij auf die „eines Metropoliten unter vielen“ reduziert. Ebenso gebe es die „erstaunliche Bemerkung“ Filarets, dass er die neue Kirche „gemeinsam“ mit Metropolit Epifanij leite und dass er liturgisch vor dem Metropoliten genannt werden wolle.

All das diene – ebenso wie die extravaganten Feiern zum 90. Geburtstag am 23. Jänner – „weder der Kirche noch trägt es dazu bei, dass die Kirche der Ukraine von den anderen orthodoxen Kirchen als legitime Schwesterkirche akzeptiert wird“, betonte Sanfilippo. Zweifellos habe jede autokephale Kirche ihre Probleme. Filaret scheine aber nicht zu erkennen, dass „die verbreitete Skepsis gegen die vom Ökumenischen Patriarchat verliehene Autokephalie die ukrainische Kirche der besonderen Aufmerksamkeit der orthodoxen Welt aussetzt“. Die Worte und Taten Filarets hätten dort Konfusion ausgelöst, wo Klarheit notwendig wäre. Das Ökumenische Patriarchat habe mit der Zulassung von Bischöfen, Priestern und Laien des „Kiewer Patriarchats“ und der „Ukrainischen autokephalen orthodoxen Kirche“ nur den Weg für das „Vereinigungskonzil“ ebnen wollen. Filaret sei daher nur in seinem bischöflichen, nicht in einem patriarchalen Rang rehabilitiert worden. Das Ökumenische Patriarchat habe das „Kiewer Patriarchat“ und seinen Patriarchen niemals kirchenrechtlich anerkannt. Daher habe Konstantinopel am 6. Jänner auch nicht dem „Kiewer Patriarchat“ die Autokephalie verliehen. Dieses „Patriarchat“ habe spätestens mit dem „Vereinigungskonzil“ zu bestehen aufgehört. Niemals habe der Phanar Filaret als „Patriarchen von irgendetwas“ bezeichnet. Möglicherweise könne man „in diesem einmaligen Kontext“ etwas mehr Sinn darin erkennen, dass die Autokephalie mit den „säkularen ukrainischen Autoritäten“ ausgehandelt worden sei. Der „Tomos“ über die Autokephalie habe niemals von einem ukrainischen Patriarchat gesprochen und in den orthodoxen „Diptychen“ (Ehrenlisten) würden niemals „emeritierte Patriarchen“ (diesen Titel beansprucht Filaret jetzt) genannt.

Sanfilippo forderte den Heiligen Synod der neuen ukrainischen Kirche auf, „Filarets unerträgliches Ego zu stoppen“. Der Synod solle Filaret als “emeritierten Metropoliten von Kiew” kennzeichnen, ihm die Kopfbedeckung des russischen Patriarchen aberkennen und ihn zu einem Leben in “Demut, Gebet und Fasten” in einem Kloster einladen – mit der Möglichkeit, gelegentlich konsultiert oder zur Konzelebration eingeladen zu werden.