Autokephalie für Kirche von Skopje: Phanar wiegelt ab

In einer Erklärung aus Konstantinopel ist nur mehr von Bemühungen zur „Heilung eines Schismas“ die Rede, was in der serbisch-orthodoxen Kirche nicht zur Beruhigung beigetragen hat, weil die selbe Formulierung auch in der Ukraine angewandt worden war

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Foto: © Klearchos Kapoutsis from Santorini (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Konstantinopel, 03.10.20 (poi)  Das Ökumenische Patriarchat hat am Freitag klargestellt, dass es „derzeit“ keine Bestrebungen im Hinblick auf eine Autokephalie der Kirche von Skopje gebe,  es gehe um die „Heilung eines Schismas“.  Der nordmazedonische Präsident Stevo Pendarovski hatte sich im September an den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. gewandt, um einen „Tomos“ (Anerkennungsurkunde der Selbständigkeit) für die von der Weltorthodoxie nicht rezipierte „mazedonisch-orthodoxe Kirche“ zu erreichen. Pendarovski nützte einen Gratulationsbrief zum Beginn des orthodoxen Kirchenjahres, um Patriarch Bartholomaios I. „im Namen vieler nordmazedonischer Bürger, die sich als orthodoxe Christen verstehen“, zu bitten, seine Appellationsvollmacht zu nutzen, damit die nordmazedonischen orthodoxen Bürger mit „allen anderen orthodoxen Christen in der Welt“ gleichgestellt werden. Der seit August diesen Jahres wieder amtierende Ministerpräsident Zoran Zaev sandte ebenfalls ein Schreiben nach Konstantinopel, in dem er Bartholomaios I. und das Ökumenische Patriarchat aufforderte, einzugreifen und der „mazedonisch-orthodoxen Kirche“ die Autokephalie zu gewähren: „Wir respektieren alles, was durch internationale Vereinbarungen festgelegt ist. Aber wir möchten innerhalb der Grenzen unseres Landes frei sein, damit unsere Bischöfe mit den Bischöfen aller orthodoxen Kirchen in der Welt konzelebrieren können“.

Nordmazedonien (mit der Hauptstadt Skopje) gehört kanonisch zum serbisch-orthodoxen Patriarchat. 1967 trennte sich die mazedonische Kirche – unter aktiver Beteiligung des titokommunistischen Regimes – vom serbischen Patriarchat, das den Mazedoniern bereits 1959 ein „autonomes Statut“ angeboten hatte. Für die Weltorthodoxie galt die neue Kirche als „schismatisch“. 2002 wollten mazedonische Bischöfe wieder mit dem serbischen Patriarchat in Gemeinschaft treten, wurden aber von den Politikern in Skopje daran gehindert. Im Mai des Vorjahrs kündigte die Bischofsversammlung der serbisch-orthodoxen Kirche die Wiederaufnahme des Dialogs mit den mazedonischen Abtrünnigen an.  Schon zuvor hatte sich (der jetzt wieder amtierende) Ministerpräsident Zoran Zaev an den Ökumenischen Patriarchen gewandt. Im heurigen Jänner suchte Zaev dann gemeinsam mit seinem vorübergehenden Nachfolger Oliver Spasovski den Phanar auf. Dabei ins Auge gefasste Konsultationen mit Belgrad dürften nicht zustande gekommen sein.  Der „Primas“ der „mazedonisch-orthodoxen Kirche“, Erzbischof Stefan (Veljanovski), betonte aber trotzdem  seine Hoffnung auf Erlangung der „Autokephalie“. Schon zuvor hatte Erzbischof Stefan voll Stolz berichtet, dass ihn (im Oktober des Vorjahrs) der US-Außenminister Michael Pompeo besucht und seiner Unterstützung versichert habe.

In dem jetzt veröffentlichten Statement aus dem Phanar heißt es, „jeder“ habe die „heilige Pflicht“, an der „Heilung eines Schismas“ mitzuwirken. Die Formulierung hat in der serbisch-orthodoxe Kirche nicht zur Beruhigung beigetragen, weil sie auch am Beginn der Ukraine-Krise von Konstantinopel angewendet worden war, als sich noch niemand vorstellen konnte, dass der Phanar einer aus Schismatikern bestehenden Gemeinschaft die Autokephalie verleihen würde. Im Statement aus dem Phanar wurde darauf verwiesen, dass sich die „Mutterkirche von Konstantinopel“ in der Region mehrfach um die „Heilung von Schismata“ bemüht habe, so im Hinblick auf das bulgarisch-orthodoxe Patriarchat, dessen Vorgängerorganisation – das bulgarisch-orthodoxe Exarchat – 1871 mit Hilfe des Sultans zustande gekommen war und 1944/45, als es darum ging, in Westthrakien die kirchlichen Verhältnisse wieder zu normalisieren. Das mit NS-Deutschland verbündete Bulgarien hatte 1941 Westthrakien okkupiert und alle griechischen Institutionen untersagt, auch in der Kirche wurde Griechisch verboten. Als Bulgarien auf die alliierte Seite wechselte und Westthrakien unter griechische Souveränität zurückkehrte, kam es in dem Gebiet auch im kirchlichen Bereich zu dramatischen Auseinandersetzungen.

Mittlerweile hat ein prominenter griechischer Hierarch, Metropolit Theoklitos (Passalis) von Florina und Prespa, sich scharf gegen alle Bestrebungen geäußert, die schismatische nordmazedonische Kirche anzuerkennen. „Wenn wir als Griechen das Nachbarland nicht als ‚Nordmazedonien‘ anerkennen, warum sollten wir dann der ‚mazedonischen‘ Kirche die Autokephalie zugestehen?“, brachte Metropolit Theoklitos die Volksmeinung in der Grenzregion auf den Punkt. Nach seiner Auffassung dürfe Patriarch Bartholomaios den Mazedoniern nicht die Autokephalie verleihen, betonte der Metropolit. Am 12. Juni 2018 wurde zwar in Prespa ein Vertrag zwischen Athen und Skopje unterzeichnet, in dessen Konsequenz der Name „Republik Nordmazedonien“ lanciert wurde. In der orthodoxen Kirche von Griechenland wird dieses Manöver aber von vielen Metropoliten abgelehnt. Sie stehen  auf dem Standpunkt, dass Mazedonien nur ein griechisches Territorium bezeichnen könne. Sie plädieren nach wie vor dafür, dass „Nordmazedonien“ nur als „Republik Skopje“ firmieren dürfe.