Auswirkungen des Ukraine-Streits auf die orthodoxe Diaspora

In Chicago ist heuer keine panorthodoxe Vesper zum „Sonntag der Orthodoxie“ am 17. März möglich

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Foto: © fusion-of-horizons (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Chicago, 06.02.19 (poi) Die befürchteten Auswirkungen der  Ukraine-Auseinandersetzung zwischen Konstantinopel und Moskau auf die orthodoxe Diaspora beginnen sich abzuzeichnen. Vor allem in den USA (und auch lateinamerikanischen Ländern), wo alle orthodoxen Jurisdiktionen präsent sind, zeigen sich Friktionen zB im Hinblick auf den „Sonntag der Orthodoxie“, der am ersten Fastensonntag (heuer am 17. März) zu feiern ist. In den Ländern der Diaspora stand die Feier des „Sonntags der Orthodoxie“ (der an das Ende des Bilderstreits erinnert) in den letzten Jahrzehnten immer im Zeichen der panorthodoxen Einheit. Im Großraum Chicago – wo es an die 100 orthodoxe Pfarrgemeinden gibt – wird es am 17. März zwei getrennte Feiern geben. Ursprünglich hätte eine panorthodoxe Vesper in der serbischen Kathedrale von Chicago stattfinden sollen. Obwohl die serbisch-orthodoxe Kirche die eucharistische Gemeinschaft mit dem Patriarchat von Konstantinopel nicht aufgekündigt hat, entschloss sich aber der zuständige Bischof Longin (Krco), seine Kathedrale nicht für die panorthodoxe Vesper zur Verfügung zu stellen. Man habe alle Diskussionen vermeiden wollen, mit wem man nun gemeinsam beten könne und mit wem nicht, sagte der Sekretär von Bischof Longin, P. Nikolaj Kostur, im Gespräch mit der Website „orthochristian“. Daher werde es in der Kathedrale nur eine serbisch-orthodoxe Fastenvesper geben. Bei dieser Vesper wird sich aber auch die Eparchie der russisch-orthodoxen Auslandskirche (ROCOR) anschließen, wie der Sekretär dieser Diözese, Erzpriester Gregory Joyce, mitteilte. Die übliche panorthodoxe Vesper wird in der St. Konstantin und Helena-Kathedrale der nordamerikanischen Großeparchie des Patriarchats von Konstantinopel (GOA) abgehalten.

Auch im Vorjahr hatte in Chicago die panorthodoxe Vesper zum „Sonntag der Orthodoxie“ in St. Konstantin und Helena in Palos Hills stattgefunden. Den Vorsitz hatten der emeritierte serbisch-orthodoxe Bischof Sava (Juric)  und Bischof Paul (Gassios) von der „Orthodox Church of America“ (OCA), die Predigt hielt P. Patrick Reardon von der nordamerikanischen Eparchie des antiochenisch-orthodoxen Patriarchats. Heuer sollte die serbisch-orthodoxe Kathedrale Schauplatz der panorthodoxen Vesper sein.

Kostur sagte, Bischof Longin und sein Klerus seien über die Vorgangsweise Konstantinopels in der Ukraine schockiert gewesen, vor allem über die Übergabe des Dekrets über die Autokephalie (Tomos) an Schismatiker am 6. Jänner im Phanar und über die Konzelebration mit den Schismatikern. Bischof Longin habe den serbischen Klerus und die Gläubigen in Illinois und den angrenzenden Bundesstaaten eingeladen, angesichts des Krise  in der orthodoxen Kirche dafür zu beten, dass „jene, die im Schisma sind und jene, die versuchen, dieses Schisma zu legalisieren“, von Gott erleuchtet werden. Auch in Detroit wird es wie in Chicago getrennte panorthodoxe Vespern zum „Sonntag der Orthodoxie“ geben.

Durch den Beschluss des Heiligen Synods der russisch-orthodoxen Kirche, dass die eucharistische Gemeinschaft mit Konstantinopel wegen der Rehabilitierung der reuelosen Schismatiker nicht mehr möglich sei, sind in Nordamerika auf der einen Seite Klerus, Mönche und Laien des Moskauer Patriarchats und der russisch-orthodoxen Auslandskirche (ROCOR) betroffen, auf der anderen Seite Klerus, Mönche und Laien der Großeparchie des Patriarchats von Konstantinopel (GOA), der karpato-russischen Eparchie in den USA und der ukrainisch-orthodoxen Kirche der USA, die alle unter dem Omophorion des Patriarchen von Konstantinopel stehen.