Assyrische Kirche des Ostens wählt neuen Patriarchen

Synode in der nordirakischen Stadt Erbil sucht Nachfolger für Patriarch Gewargis III. (Sliwa)

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Foto: © jan kurdistani (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Erbil, 06.09.21 (poi) In der nordirakischen Stadt Erbil tagt in der Kirche des Hl. Johannes des Täufers seit dem heutigen Montag die Wahlsynode der „Heiligen Apostolischen Katholischen Assyrischen Kirche des Ostens“ (Assyrische Kirche), um einen neuen Patriarchen zu wählen. Die Wahl des neuen Kirchenoberhaupts musste bereits mehrmals coronabedingt verschoben werden. Der amtierende Katholikos-Patriarch Mar Gewargis III. (Sliwa) hatte schon im Februar 2020 in einem Brief an die Bischöfe seiner Kirche offengelegt, dass er sich wegen seines Gesundheitszustandes „aus freiem Willen“ von seinem Amt zurückziehen wolle.

Für April 2020 war bereits eine Sondersitzung des Heilige Synods einberufen worden, die dann aber wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt werden musste. Auch spätere Versuche, die Synodenväter aus aller Welt in Präsenz zu versammeln, scheiterten bislang. Mar Gewargis III. übt das Leitungsamt bis zur Wahl seines Nachfolgers noch aus. Die Gläubigen der Kirche wurden in einem Rundschreiben der Kirchenleitung von Anfang August aufgerufen, die Synode und Wahl des neuen Kirchenoberhaupts mit ihren Gebeten zu begleiten. Bei der Eröffnungssitzung der Wahlsynode dankte Katholikos-Patriarch Mar Gewargis III. den Synodenvätern für ihre Präsenz nach einer coronabedingt zum Teil beschwerlichen Anreise und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Synode zu einer einmütigen Entscheidung gelangen werde, wie der lokale Sender „Ishtar TV“ berichtete.

Mar Gewargis III. wurde 1941 als Daniel Sliwa in Habbaniya (Irak) geboren. Nach seiner Priesterweihe 1980 wurde er 1981 zum Metropoliten von Bagdad gewählt. Die Bischofsweihe erfolgte Pfingsten 1981 in Chicago. Im September 2015 wurde er zum 121. Katholikos-Patriarchen gewählt. Er verlegte den Patriarchatssitz, der sich aufgrund der damaligen politischen Umstände seit 1940 in den USA befand, zurück in den Mittleren Osten, in die nordirakische Stadt Erbil.

Die „Kirche des Ostens“, oft auch „Assyrische Kirche“ genannt, geht zurück auf die Kirche des alten Perserreiches. Die Kirche entwickelte sich ab Anfang des 2. Jahrhunderts in Mesopotamien. Ab dem 4. Jahrhundert rissen – politisch bedingt – die Kontakte zur übrigen Christenheit immer mehr ab. Die Kirche des Ostens entfaltete aber eine eigenständige rege Missionstätigkeit. Mitte des 7. Jahrhunderts erreichten die ersten Missionare bereits China und gründeten dort christliche Gemeinden. In der Blütezeit des 13. und 14. Jahrhunderts unter den Mongolen gab es entlang der Seidenstraßen für die zahlreichen Gläubigen aus unterschiedlichsten Kulturen ca. 27 Metropolien und 230 über ganz Asien ausgedehnte Diözesen unter dem Katholikos-Patriarchen in Bagdad.

Heute zählen zu der eigenständigen Kirche weltweit nur mehr rund 400.000 Gläubige mit dem Schwerpunkt in Nahost (Iran, Irak, Syrien, Libanon), aber auch in Nordamerika, Australien und Indien.

Die Assyrische Kirche des Ostens ist ökumenisch aufgeschlossen. Seit 1948 ist sie Mitglied im Weltkirchenrat. Intensive Beziehungen gibt es etwa mit der Chaldäisch-katholischen Kirche und der Syrisch-orthodoxen Kirche. Der Dialog mit den Chaldäern wird im Rahmen des offiziellen Dialogs mit der Katholischen Kirche weiter gepflegt, und jener mit der Syrisch-orthodoxen Kirche findet im Wesentlichen im Rahmen des seit 1994 laufenden inoffiziellen Dialog der Kirchen syrischer Tradition der Stiftung PRO ORIENTE statt. Seit 2018 unterhält die Kirche des Ostens auch einen offiziellen Dialog mit der Russisch-orthodoxen Kirche.

Zwischen der Chaldäisch-katholischen Kirche und der Assyrischen Kirche des Ostens gibt es seit gut 20 Jahren eine bedingte Eucharistiegemeinschaft. Die Gläubigen beider Kirchen können in der jeweils anderen Kirche die Eucharistie empfangen, wo die pastorale Situation dies erfordert. Die mit Rom in Kircheneinheit stehende Chaldäisch-katholische Kirche ist vor einigen Jahrhunderten aus der Kirche des Ostens hervorgegangen.