Bartholomaios I. „traurig und schockiert“ über die Hagia Sophia-Diskussion

Bartholomaios I. „traurig und schockiert“ über die Hagia Sophia-Diskussion Ökumenischer Patriarch: „Statt uns zu vereinen, trennt uns ein 1.500 Jahre altes Erbe“

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Foto ©: Ökumenisches Patriarchat

Genf, 25.06.20 (poi) Er sei „traurig und schockiert“ über die jüngste Diskussion über die Hagia Sophia, sagte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. im Gespräch mit der „Washington Post“, wie der Newsletter „Orthodox Times“ berichtet. Der Patriarch hält sich zu Sitzung des Heiligen Synods der Kirche von Konstantinopel im Orthodoxen Zentrum in Chambesy bei Genf auf. Wörtlich wird Bartholomaios I. in der „Washington Post“ zitiert: „Was soll ich sagen als christlicher Kleriker und griechischer Patriarch in Konstantinopel? Statt uns zu vereinen, trennt uns ein 1.500 Jahre altes Erbe“. Der Patriarch fügte hinzu: „Die Kirche von Konstantinopel hat 17 Jahrhunderte überlebt und wenn es Gottes Wille ist, werden wir für immer am Bosporus bleiben“.

Die „Washington Post“ bezeichnete die Rhetorik türkischer Politiker in der Diskussion über die Hagia Sophia als „toxisch“, das verstärke nur „Jahrhunderte der religiösen Rivalität“.

 

Gedenken an Metropolit Damaskinos

Zum Auftakt der Sitzung des Heiligen Synods hatte Bartholomaios I. bei einer schlichten Gebetsfeier im Hof des Orthodoxen Zentrums in Chambesy des ersten orthodoxen Metropoliten der Schweiz, Damaskinos (Papandreou), gedacht. Dabei wurde das Trishagion gesungen („Heiliger Gott, heiliger starker Gott, heiliger unsterblicher Gott, erbarme dich unser“).

Metropolit Damaskinos (1936-2011) hatte große Verdienste um die Entwicklung des ökumenischen wie des interreligiösen Dialogs. Nach Besuch der Theologischen Hochschule des Ökumenischen Patriarchats in Chalki wurde er 1959 zum Diakon geweiht. 1959 bis 1965 studierte er Kirchengeschichte, vergleichende Religionswissenschaften und Religionsphilosophie an den deutschen Universitäten Bonn und Marburg. 1966 wurde er mit der Arbeit „Die Gründung und Organisation der armenischen Kirche bis zum IV. Ökumenischen Konzil“ an der Athener Universität promoviert. Nach seiner Priesterweihe 1961 wurde er zum Archimandriten ernannt. In den 1960er-Jahren war er als Seelsorger für die griechischen Arbeitsmigranten in Bonn tätig. Zudem gründete er die ersten drei griechischen Volksschulen in Deutschland. Von 1965 bis 1969 war er Vorsteher des neuen orthodoxen Mönchszentrums in Taizé.

1969 wurde er Direktor des Orthodoxen Zentrums des Ökumenischen Patriarchats in Chambesy bei Genf und gleichzeitig Sekretär für die Vorbereitung des Panorthodoxen Konzils. Am 6. Dezember 1970 wurde er zum Bischof geweiht. Er baute das Orthodoxe Zentrum in Chambesy zu einem ökumenischen und interreligiösen Begegnungszentrum von internationalem Rang aus. Das 1996 gegründete „Zentrum für höhere Studien in orthodoxer Theologie“ arbeitet eng mit den Theologischen Fakultäten der Universitäten Genf und Fribourg zusammen. Er war Mitglied der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung (Faith and Order) des Weltkirchenrats sowie Gastprofessor am Ökumenischen Institut Bossey. 1982 wurde er zum Metropoliten von Genf und der Schweiz ernannt.

Damaskinos (Papandreou) war eine prägende Persönlichkeit der Ökumene. Er war tief verbunden mit Papst Johannes Paul II. und befreundet mit Papst Benedikt XVI. („Bruder und Freund“).