„Archonten“ des Patriarchats von Konstantinopel aus den USA besuchten Österreich

Gespräche u.a. mit Bundeskanzler Kurz und Nationalratspräsident Sobotka über die Situation der Christen in der Türkei und im Nahen Osten – Besonderes Gewicht legten die „Archonten“ auf die Darlegung der Entwicklungen um die geschlossene orthodoxe Theologische Hochschule auf der Insel Chalki im Marmara-Meer

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Foto ©: Franz Johann Morgenbesser (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Wien, 11.11.18 (poi) Die Situation der Christen in der Türkei und im Nahen Osten erläuterte eine hochrangige Delegation des Apostel-Andreas-Ordens (die spirituelle Gemeinschaft der „Archonten“ – der Führungspersönlichkeiten – der nordamerikanischen Erzeparchie des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel) im Gespräch mit österreichischen Politikern. Die „Archonten“ trafen in Begleitung des Wiener orthodoxen Metropoliten Arsenios (Kardamakis) u.a. mit Bundeskanzler Sebastian Kurz und dem ersten Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka zusammen. In der Begegnung mit den österreichischen Partnern sprachen die „Archonten“ auch Fragen zur Religionsfreiheit und den Menschenrechten im weiteren Sinn sowie Möglichkeiten zur Unterstützung der verfolgten Christen in aller Welt an, wie die Website der orthodoxen Metropolie von Austria berichtet. Insbesondere lenkten die „Archonten“ die Aufmerksamkeit der österreichischen Verantwortungsträger auf die Situation des orthodoxen Priesterseminars und der Theologischen Hochschule auf der Insel Chalki im Marmara-Meer. Die Hochschule wurde 1844 mit Zustimmung des osmanischen Sultans begründet; 1971 erfolgte die Schließung auf Grund eines türkischen Gesetzes, das den Betrieb privater Universitäten untersagt. Seither gibt es ein ununterbrochenes Tauziehen um die Wiedereröffnung der Hochschule, die zu den renommiertesten akademischen theologischen Einrichtungen der Weltorthodoxie zählte.

Metropolit Arsenios informierte die Gäste aus den USA seinerseits über die Situation der orthodoxen Kirche in Österreich, über das österreichische Modell des beständigen Dialogs zwischen Politik und Kirchen und das gemeinsame Wirken zum Wohl der Menschen auf verschiedensten Ebenen. Ebenso schilderte der Metropolit die österreichischen Erfahrungen mit dem interreligiösen Dialog.

Die „Archonten“ besuchten die neugegründete orthodoxe Gemeinde in Traiskirchen. Seit dem 7. Oktober werden in Traiskirchen in der Nikolauskirche orthodoxe Messen gefeiert. Auf Vermittlung des katholischen Pfarrmoderators Jochen Maria Häusler hatte sich Traiskirchens Bürgermeister Andreas Babler im Hinblick auf die zunehmende Zahl von orthodoxen Einwohnern in Traiskirchen und Umgebung an Metropolit Arsenios gewandt. Vereinbart wurde, dass die Pfarre Traiskirchen der orthodoxen Gemeinschaft immer sonntags die Nikolauskirche zur Verfügung stellt. Die erste Messe am 7. Oktober wurde von Pater Sladjan Vasic geleitet – und zwar auf deutsch. Auf diese Weise sollen orthodoxe Gläubige unterschiedlicher nationaler Herkunft zu einer lebendigen Gemeinschaft zusammengeführt werden, ein Ziel, dem auch Bürgermeister Babler voll zustimmt.

Von Österreich aus (wo sie sich von 3. bis 10. November aufhielten) unternahmen die „Archonten“ auch eine Exkursion nach Ungarn, dessen orthodoxe Kirche ebenfalls von Metropolit Arsenios als Exarch geleitet wird – seit kurzem unterstützt durch den neuen Auxiliarbischof Paisios (Larentzakis).

Die „Archonten“-Delegation wurde vom Pariser Metropoliten Emmanuel (Adamakis) geleitet. U.a. gehörten der Delegation der „National Commander“ des Apostel-Andreas-Ordens, Anthony J. Limberakis, und der geistliche Assistent des Ordens, Erzpriester Alexander Karloutsos, an. Karloutsos zählt zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der griechischen Community in den USA. Er war ab 1985 erster Bischofsvikar für „Public affairs“ der nordamerikanischen Erzeparchie, dann von 1992 bis 1996 – gemeinsam mit seiner Ehefrau Xanthi, die ebenfalls im kirchlichen Dienst steht – „special assistant“ bei Patriarch Bartholomaios I. im Phanar. Heute ist „Father Alex“, wie er populär genannt wird, der Verbindungsmann der griechisch-orthodoxen Erzeparchie zum Weißen Haus, zum Kongress, zur Staatsbürokratie, zu den griechisch-amerikanischen Organisationen, zu den Menschenrechtsgruppen usw. Zusammen mit seinem Schwiegersohn, P. Constantine Lazarakis, ist er für die Seelsorge an der Kirche der Entschlafung der Gottesmutter in den Hamptons, dem aus kleinen Dörfern und Weilern bestehenden fashionablen Erholungsort der „Upper class“ am östlichen Ende von Long Island, zuständig.

Die ganz Nord- und Südamerika umfassende Erzeparchie in der Neuen Welt mit ihrem engmaschigen Netz von Pfarrgemeinden, Klöstern, universitären und sozialen Einrichtungen ist heute der wichtigste Teil des Ökumenischen Patriarchats.