Bartholomaios I. leitete im Phanar das neue orthodoxe Kirchenjahr ein

Zuvor hatte der Heilige Synod des Patriarchats von Konstantinopel getagt: Erwählung von neuen Bischöfen und Heiligsprechung von Athos-Mönchen – Pariser Metropolit Emmanuel nahm bei Liturgiefeier Bezug auf die jüngsten Auseinandersetzungen um die Hagia Sophia und die Erlöserkirche von Chora: „Auch wenn man noch so viele Mosaiken unter Putzschichten verbirgt, kann man die Geschichte nicht auslöschen“

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Foto: © Klearchos Kapoutsis from Santorini (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Konstantinopel, 01.09.20 (poi) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. leitete am 1. September mit einem Gottesdienst in der Georgskathedrale im Phanar das neue orthodoxe Kirchenjahr ein. Der 1. September als Beginn des Kirchenjahrs setzt die Tradition eines römischen Steuertermins fort, mit dem das Finanzjahr begann. Die orthodoxe Kirche ehrt am 1. September in besonderer Weise Jesus Christus selbst, sie gedenkt aber auch des Heiligen Symeon des Styliten (eines der bedeutendsten syrischen Heiligen) und der 40 Märtyrerinnen von Adrianopel, die unter Kaiser Licinius den Tod erlitten.

Wie üblich hatte in den Tagen vor dem 1. September der Heilige Synod des Ökumenischen Patriarchats getagt, zunächst im Dreifaltigkeitskloster auf der Insel Halki, am Montag, 31. August, dann im Phanar. Der Heilige Synod erwählte Bischof Dimitrios von Therma zum neuen Metropoliten von Metres und Athyra (einer heute nur mehr auf dem Papier bestehenden Metropolie im östlichen Thrakien). Außerdem wurden drei neue Auxiliarbischöfe für Mexiko bestimmt, die Metropolit Athenagoras (Anastasiadis) unterstützen werden. Die drei Bischöfe sind Isichios Thanos, Athenagoras Saul Alfonso Perez Galvis und Timoteo Luis Antonio Torres Esquivel; in ihrer Ernennung spiegelt sich das dramatische Wachstum der orthodoxen Kirche in Mexiko.

Der Heilige Synod wurde neu zusammengesetzt, wobei das Gewicht der alten und neuen Diaspora erhöht wurde. So sind für die nächste Zeit die Metropoliten von Mexiko, Schweden, Australien und der Schweiz Mitglieder des zwölfköpfigen Gremiums.

Nach dem Abschluss der Sitzung des Heiligen Synods leitete Bartholomaios I. in der Georgskathedrale die Heiligsprechungszeremonie für die drei Athos-Mönche Daniel Katounakiotis, Efraim Katounakiotis und Iosif Isichastis sowie für den Metropoliten Kallinikos (Poulos; 1918-1984) von Edessa und Pella.

Bei der Tagung des Heiligen Synods waren die prominentesten Bischöfe aus der Diaspora anwesend. Erzbischof Elpidophoros (Lambriniadis) vom Amerika berichtete am Rande dem Ökumenischen Patriarchen über den Fortgang der Bauarbeiten der neuen orthodoxen St. Nikolaus-Kirche am Ground Zero in New York (die alte Kirche war bei dem Terroranschlag auf das „World Trade Center“ im Jahr 2001 zerstört worden). Der Erzbischof taufte in Konstantinopel auch den kleinen Sohn des prominenten jungen ukrainischen Abgeordneten Swjatoslaw Jurasch – er ist der Sohn eines Mitstreiters des früheren Präsidenten Petro Poroschenko, gehört der Selenskij-Partei „Diener des Volkes“ an und hatte auf dem Maidan das internationale Medienzentrum mitorganisiert – auf den Namen Bartholomaios-Elpidophoros. Patriarch Bartholomaios segnete das Kind und seine Eltern; diese hatten in Konstantinopel kirchlich geheiratet.

Der Pariser Metropolit Emmanuel (Adamakis), der in der Vorwoche in Kiew gewesen war, feierte die Göttliche Liturgie in der Kirche Panagia Souda im Viertel Ayvansaray (entspricht dem alten Blachernae) südlich des Goldenen Horns. Der Metropolit würdigte das historische Gotteshaus als „Zeichen des Lebens und der Stärke der Orthodoxie“, die sich am Goldenen Horn ebenso zeige wie bei den Orthodoxen „vom seit langem leidenden Phanar“, in den Pfarrgemeinden des Ökumenischen Patriarchats in aller Welt, in Europa und Ozeanien, in Nord- und Südamerika. Wörtlich stellte Metropolit Emmanuel fest: „Auch die kleinste und ärmste Pfarre in Indien ist Ruhm und Stolz des Ökumenischen Patriarchats. Niemand kann das aus der Geschichte auslöschen, auch wenn man noch so viele Steine wirft, noch so viele Mosaiken unter Verputzschichten verbirgt und noch so viele Fresken mit farbenfrohen Teppichen verhüllt. Ich denke, dass unser Glaube dadurch stärker wird und das Ökumenische Patriarch dadurch erhöht, nicht beleidigt wird. Wenn eine Kirche zerstört oder entweiht wird, dann klagt die Orthodoxie nicht, sondern blüht auf und bringt mehr Frucht“. Nie dürfe man vergessen, dass die Kirche auf dem Blut der Märtyrer gegründet sei „und auf dem Schmerz und der Sorge der Christen“.

Ursprünglich hätte auch der Jerusalemer Patriarch Theophilos III. zum Auftakt des neuen Kirchenjahres nach Konstantinopel kommen sollen. Zwischen Theophilos III. und Bartholomaios I. hatte es wegen unterschiedlicher Auffassungen über die neue „Orthodoxe Kirche der Ukraine“ schwere Spannungen gegeben. Der Jerusalemer Patriarch musste die Reise aber absagen, weil einige Mitglieder der „Bruderschaft vom Heiligen Grab“, die die Heiligen Stätten verwaltet und aus deren Reihen die meisten Bischöfe des Patriarchats von Jerusalem kommen, positiv auf Covid-19 getestet worden sind. Die Bischöfe des Heiligen Landes einschließlich des Patriarchen hätten sich daher entschlossen, die notwendigen Maßnahmen – einschließlich einer 14tägigen Quarantäne aller Infizierten und ihrer Kontaktpersonen – zu ergreifen, um die weitere Ausbreitung des Virus zu bekämpfen.

Bartholomaios I. richtete einen freundlichen Brief an Theophilos III., in dem er sein Mitgefühl zum Ausdruck brachte: „Alle unsere Brüder im Phanar teilen Sorge und Leid der angesteckten Mitglieder der Jerusalemer Bruderschaft. Wir beten zum Arzt unserer Leiber und Seelen, damit alle bald gesund werden und ihre heilige Aufgabe der Bewahrung der Heiligen Stätten unter Ihrer starken Leitung und väterlichen Zuneigung wieder aufnehmen können“.