Bartholomaios I. gedachte des Märtyrer-Patriarchen Gregorios V.

Der damalige Ökumenische Patriarch war am Ostersonntag des Jahres 1821 von den Osmanen in vollem Ornat am Haupttor des Phanar gehängt worden

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Foto: © Χρήστης Templar52 (Quelle: Wikimedia;)

Konstantinopel, 11.04.19 (poi) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat am Mittwoch in besonderer Weise eines heilig gesprochenen Vorgängers gedacht: des Märtyrer-Patriarchen Gregorios V., der am 10. April 1821 (nach Julianischem Kalender) von den Osmanen am Haupttor des Phanars gehängt worden war. Bartholomaios I. entzündete eine Kerze und legte ein Blumengebinde nieder, dann betete er für Gegenwart und Zukunft der Kirche von Konstantinopel, für den geistlichen Fortschritt der Gläubigen seines Kirchengebiets, für die Bewahrung der christlichen Gemeinschaften des Nahen Ostens und für die Überwindung der Spannungen und die Ausbreitung des Friedens in der ganzen Welt.

Am Ostersonntag 1821 (der 10. April nach Julianischem Kalender entspricht dem 22. April nach Gregorianischem Kalender) wurde Gregor V. nach der Feier der Osterliturgie beim Verlassen der Georgskathedrale noch im vollen liturgischen Ornat von osmanischen Sbirren festgenommen. Sie lieferten den Patriarchen ins Gefängnis ein, wo er Folterungen ausgesetzt war. Am Nachmittag des selben Tages wurde der Patriarch gegen 15 Uhr am Haupteingang zum Patriarchalsitz aufgehängt. Der Tote wurde zwei Tage später durch die Straßen geschleift und in den Bosporus geworfen. Griechische Seeleute bargen die Leiche und brachten sie nach Odessa, wo sie ehrenvoll bestattet wurde. Auf Wunsch der griechischen Regierung wurden die Gebeine im Jahr 1871 nach Athen überführt, wo sie in der Metropolitankathedrale ruhen. Zum Gedenken an den ermordeten Patriarchen wurde der Haupteingang des Phanar – das Petrus-Tor – 1821 geschlossen und zugeschweißt. Seither wurde das Tor nie mehr geöffnet. Am 8. April 1921 erfolgte die Heiligsprechung des Märtyrer-Patriarchen. In Konstantinopel war es nach der Ermordung von Gregorios V. zu einem Pogrom an der griechischen Stadtbevölkerung gekommen, das von islamischen Freitagspredigern befeuert wurde.

Gregor V., mit bürgerlichem Namen Georgios Angelopoulos, stammte aus Dimitsana in Arkadien, wo er 1745 geboren wurde. Angelopoulos erhielt auf dem Athos, in Athen, Smyrna und auf Patmos eine theologisch-wissenschaftliche Ausbildung und zog sich dann einige Jahre als Eremit zurück. Im Jahr 1785 stieg er zum Metropoliten von Smyrna auf. Am 1. Mai 1797 wurde er zum Patriarchen von Konstantinopel gewählt. Nach dem Ägyptenfeldzug Napoleon Bonapartes wurde in der osmanischen Nomenklatura gemutmaßt, dass die Griechen mit den Franzosen insgeheim im Bündnis stünden. Dies ließ einige maßgebliche Persönlichkeiten den Kopf des Patriarchen fordern. Mit Billigung des reformorientierten Sultans Selim III. konnte der Patriarch auf den Berg Athos ausweichen, bis sich die Wogen geglättet hatten. 1806 wurde er neuerlich zum Patriarchen gewählt, musste aber 1809 wieder ins Exil auf die Prinzeninseln, erst 1818 konnte er seine Amtsgeschäfte wiederaufnehmen. In dieser Hinsicht teilte er das Schicksal vieler Ökumenischer Patriarchen während der osmanischen Herrschaft, die unterbrochene Amtsperioden hatten, weil sie einem osmanischen Machthaber missfielen oder zuwenig in die Kasse einzahlten.

In der Amtszeit Gergors V. erfolgte die Wiederherstellung der Georgskathedrale, die durch ein Feuer im Jahr 1738 stark beschädigt worden war. Auch als Übersetzer der Briefe des Apostels Paulus ins Neugriechische und Kommentator der Briefe trat der Patriarch hervor. Er begründete auch die Patriarchaldruckerei.

Nach Beginn des griechischen Unabhängigkeitskampfes wurde Gregor V. als Ethnarch des „römischen (romäischen) Millet (Volksgemeinschaft)“ im Osmanischen Reich von Sultan Mahmud II. für sein Unvermögen getadelt, den Aufstand zu unterdrücken. Ob der Patriarch heimliche Verbindungen mit Rebellen hatte, ist ungeklärt, doch öffentlich ermahnte er im Jahr 1821 die Griechen zum Gehorsam gegenüber dem osmanischen Staat. Am 21. März 1821 verhängte er über die Aufständischen sogar das „Anathema“, den Kirchenbann. Seine nächste Umgebung versuchte vergeblich, den Patriarchen zu überzeugen, Konstantinopel im Hinblick auf seine potenzielle Gefährdung zu verlassen.

Die Flucht der der Aufsicht Gregors V. anvertrauten Familie des Fürsten Mourousis (die Mourousis waren eine der wichtigsten Phanarioten-Familien im Fürstenrang) nahmen ihm die Osmanen übel, obwohl er selbst nichts zum Entkommen beigetragen hatte.

Die brutale Emordung von Gregorios V. – und von weiteren drei Bischöfen und mehreren Priestern – am Ostersonntag wurde in der ganzen orthodoxen Welt, vor allem in Russland mit Empörung zur Kenntnis genommen. Überall in Europa gab es Proteste, die Bewegung des „Philhellenismus“ wurde dadurch gestärkt. Der Dichter Dionysios Solomos widmete in seiner „Hymne an die Freiheit“ – die später die griechische Nationalhymne werden sollte – mehrere Strophen dem Schicksal des Märtyrer-Patriarchen.