Belgrad: Heiliger Synod verurteilt „andauernde Kirchenverfolgung in Montenegro“

Aufforderung an Präsident Milo Djukanovic und seine Regierung, die Verfolgung der Kirche einzustellen und alle weiteren Schritte am internationalen Recht zu orientieren

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Foto: © Sailko (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

Belgrad, 28.06.20 (poi) Der Heilige Synod des serbisch-orthodoxen Patriarchats hat in seiner Sitzung am 25. Juni die „andauernde Verfolgung der Kirche durch die montenegrinischen Behörden“ in scharfen Worten verurteilt. Diese Verfolgung sei zuletzt in der Vorladung des montenegrinischen Metropoliten Amfilohije (Radovic) in das Polizeipräsidium in Podgorica, wo er sechs Stunden verhört wurde, zum Ausdruck gekommen, aber auch in der Festnahme von Priestern und Laien und in der angedrohten Ausweisung von Klerikern, die nicht montenegrinische Staatsangehörige sind. Die Kirche in Montenegro mit ihren Bischöfen, Priestern und Mönchen tue aber – gemeinsam mit dem ganzen Volk Gottes – nichts anderes, als die orthodoxen Heiligtümer zu verteidigen und die notwendigen Änderungen am umstrittenen Religionsgesetz zu verlangen. Dabei werde von kirchlicher Seite jegliche Politisierung der Frage vermieden.

In zahlreichen Erklärungen habe der Heilige Synod bereits bisher an die montenegrinischen Behörden appelliert, die Verfolgung von Kirche und Klerus einzustellen und in Übereinstimmung mit zivilisierten Normen und den Empfehlungen politischer und gesellschaftlicher Stimmen aus Europa und der Welt zu handeln. Nur auf diese Weise könne die Religions- und Gewissensfreiheit der montenegrinischen Bürger garantiert werden. Die jüngste Verfolgung, bei der die Coronavirus-Pandemie und die Maßnahmen gegen ihre Ausbreitung als Vorwand dienten, könne nur zu einer Verstärkung der gesellschaftlichen Spaltung führen; damit würden Stabilität und Frieden nicht nur in Montenegro, sondern auch in der ganzen Region dauerhaft bedroht.

Der Heilige Synod der serbisch-orthodoxen Kirche gebe den Bischöfen, Priestern, Mönchen und allen Gläubigen bei der Verteidigung des Rechtes auf Glaubensfreiheit brüderliche Unterstützung. Zugleich fordere der Heilige Synod den montenegrinischen Präsidenten Milo Djukanovic und die Behörden seines Landes auf, die Verfolgung der Kirche einzustellen und alle weiteren Schritte am internationalen Recht, vor allem im Bereich von Menschenrechten und Religionsfreiheit, zu orientieren. Präsident und Regierung Montenegros müssten „durch Taten, nicht nur durch Worte“ unter Beweis stellen, dass sie ein Teil Europas und der zivilisierten Welt sein wollen.

Das Gebet der serbisch-orthodoxen Bischöfe gelte dem Frieden und der geschwisterlichen Liebe unter allen Bürgern Montenegros, gleichgültig welcher Religionsgemeinschaft, Ethnie oder politischen Partei sie angehören. Zugleich luden die Bischöfe die orthodoxen Gläubigen in Montenegro ein, weiterhin „verantwortungsbewusst und würdevoll“ für die Verteidigung der Heiligtümer und des unabdingbaren Rechtes auf freie Religionsausübung einzutreten.