Armenisch-apostolischer Katholikos-Patriarch Karekin II. bei Patriarch Kyrill in Moskau

Betonung der „brüderlichen Beziehungen“ zwischen Russen und Armeniern – Hoffnung auf weitere Vermittlung des Moskauer Patriarchen im Hinblick auf eine friedliche Lösung des Konflikts um Berg-Karabach

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Foto: © Serge Serebro, Vitebsk Popular News (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Moskau, 03.04.19 (poi) Im Zeichen ökumenischer Freundschaft stand am Dienstag im Moskauer Danielskloster eine Begegnung zwischen dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill und dem armenisch-apostolischen Katholikos-Patriarchen Karekin II. Der Katholikos aller Armenier unterstrich die brüderlichen Beziehungen zwischen Russen und Armeniern, die durch die Kooperation der beiden Staaten und das sich ständig vertiefende Miteinander von russisch-orthodoxer und armenisch-apostolischer Kirche gestärkt werde. Besonders hob Karekin II. die wichtige Rolle von Patriarch Kyrill bei der Organisation der Dreiparteien-Treffen der religiösen Führungspersönlichkeiten (an denen mit den beiden Patriarchen auch der Großmufti und Scheich-ul-Islam des Kaukasus, Allahshukur Paschazade, teilnahm) mit dem Ziel einer friedlichen Lösung des Konflikts um Artsach (Berg-Karabach) hervor. Eine solche friedliche Lösung sei von „essenzieller Bedeutung für die Bewahrung von Frieden und Stabilität in der Region“, sagte der armenische Katholikos-Patriarch. In diesem Zusammenhang seien vertrauensbildende Maßnahmen und der Verzicht auf „militante Rhetorik“ besonders wichtig.

Karekin II. würdigte den Einsatz des Moskauer Patriarchen für die Bewahrung der spirituellen und moralischen Werte und sein Eintreten für diese Werte im Leben von Staat und Gesellschaft. Der Katholikos-Patriarch hob die Erfolge der bisher zehnjährigen Amtszeit des Moskauer Patriarchen im Bereich der Glaubensverkündigung, des Wiederaufbaus und Neubaus von Kirchen und Klöstern, im Erziehungs- und Sozialbereich usw. hervor.

Der Gast aus Armenien nahm bei der Begegnung im Danielskloster Bezug auf die zunehmende Konsolidierung der Zusammenarbeit zwischen orthodoxen und orientalischen Kirchen. Dies gelte insbesondere im Hinblick auf gemeinsame Anstrengungen in sozialen Fragen und auf die „hervorragenden Beispiele“ der Zusammenarbeit „im schwierigen Kontext des Nahen Ostens“. Der Moskauer Patriarch messe den Anstrengungen zur Verstärkung der Kooperation zwischen Nationen, Kirchen und Religionsgemeinschaften offensichtlich einen erstrangigen Platz zu.

„Vor den Augen Europas wird Religionsfreiheit verletzt“

Patriarch Kyrill nutzte seinerseits die Begegnung mit Karekin II. – bei der auch der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), anwesend war – zu einer neuerlichen Verurteilung der Vorgänge in der Ukraine. Es sei erstaunlich, dass in einem „europäischen Land, das sich auf eine europäische Option verpflichtet“ habe, „vor den Augen Europas“ die Menschenrechte und religiösen Freiheiten massiv verletzt werden. Dass die kanonische ukrainisch-orthodoxe Kirche diskriminiert werde, sei eine Tatsache. Das Patriarchat von Konstantinopel habe der neuen, aus zwei schismatischen Gruppen entstandenen „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ die „Autokephalie“ verliehen, obwohl die Ukraine seit 300 Jahren Teil der russisch-orthodoxen Kirche sei. „Niemand hat das Recht, die Geschichte umzuschreiben“, so Patriarch Kyrill. Denn das Ergebnis der Veränderung von kanonischen Dokumenten sei das Chaos. Aber die Rechte der Gläubigen müssten verteidigt werden. Sie sollten nicht unter der Drohung der Wegnahme ihrer Gotteshäuser leben müssen. Er sei in Sorge über die Vorhaben radikaler ukrainischer Politiker, Kirchen und Klöster der ukrainisch-orthodoxen Kirche zu entziehen und sie der neuen Kirche zu übergeben, so Patriarch Kyrill.

Das Eingreifen Konstantinopels habe keine Einheit der ukrainischen Orthodoxie bewirkt, sondern neue Probleme geschaffen, unterstrich der Moskauer Patriarch. Von diesen Problemen seien nicht nur die Ukraine und die ukrainischen Gläubigen betroffen, sondern „leider auch die ganze orthodoxe Familie“. Wörtlich sagte Patriarch Kyrill: „Die panorthodoxe Einheit ist geschwächt worden. Wir sind traurig darüber, aber wir haben die Entwicklung dieser negativen Umstände nicht angefangen“.

Der russisch-orthodoxe Patriarch begrüßte die pastorale Präsenz der armenisch-apostolischen Kirche in der Russischen Föderation (bei der Begegnung im Danielskloster war u.a. auch der für die Diözese „Russland und Nowo-Nachitschewan“ zuständige armenische Erzbischof Ezra Nersesian anwesend). Die armenisch-apostolische Kirche habe in der Russischen Föderation die gleichen Rechte wie die russisch-orthodoxe Kirche und alle Möglichkeiten. Dies sei ein Hinweis darauf, dass in der Russischen Föderation die tatsächliche Gleichheit der Angehörigen der verschiedenen Religionsgemeinschaften gewährleistet ist, sagte der Patriarch: „Wir schätzen das sehr und sind überzeugt, dass es die Voraussetzung für die Entwicklung eines normalen religiösen Lebens ist“.

Die bilateralen Beziehungen zwischen russischer und armenischer Kirche seien „ohne Schatten“, betonte Kyrill I. und hob die „besondere Rolle“ der armenisch-apostolischen Kirche im Leben des armenischen Volkes hervor. Zugleich sei die armenische Kirche ein wichtiger Faktor für die Hochschätzung des armenischen Volkes in aller Welt.