Belarus: Generalstaatsanwaltschaft droht Geistlichen

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Foto: © Dmitrij M (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

26. November 2020 (NÖK) Die Generalstaatsanwaltschaft von Belarus hat Erzpriester Sjarhej Lepin, den Leiter der synodalen Informationsabteilung der Belarussischen Orthodoxen Kirche (BOK), und Bischof Juryj Kasabuzki von der römisch-katholischen Kirche in Belarus wegen angeblichen Schürens gesellschaftlicher Spannungen verwarnt. Beide hatten zuvor in den sozialen Netzwerken die Zerstörung des Mahnmals für Raman Bandarenka, einen umgekommenen Demonstranten, durch die Sicherheitskräfte kritisiert.

In ihren Aussagen würden „wissentlich in kategorisch aggressivem Ton bestimmte Begriffe und Wendungen verwendet, die bewusst das Niveau der Spannungen in der Gesellschaft erhöhen, Hass gegenüber Vertretern der Staatsmacht, darunter die Sicherheitskräfte, und als Folge davon Feindseligkeit in Verhältnis zu bestimmten sozialen Gruppen der Bevölkerung schüren“, so die Generalstaatsanwaltschaft. Dieses Vorgehen sei „unzulässig und inakzeptabel“, da es der Rolle der Kirchen nicht entspreche und die Bürger zu „Aggression“ und „illegalen Handlungen“ anstachle. Das Handeln der Geistlichen widerspreche außerdem Art. 16 der Verfassung, der es religiösen Organisationen und ihren Vertretern verbietet, entgegen dem „gesellschaftlichen Frieden“ zu handeln.

Lepin hatte auf Facebook geschrieben, er verstehe nicht, „wozu dieser Hohn über die Portraits des Umgebrachten, über die Blumen zu seinem Andenken, wozu diese satanische Missachtung von Lampen und Ikonen, der Kampf mit der improvisierten Gedenkstätte im Hof seines Hauses, entlang der Straßen? Was ist der Sinn? Es war nicht genehmigt? Aber dieses Verhalten und diese Haltung sind genehmigt? Von wem?“. Bischof Kasabuzki fand, das Verhalten der Sicherheitskräfte zeige eine wachsende Angst der Staatsmacht vor dem Volk. Dabei kritisierte er die Gewalt der Sicherheitskräfte gegen friedliche Bürger. Die zahlreichen Verhaftungen sollten wohl andere Menschen einschüchtern, aber „all diese Repressionen machen uns nur stärker“, erklärte er und rief zu Gebeten für das Volk, seine Geistesstärke und seinen Mut auf.

Bandarenka war am 11. November in Minsk unter Gewaltanwendung verhaftet und wenig später von den Sicherheitskräften mit einem Hirnödem ins Krankenhaus gebracht worden. Am folgenden Tag starb der junge Mann. Die Behörden behaupten entgegen Augenzeugenberichten, die Polizei sei zu einer Schlägerei gerufen worden, wo sie Bandarenka verletzt und betrunken vorgefunden habe. Am 13. November veranstaltete die katholische Kirche in Minsk einen Gedenkgottesdienst für Bandarenka, zu dem Hunderte Menschen kamen. Geleitet wurde der Gottesdienst von Bischof Kasabuzki. Dabei beklagte er die Gewalt, die immer mehr werde, betonte aber auch, wie wichtig verzeihen sei. Er rief die Menschen dazu auf, „in ihrem Herzen keinen Hass zu bewahren“. Zur Totenliturgie in der Auferstehungskirche in Minsk kamen ebenfalls zahlreiche Menschen. Sie nahmen den ganzen Platz vor der Kirche ein, in den umliegenden Straßen kam es zu Staus. Insgesamt versammelten sich Tausende Menschen, um sich von Bandarenka zu verabschieden.