Auch Alexandrien gedenkt der Heiligen Corona, der Schutzpatronin bei Epidemien

Ihre Reliquien ruhen in der italienischen Dolomitenstadt Feltre, wo die Märtyrerin auch als Patronin der Diözese angerufen wird

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Foto: © Wolfgang Glock (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic license)

Alexandrien-Venedig, 19.04.20 (poi) Mit Blick auf die Corona-Pandemie hat das Zentrum für koptische Studien der „Bibliotheca Alexandrina“ am 17. April eine Online-Konferenz über die Heilige Corona veranstaltet, die als Schutzpatronin bei Epidemien und Infektionskrankheiten angerufen wird. Prof. Ezzat Salib, Experte für koptische Kultur im ägyptischen Ministerium für Tourismus und Altertumskunde, leitete die Konferenz, die auch auf der Facebook-Seite der Bibliothek publiziert wurde.

Die Heilige Corona ist zusammen mit dem Heiligen Victor auch im römischen Martyrologium aufgeführt. Die beiden Märtyrer werden in lateinischen, griechischen und koptischen Heiligenverzeichnissen genannt. Die sie betreffenden hagiographischen Studien liefern unterschiedliche Hinweise auf den Ort ihres Martyriums. Nach der griechischen „Passio“ wurden Corona und Victor in Damaskus getötet, während koptische Quellen darauf hinweisen, dass ihr Martyrium in Antiochien stattgefunden habe. Lateinische Quellen nennen Alexandrien oder sizilianische Städte als Orte des Martyriums. Die Reliquien der beiden Heiligen werden seit fast 1.000 Jahren in dem ihnen geweihten Heiligtum in Feltre in Venetien verehrt. Auch in Bayern und Österreich wird die Fürbitte der Heiligen Corona bei Epidemien und Infektionskrankheiten angerufen, was ihr im Zeichen der Corona-Pandemie eine gewisse Popularität verliehen hat.

Der Bau des Wallfahrtsheiligtums auf dem Monte Miesna bei Feltre begann im Jahr 1096. Das Fest der Heiligen Corona und Victor wird in Feltre – und darüberhinaus – alljährlich am 14. Mai begangen. Am 18. September gibt es ein im lokalen Dialekt „San Vetoret“ genanntes Fest, das an die Übertragung der Reliquien in die Dolomitenstadt Feltre erinnert. Nach der Tradition von Feltre stammte der Heilige Victor aus der Stadt  und sei in der Zeit der römischen Christenverfolgung gemeinsam mit der Heiligen Corona in Syrien getötet worden.

Die Kirche auf dem Monte Viesna, drei Kilometer südlich von Feltre, ist eines der interessantesten romanischen Gotteshäuser im ganzen Veneto und weist starke oströmische (byzantinische) Einflüsse auf. Das Innere der Kirche ist vollkommen mit Fresken bedeckt, die der Schule Giottos zugerechnet werden. Auch andere Kunstwerke sind in der Kirche zu finden, so das Marmorgrab des Gründers, eine bischöfliche Kathedra und eine spätgotische Darstellung des Heiligen Victor.

Über die Lebensgeschichte von Corona und Victor geben die unterschiedlichen Quellen sehr stark voneinander abweichende Auskünfte. Victor soll ein christlicher Soldat aus Kleinasien gewesen sein, der in der Christenverfolgung unter Kaiser Mark Aurel im 2. Jahrhundert angeklagt, gefoltert und schließlich enthauptet wurde. Die Christin Corona, die erst 16-jährige Verlobte eines Kameraden, die ihn aufsuchte, um ihm Mut zu machen und ihn zu trösten, habe dann ebenfalls ein schreckliches Martyrium erlitten.

Dem „Martyrologium Romanum“ zufolge, das keine Jahresangabe enthält, geschah das Martyrium an einem 14. Mai in Syrien. Anschließend sollen die Reliquien nach Zypern gelangt und – wie so viele andere Zeugnisse des christlichen Ostens – im Zug der Kreuzzugsbewegung nach Feltre transferiert worden sein. Die Reliquien wurden – laut einem Bericht der deutschen „Tagespost“ – 1943 und 1981 kirchlich rekognosziert. Dabei wurde festgestellt, dass es sich um die sterblichen Überreste eines Mannes und einer Frau handelt. Durch Pflanzenpollen, die bei der Untersuchung gefunden wurden, konnten die Reliquien auf das 2. Jahrhundert datiert und ihre Herkunft aus dem Mittelmeerraum bestätigt werden.

Von Italien aus, wo die Heilige Corona die Schutzpatronin der Diözese Belluno-Feltre ist, verbreitete sich ihre Verehrung auch nördlich der Alpen. Der römische Kaiser Otto III. brachte Corona-Reliquien nach Aachen. Zusammen mit den Reliquien eines weiteren frühchristlichen Märtyrers, des Heiligen Leopardus, werden sie im Corona-Leopardus-Schrein im Aachener Dom aufbewahrt. Ebenso gibt es bis heute Corona-Wallfahrtsorte, gleich zwei in Niederösterreich – St. Corona am Schöpfl und St. Corona am Wechsel -, sowie in Niederbayern St. Corona bei Staudach.

Corona und Victor – Heilige der ungeteilten Christenheit – wurden aber auch in anderen Teilen Europas viel verehrt und vertrauensvoll angerufen. Zeugnis dafür ist etwa die Kollegiatskirche St-Victor-Ste-Couronne in Ennezat in der Auvergne; sie ist eine der eindrucksvollsten mittelalterlichen Kirchenbauten dieser französischen Landschaft. Auch dieses romanische Gotteshaus weist unverkennbar „östliche“ Einflüsse auf.