Armenischer Katholikos Karekin II.: Kirche sorgt sich um verwundete Soldaten

Verwundete kommen für weitere medizinische Behandlungen nach Österreich – Heftige Kritik der Armenischen Kirche an neuem "Park der Trophäen" in Aserbaidschans Hauptstadt Baku

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Foto: © Tzolag Hovsepian (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Jerewan, 20.04.21 (poi) Der armenische Katholikos Karekin II. hat in seinem Amtssitz in Etschmiadzin bei Jerewan einige Soldaten empfangen, die im jüngsten Krieg gegen Aserbaidschan verwundet wurden. Die Soldaten werden in diesen Tagen für weitere medizinische Behandlungen nach Österreich reisen, wie die Armenische Kirche auf ihrer Website mitteilte. In Armenien seien alle Möglichkeiten bereits ausgeschöpft. Das Oberhaupt der Armenisch-apostolischen Kirche dankte den Soldaten für ihren hingebungsvollen Dienst für ihr Land. Die Kirche setze sich mit allen Kräften dafür ein, den Verwundeten die beste medizinische Versorgung und Rehabilitation zu ermöglichen, so der Katholikos.

Am vergangenen Wochenende empfing Karekin II. auch den Präsidenten von Berg-Karabch (Arzach) Arayik Harutyunyan. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die spirituelle und materielle Hilfe für die Not leidende Bevölkerung des nach dem Krieg mit Aserbaidschan stark geschrumpften, armenisch kontrollierten Gebiets in Berg-Karabach. Zudem bekräftigten Karekin II. und Harutyunyan, dass es entschiedene Schritte brauche, um der Zerstörung des kulturellen christlichen Erbes in den von Aserbaidschan eroberten Gebieten entgegenzuwirken.

 

„Park der Trophäen“

In Aserbaidschans Hauptstadt wurde am 12. April ein „Park der Trophäen“ eröffnet, mit dem der siegreiche Feldzug gegen Armenien bzw. Berg-Karabach im vergangenen Herbst dokumentiert bzw. gefeiert werden soll. Zu sehen sind auf dem fünf Hektar großen Areal neben zerstörten armenischen Militärfahrzeugen oder Helmen getöteter Armenier u.a. auch demütigende Wachspuppen von armenischen Soldaten. Einen Museumsshop hat der „Park“ ebenfalls, wo man T-Shirts mit martialischen und Armenien beleidigenden Sprüchen des Präsidenten Ilham Aliyev erwerben kann. Aliyev weihte den Park persönlich ein.

Die Armenische Kirche protestierte heftig gegen diese neue „Feindseligkeit“ Aserbaidschans, wie es in einer offiziellen Erklärung des Katholikosats heißt. Die Grundnormen des humanitären Völkerrechts würden ignoriert. Immer noch würden Armenier von Aserbaidschan gefangen gehalten, tausende vertriebene Familien würden große Not leiden und in den besetzten Gebieten von Berg-Karabach gingen die „Gräueltaten“ gegen das kulturelle christliche Erbe weiter.

 

„Verhöhnung der armenischen Opfer“

Noch wesentlich schärfer hat die Armenisch-apostolische Kirche in Deutschland gegen den Park bzw. die Intention dahinter protestiert. So heißt es in einer von Bischof Serovpe Isakhanyan und den Kirchengremien in Deutschland gezeichneten Erklärung (https://dakd.de) vom Montag u.a., dass es bei diesem Projekt nur „um die Verhöhnung der armenischen Opfer und die Verspottung der Armenier im Allgemeinen“ gehe.

Dieser Park sei „ein erneuter Beweis der staatlich geförderten und durch die Türkei unterstützten Armenophobie in Aserbaidschan“. Unbeschreiblich seien „der Schmerz und das Leid, welche diese Bilder den Familien der gefallenen, verletzten, vermissten und gefangenen Armenier, aber auch der armenischen Gesellschaft in Armenien, Arzach und in der Diaspora zufügen“.
Bilder der letzten Tage zeigten, „wie die Aserbaidschaner mit ihren Kleinkindern dieses makabre ‚Museum‘ besuchen und Puppen, die mit den Uniformen der gefallenen armenischen Soldaten angekleidet sind, ins Gesicht schlagen oder verspotten“.

Was besonders ins Auge steche, sei die „unbegrenzte Wucht dieses institutionellen Hasses“ in Aserbaidschan gegenüber den Armeniern. Dieser Hass sei „Teil der Propagandapolitik, die der aserbaidschanische Staat vorsätzlich betreibt, gesellschaftlich untermauert und die sogar die Herzen unschuldiger Kleinkinder erreicht. Diese seit Jahrzehnten konsequent geführte und mit vielen Beispielen belegte Politik der Armenophobie muss von der Weltgemeinschaft verurteilt und sanktioniert werden“, heißt es in der Erklärung wörtlich: „Niemand darf wegschauen. Es ist gleich, wo und in welchem Land Menschen zu Opfern von Vorurteilen, Hass, Intoleranz und Rassismus werden.“