Armenischer Katholikos Karekin II. besucht die USA

Rund eine Million Armenier leben in den USA und Kanada - Schwierige Situation und mögliche Hilfe für Berg-Karabach im Mittelpunkt der Gespräche

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Foto: © Tzolag Hovsepian (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Etschmiadzin/New York, 4.5.21 (poi) Katholikos Karekin II., Oberhaupt der Armenisch-apostolischen Kirche, besucht dieser Tage die USA. Wie sowohl das Katholikosat in Etschmiadzin (www.armenianchurch.org) als auch die Armenische Kirche in den USA (Diözese USA-Ost; www.armenianchurch.us) mitteilten, wird der Patriarch vor allem die kirchlich Verantwortlichen vor Ort treffen, mit Bischof Daniel Findikyan an der Spitze. Große öffentliche Veranstaltungen mit den Gläubigen stehen coronabedingt nicht auf dem Programm. Hauptgesprächsthema wird neben den innerkirchlichen Agenden vor allem die schwierige Situation in Berg-Karabach sein, wie es hieß. Über geplante Gespräche Karekins II. mit politischen Vertretern der USA wurde im Vorfeld nichts öffentlich bekannt gegeben. Sie liegen aber nahe.

Karekin II. hatte erst vor wenigen Tagen US-Präsident Joe Biden in einem offiziellen Schreiben dafür gedankt, dass dieser jüngst die Massenmorde an den Armeniern im Osmanischen Reich ab 1915 als „Völkermord“ bezeichnete. Die Unterstützung der USA für das armenische Volk komme zu einem wichtigen und zugleich schwierigen Moment, so Katholikos Karekin II. im Blick auf den von Aserbaidschan ausgelösten und von der Türkei unterstützten „barbarischen Krieg“ im vergangenen Herbst gegen Berg-Karabach. Die Armenische Kirche erwarte sich von der internationalen Staatengemeinschaft unmittelbares humanitäres Engagement, um die Folgen des Krieges zu bewältigen, so Karekin II. Zu diesem Anliegen wird der Katholikos nun in den USA wohl auch Gespräche führen.

Eine Million Armenier

Die Anfänge der Armenischen Kirche in den USA gehen auf die 1830er-Jahre zurück. Eine erste stärkere Einwanderungswelle gab es in den 1880er und 1890er-Jahren, als viele Armenier der zunehmenden Bedrängnis im Osmanischen Reich entfliehen wollten. Der Zustrom armenischer Einwanderer erreichte nach dem Völkermord 1915 schließlich seinen Höhepunkt. Von den 1950er-Jahren bis in die 1980er-Jahre kam eine weitere Welle armenischer Einwanderer aus Ländern wie dem Libanon, dem Iran und dem Irak, was auf die zunehmenden politischen Unruhen im Nahen Osten zurückzuführen war. Die Einwanderung aus dem zur Sowjetunion gehörenden Armenien war damals sehr gering, nahm nach der Unabhängigkeit aber stark zu.

Die erste armenische Kirche wurde 1891 in Worcester (Massachusetts) gebaut.  Laut eigenen Kirchenangaben gibt es heute rund eine Million Armenier in den Vereinigten Staaten und in Kanada. Zu den Hauptzentren der armenischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten gehören der Großraum New York, Boston und Umgebung, Worcester, sowie die Großräume um die Städte Detroit, Philadelphia, Los Angeles und Fresno (Kalifornien). Auch in Wisconsin, Texas und Florida gibt es bedeutende und expandierende Gemeinden.

Die Armenische Kirche hat in den USA zwei Diözesen: die Diözese USA-West (Kalifornien, Washington, Nevada und Arizona) sowie die Diözese USA-Ost, die für die restlichen Vereinigten Staaten zuständig ist. Der aktuelle Besuch des armenischen Katholikos gilt der Diözese USA-Ost. Der vor zwei Jahren gemeinsam mit dem Wiener armenischen Bischof Tiran Petrosyan in Etschmiadzin von Katholikos Karekin II. zum Bischof geweihte Daniel Findikyan ist der erste armenische Bischof, der bereits in den USA geboren wurde. In Kanada gibt es eine weitere armenische Diözese.