Auch Papst Franziskus gedachte der Befreiung von Auschwitz vor 75 Jahren

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Foto: © Dnalor 01 (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Austria/ Lizenz (CC-BY-SA 3.0))

Vatikanstadt-Jerusalem, 23.01.20 (poi) Die Erinnerung an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren stand am Donnerstag in Yad Vashem in Jerusalem im Mittelpunkt einer internationalen Gedenkveranstaltung. Papst Franziskus hatte bereits am Montag bei einer Begegnung mit einer Delegation des „Simon Wiesenthal Center“ auf das 75-Jahr-Gedenken Bezug genommen. Er dankte dem „Wiesenthal Center“, dass es die Erinnerung an die Shoah wach halte und alle Formen des Antisemitismus und Rassismus bekämpfe. Zwischen dem Heiligen Stuhl und dem „Simon Wiesenthal Center“ gebe es seit Jahrzehnten Kontakte, so der Papst: „Es vereint uns der Wunsch, die Welt zu einem besseren Ort zu machen – im Respekt vor der menschlichen Würde, die allen Menschen unabhängig von Herkunft, Religion oder gesellschaftlichem Status zukommt“.

2016 habe er an der Gedenkstätte in Auschwitz in Stille gebetet, sagte Papst Franziskus. Heute sei es im Trubel der Ereignisse oft schwierig, Stille zu finden, um auf den Schrei der leidenden Menschheit zu hören. Der heutige Konsumismus betreffe auch das Wort, es gebe so viele unnütze Worte, so viel auf Beschuldigungen und Beleidigungen verschwendete Zeit. Das Schweigen dagegen helfe, die Erinnerung zu bewahren. Wörtlich stellte Papst Franziskus in diesem Zusammenhang fest: „Wenn wir die Erinnerung verlieren, vernichten wir die Zukunft. Der Jahrestag der unbeschreiblichen Grausamkeit, die die Menschheit vor 75 Jahren entdeckte, ist ein Aufruf, innezuhalten, im Schweigen zu verharren und uns zu erinnern. Dessen bedürfen wir, um nicht gleichgültig zu werden“.

Die Zunahme der „egoistischen Gleichgültigkeit“ in so vielen Teilen der Welt sei Besorgnis erregend, so der Papst. So werde der Boden für die Populismen bereitet, für das Wachstum des Hasses. Jüngst sei eine barbarische Zunahme des Antisemitismus festzustellen gewesen, sagte Papst Franziskus, er werde nicht müde, „jede Form des Antisemitismus energisch zu verurteilen“. Um das Problem an der Wurzel anzugehen, müsse aber das Terrain, auf dem der Hass wächst, trockengelegt werden, indem man dort den Frieden sät.

Der Papst erinnerte an „Nostra aetate“, die Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils, die das gemeinsame spirituelle Erbe von Juden und Christen hervorgehoben habe; dieses Erbe müsse immer stärker bewusst werden, um es in den Dienst aller Menschen zu stellen. Juden und Christen seien gerade heute als erste zu diesem Dienst berufen, nicht auf Distanz zu gehen und „auszuschließen“, sondern einander näher zu kommen und „einzuschließen“. Wörtlich fügte Papst Franziskus hinzu: „Wenn nicht wir das tun, die wir an den glauben, der sich vom Himmel her unserer erinnert und sich unsere Schwächen zu Herzen nimmt, wer soll es dann tun?…Wir gedenken der Vergangenheit und nehmen uns die Situation der Leidenden zu Herzen, so werden wir der Geschwisterlichkeit den Boden bereiten“.

Abschließend rief der Papst dazu auf, die Zusammenarbeit in der Verteidigung der Schwächsten zu intensivieren und verabschiedete sich mit einem herzhaften „Shalom“.

An den Gedenkveranstaltungen am Donnerstag in Jerusalem nahmen auch kirchliche Vertreter teil, unter ihnen der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew).