Bartholomaios I. erfreut über neue orthodoxe Präsenz in Italien

Ökumenischer Patriarch betont bei seinem Besuch in der griechisch-katholischen Eparchie Lungro in Kalabrien die „wirkliche Freundschaft“ mit Papst Franziskus

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Foto: © Massimo Finizio (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Rom, 19.09.19 (poi) Der „Hunger nach Spiritualität“ bei vielen Italienern, aber auch die Migrationsbewegung habe zu einer neuen Präsenz der orthodoxen Kirche in Italien geführt; neue orthodoxe Zentren seien entstanden, ohne dass „der katholischen Kirche deswegen Schaden zugefügt“ worden sei. Dies betonte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. in Lungro bei seinem Besuch aus Anlass des 100-Jahr-Jubiläums der griechisch-katholischen Eparchie dieser kalabrischen Stadt mit ihrer italo-albanischen Tradition. Die katholische Kirche sei bei der Entstehung der neuen orthodoxen Zentren sehr hilfreich, dafür bedanke er sich sehr herzlich, so Bartholomaios I. Wörtlich fügte er hinzu: „Mit Papst Franziskus, der in einer seinem Namen würdigen Weise lebt und handelt, verbindet uns brüderliche Liebe und eine wirkliche Freundschaft. Ich wünsche mir, dass diese Freundschaft sich auch auf den Episkopat, den Klerus und die Gläubigen unserer beiden Schwesterkirchen ausdehnt“.

Der Ökumenische Patriarch bekannte sich zum „Traum der vollen Einheit im Glauben“: „Wir haben viel gemeinsam, aber auch verschiedene Dinge, die uns in dogmatischer Hinsicht vom gemeinsamen Kelch fernhalten. Der theologische Dialog ist sehr weit vorangeschritten, aber es bleiben einige Stolpersteine, die den Weg zur Begegnung schwierig machen“. Umso mehr müsse von beiden Seiten gearbeitet werden, um diese Stolpersteine zu überwinden: „Es bedarf aber auch des Gebets, damit Gott den Weg ebnet und der Tag erscheint, an dem wir uns vereint am Tisch des Herrn einfinden können“.

Kalabrien, das ursprünglich ganz orthodox war, habe sich immer durch das  Mönchtum ausgezeichnet, das hier „in wunderbarer Weise“ geblüht habe, erinnerte Bartholomaios I. Auch wenn die Region heute unter der Jurisdiktion des römischen Papstes sei, hätten sich die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Konstantinopel und Kalabrien nicht geändert. Wörtlich sagte der Patriarch: „Die Mutter wird immer als Mutter empfunden, sie liebt ihre Kinder, sie betet glühend für sie. Einmal Mutter, immer Mutter“. Auch wenn die Eparchie von Lungro heute nicht mehr unter dem „kanonischen Schutz“ des Ökumenischen Patriarchats stehe, freue sich die Mutterkirche, weil sie sehe, dass hier „Sprache, Ritus, liturgischer und kultureller Reichtum“ Konstantinopels bewahrt worden seien. Das sei nicht nur eine Äußerlichkeit, sondern „Zeichen des inneren Durstes, einer starken Liebe“.

Der griechisch-katholische Bischof von Lungro, Donato Oliverio, hatte eingangs dem Patriarchen versichert, dass Klerus und Volk seiner Eparchie die Verbindung mit Konstantinopel leben und hochhalten. Lungro sei gleichsam ein Forum, um die Trennungen der Vergangenheit zu überwinden und auf dem Weg der Wiedervereinigung der christlichen Kirche voranzuschreiten. In Kalabrien mit seiner Vielfalt an Ethnien, Sprachen und Traditionen könne man feststellen, dass die „lateinische“ und die „byzantinische“ Realität durch den gemeinsamen Glauben vereint sind. Der Besuch des Ökumenischen Patriarchen sei ein Festtag, an dem die „jahrhundertealte Treue zu Christus und zur heiligen konstantinopolitanischen Tradition, die in  Kalabrien eifrig bewahrt wurde“ zum Ausdruck kommen. Die ostkirchliche Spiritualität sei der kostbarste Schatz der italo-albanischen Kirche.