Bitte um Ende der Pandemie: Vatikan, Ökumenisches Patriarchat, Weltkirchenrat vereint

Bei der Morgenmesse in der Casa Santa Marta am 14. Mai zitierte der Papst den Heiligen Franziskus: „Wir sind alle Brüder“ – „Die Pandemie kam plötzlich, wie eine Sintflut“ - Aber es gibt noch andere Pandemien wie die des Hungers und des Krieges

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Foto: © Alessandro57 (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Vatikanstadt-Konstantinopel-Genf, 14.05.20 (poi) Es war ein gemeinsamer christlicher Aufruf mit allen anderen Religionen, die den Glauben an den einen Gott bekennen: Vatikan, Ökumenisches Patriarchat, Weltkirchenrat schlossen sich am 14. Mai der Einladung des „Hohen Komitees für die Geschwisterlichkeit aller Menschen“ zu einem Tag des Gebets und der Buße an, um von Gott ein Ende der Corona-Pandemie zu erflehen. Das Komitee war in der Folge der von Papst Franziskus und Großimam Ahmed al-Tayyeb unterzeichneten Erklärung von Abu Dhabi „über Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ unter dem Vorsitz des Präsidenten des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Kardinal Miguel Angel Ayuso Guixot, errichtet worden.

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat sich von der berühmten konstantinopolitanischen Wallfahrtskirche Balukli (mit der „lebenspendenden Quelle“) aus die Einladung des „Hohen Komitees für die Geschwisterlichkeit aller Menschen“ zum Tage des Gebets und der Buße am 14. Mai um Bewahrung der Menschheit von der Pandemie zu eigen gemacht. Alle orthodoxen Christen sollten um die Überwindung der von der Pandemie ausgelösten Krise beten. Der Patriarch betonte, dass der Appell des „Hohen Komitees“ zugleich auch ein Aufruf zur Zusammenarbeit aller „in Nächstenliebe, Solidarität und gegenseitigem Respekt“ sei, sodass die „Welt nach der Corona-Krise“ eine „bessere Welt“ sein könne als jene, „in der wir bisher gelebt haben“.  So könne der „heilige Wille Gottes“ wie im Himmel „auch auf Erden geschehen“.

Papst Franziskus selbst betonte am Donnerstagmorgen bei seiner medial vielfach übertragenen Messfeier in der Kapelle der Casa Santa Marta die universale Geschwisterlichkeit der Menschen, er zitierte den Heiligen Franziskus: „Wir sind alle Brüder“. In diesem Sinn würden sich am 14. Mai Männer und Frauen unterschiedlicher religiöser Konfessionen in Gebet und Buße vereinen, „um die Gnade der Genesung von dieser Pandemie zu erflehen“.

Als Lesung hatte der Papst die Erzählung des Propheten Jona aus dem Ersten Testament gewählt, in dem geschildert wird, wie in der „heidnischen“ Stadt Ninive die Menschen auf Grund der Predigt des widerspenstigen Jona umkehren und Buße tun und so gerettet werden. In seiner Predigt sagte der Papst, „so wie Ninive gerettet wurde, beten auch wir, Brüder und Schwestern der verschiedenen religiösen Traditionen: Jeder von uns betet nach seiner Tradition, die religiösen Konfessionen beten, als Geschwister, die in diesem Augenblick des Schmerzes und der Tragödie geeint sind“. Niemand habe die Pandemie erwartet, sie sei gekommen, „ohne dass wir sie erwartet hätten“, aber jetzt sei sie da. „So viele Menschen sterben, sie sterben allein“, sagte der sichtlich betroffene Papst. Wer sich jetzt sage, dass er persönlich nicht betroffen sei, müsse an die anderen denken, an die wirtschaftlichen Konsequenzen, an die Konsequenzen im Bereich der Bildung, „an das, was kommen wird“. Deshalb müssten jetzt alle, welcher Konfession auch immer sie angehören, Gott anflehen. Wenn jetzt jemand von „religiösem Relativismus“ rede, müsse man ihn fragen, warum man nicht den Vater aller Menschen im Gebet anrufen dürfe. Es gehe nicht darum, dass eine religiöse Tradition „gegen“ die andere bete. Wörtlich stellte Papst Franziskus fest: „Wir sind geeint als menschliche Wesen, als Brüder, die gemäß ihrer Tradition, ihrer Glaubensüberzeugungen zu Gott beten, aber als Brüder. Wichtig ist, dass sie beten, fasten, Gott um Vergebung der Sünden bitten, die Barmherzigkeit des Herrn erflehen, damit Er dieser Pandemie Einhalt gebiete“. Der 14. Mai sei ein „Tag der Geschwisterlichkeit im Blick auf den einzigen Vater“.

Die Pandemie sei plötzlich gekommen, wie eine Sintflut, sagte der Papst. Jetzt erst werde man sich dessen bewusst. Aber es gebe auch so viele andere Pandemien, die so viele Opfer fordern, ohne dass sich die Menschen dessen bewusst werden: „Wir sind gleichgültig angesichts der Tragödien, die in diesem Augenblick in aller Welt geschehen“. In den ersten vier Monaten des heurigen Jahres seien 3,7 Millionen Menschen an Hunger gestorben, erinnerte der Papst. Das Gebet um die Befreiung von der Coronavirus-Pandemie müsse auch die anderen Pandemien in Erinnerung rufen. Papst Franziskus nannte beispielhaft die Pandemien des Hungers und der Kriege. Es sei wichtig, dass das „Hohe Komitee“ den Mut gehabt habe, alle zum Gebet, zur Buße und zu Akten der Nächstenliebe einzuladen. Er bete, dass Gott der Coronavirus-Epidemie Einhalt gebiete, aber auch den anderen schrecklichen Epidemien des Hungers, des Krieges, der den Kindern vorenthaltenen Bildung und Erziehung. Abschließend sagte der Papst: „Darum beten wir als Geschwister, alle gemeinsam. Möge Gott uns alle segnen und sich unserer erbarmen“.