Begräbnis von Metropolit Filaret in Weißrussland

Kondolenzschreiben von Kardinal Koch: Dem Metropoliten ging es um die Stärkung brüderlicher Beziehungen zwischen orthodoxer und katholischer Kirche

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Foto: © Dmitrij M (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Minsk, 15.01.21 (poi) Der am 12. Jänner im Alter von 85 Jahren nach einer Covid-Infektion verstorbene emeritierte russisch-orthodoxe Exarch von Weißrussland, Metropolit Filaret (Wachromejew), wurde am 14. Jänner zu Grabe getragen. Sein Nachnachfolger, Metropolit Wenjamin (Tupjeko), leitete in der orthodoxen Heiligengeist-Kathedrale in Minsk die Trauerfeier. 13 orthodoxe Bischöfe konzelebrierten mit Metropolit Wenjamin, unter ihnen auch der ukrainische Metropolit Awgustin (Markewytsch) von Bela Tserkow. Bei der Litugrie wurde auch die Danksagung des Heiligen Synods der Kirche von Weißrussland verlesen: „Lieber Vater, wir alle sind Ihre Kinder in Christus. Auf den Spuren des Heiligen Filaret, dessen Name Ihnen bei der Mönchsweihe verliehen wurde, haben Sie uns ein lebendiges Beispiel der vollkommenen Hingabe an Gott gegeben. ‚Nicht uns, Herr, nicht uns, nein, deinem Namen gib Herrlichkeit‘: Sie haben diese Worte des Psalmisten als Ihr Motto verwirklicht.

Entsprechend dem Willen des verstorbenen Metropoliten wurde sein Sarg um die Heiligengeist-Kathedrale getragen. Anschließend hatten die Gläubigen Gelegenheit, von dem in der Kathedrale aufgebahrten Metropoliten Abschied zu nehmen. Die Beisetzung erfolgte im Marienkloster in Schirowitsij, das dank des Einsatzes von Metropolit Filaret nach den Jahrzehnten des Staatsatheismus renoviert werden konnte. Er sorgte auch dafür, dass in Schirowitsij ein Priesterseminar und eine Theologische Akademie eröffnet wurden. Das Kloster ist heute wieder das spirituelle Zentrum Weißrusslands. Schirowitsij mit seiner wundertätigen Marienikone ist eng mit der Geschichte Weißrusslands verbunden. Die Auffindung der Ikone geht auf das Jahr 1470 zurück, 1613 wurden Kirche und Kloster nach der Union von Brest griechisch-katholisch. Erst nach 1839, nachdem der unierte Bischof (und spätere orthodoxe Metropolit) von Wilno (Vilnius), Iosyf (Semaschko; 1799-1868), eine Unterschriftenaktion im Klerus eingeleitet hatte, wurde Schirowitskij wieder orthodox.

In den Kondolenzbotschaften aus der christlichen Welt wurden vielfach die Verdienste von Metropolit Filaret hervorgehoben. Der Moskauer Patriarch Kyrill I. betonte den „bedeutenden Beitrag von Metropolit Filaret zur Stärkung der brüderlichen Beziehungen zwischen den autokephalen orthodoxen Kirchen und zur Entwicklung des interreligiösen Dialogs“. Als Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats habe Metropolit Filaret verantwortungsvolle Aufgaben in Europa erfüllt. Als Metropolit von Minsk sei es ihm um die „umfassende Wiederbelebung des kirchlichen Lebens“ gegangen. Er habe den Respekt und die Liebe vieler Menschen „von außerhalb des Landes“ gewonnen. Die von Metropolit Filaret immer wieder beschworene Wahrheit der Orthodoxie habe zur Schaffung von Frieden und staatsbürgerlicher Harmonie im weißrussischen Land beigetragen.

Auch der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, brachte in einem Kondolenz-Schreiben an Metropolit Wenjamin seine Trauer über den Tod von Metropolit Filaret zum Ausdruck. Metropolit Filaret sei immer ein „lichtvolles Beispiel des Glaubens“ gewesen. Während seines langjährigen Dienstes in Weißrussland habe der Metropolit wesentlich zur Wiedergeburt des kirchlichen Lebens beigetragen. Als Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats sei es Metropolit Filaret um die Versöhnung der Christen des Ostens und des Westens gegangen, vor allem aber „um die Stärkung der brüderlichen Beziehungen zwischen orthodoxer und katholischer Kirche durch den Aufbau eines fruchtbaren Netzwerks der spirituellen Freundschaft mit vielen orthodoxen Brüdern“. Der Kardinal schloss sich dem traditionellen orthodoxen Gebetswunsch an: „Ewiges Gedenken!“

Ein Schüler von Metropolit Nikodim

Metropolit Filaret war ein Schüler des legendären St. Petersburger Metropoliten Nikodim (Rotow), der im September 1978 in den Armen des Kurzzeit-Papstes Johannes Paul I. starb (Nikodim hatte den Metropoliten 1965 zum Bischof geweiht) . Nach dem Tod von Metropolit Nikodim war Metropolit Filaret (als Leiter des kirchlichen Außenamtes von 1981 bis 1989) jener russisch-orthodoxe Repräsentant, der am meisten in die westlichen Länder reiste. Aber auch schon zuvor hatte er als Exarch für Mittel- bzw. Westeuropa Aufgaben, die starke Westbeziehungen einschlossen. Im Juli 1985 pilgerte der Metropolit nach Velehrad, um sich den katholischen Feiern zum 1.100. Jahrestag des Todes des Heiligen Methodius anzuschließen. Damals, als trotz aller Sperrmaßnahmen der kommunistischen Behörden rund 200.000 Pilgerinnen und Pilger nach Velehrad strömten, überraschte das Plädoyer des russisch-orthodoxen Metropoliten für die Einheit von östlichen und westlichen Christen – was freilich nur ein Anliegen aufnahm, das bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der russisch-orthodoxen Kirche eine große Rolle gespielt hatte. Noch mehr Aufsehen löste aus, als Metropolit Filaret im September 1988 den polnischen Primas, Kardinal Jozef Glemp, einlud, die westlichen Gebiete Weißrusslands zu besuchen, eben jene Gebiete, die bis zum Einmarsch der Roten Armee im September 1939 polnisch gewesen waren.

 

„Ein Beispiel und ein Lehrer“

Auch der vor wenigen Tagen zurückgetretene katholische Erzbischof von Minsk, Tadeusz Kondrusiewicz, würdigte seinen orthodoxen Amtsbruder. Wörtlich schrieb Kondrusiewicz: „Als treuer Diener der Kirche Jesu Christi hat sich Metropolit Filaret hohen Respekt seiner Mitglaubenden erworben, der Orthodoxen und der Katholiken, wie auch der ganzen weißrussischen Gesellschaft“. Der verstorbene Metropolit habe auf die Entwicklung der ökumenischen und interreligiösen Beziehungen großen Wert gelegt. Abschließend stellte Kondrusiewicz fest: „Metropolit Filaret, mit dem ich durch brüderliche Freundschaft verbunden war, wurde für mich ein Beispiel und ein Lehrer, wofür ich überaus dankbar bin“.