Bosnien: Bei Begegnung zwischen Papst und Milorad Dodik wurde Wichtigkeit der Versöhnung betont

Das derzeit turnusmäßig den Vorsitz führende serbische Mitglied des bosnischen Staatspräsidiums hatte angekündigt, auch die Auseinandersetzung um die Heiligsprechung von Kardinal Stepinac zur Sprache bringen zu wollen

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Foto: © (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Vatikanstadt, 26.04.19 (poi) Die Wichtigkeit der Versöhnung zwischen den ethnisch-konfessionellen Gruppierungen in Bosnien-Herzegovina nach den blutigen Auseinandersetzungen der 1990er-Jahre betonte Papst Franziskus am Freitag im Gespräch mit Milorad Dodik, dem serbischen Mitglied des dreiköpfigen Staatspräsidiums des Balkanstaates, Dodik hat derzeit turnusmässig den Vorsitz des Staatspräsidiums inne. In der „herzlichen Begegnung“ – wie es in einer vatikanischen Erklärung hieß – wurden die „guten bilateralen Beziehungen“ zwischen dem Heiligen Stuhl und Bosnien-Hercegovina sowie die Präsenz der katholischen Kirche im Land hervorgehoben. Im Hinblick auf die Situation Bosnien-Hercegovinas seien auch die wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen besprochen worden. Bekräftigt wurde, wie wichtig der Dialog und der gegenseitige Respekt „auch im institutionellen Bereich“ seien, um Spaltungen zu überwinden und Frieden zu schaffen. Sowohl im Gespräch zwischen Papst Franziskus und Milorad Dodik als auch bei den nachfolgenden Gesprächen des derzeitigen Vorsitzenden des bosnischen Staatspräsidium mit Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin und Msgr. Antoine Camilleri, dem Vizesekretär im vatikanischen „Außenministerium“, ging es auch um die Aussichten einer Erweiterung der Europäischen Union auf dem Balkan.

Milorad Dodik ist seit einem Jahr Mitglied des dreiköpfigen bosnischen Staatspräsidiums. Zuvor war er Präsident der „Republika Srpska“, einer der beiden „Entitäten“ von Bosnien-Hercegovina. Sein Nachfolger in dieser Funktion, Zeljko Cvijanovic, war bei der Begegnung mit Papst Franziskus ebenfalls anwesend.

Im Vorfeld der Begegnung hatte Dodik angekündigt, dass er auch die umstrittene Frage der Heiligsprechung des kroatischen Kardinals Alojzije Stepinac anschneiden wolle (dem Kardinal wird von serbischer Seite Verbindung zu den Gräueltaten der kroatischen „Ustaschi“ vorgeworfen,  Bosnien war von den Deutschen dem „Ustascha“-Staat einverleibt worden, daher ereigneten sich viele der Gräueltaten auf bosnischem Territorium). Dodik teilte nach der Begegnung mit Papst Franziskus aber nur mit, er habe die Grüße des serbischen Patriarchen Irinej überbracht und dem Papst für die Einsetzung der gemischten serbisch-kroatischen Kommission zur Klärung der Vorwürfe gegen  Kardinal Stepinac gedankt (die Arbeit dieser Kommission ist allerdings bereits ohne Annäherung der Standpunkt abgeschlossen worden).

Nach Angaben Dodiks hat er Papst Franziskus  auch auf die Notwendigkeit einer Änderung der bosnischen Wahlordnung aufmerksam gemacht. Auf Grund von schwammigen Formulierungen im Gesetz wurde der kroatische Repräsentant im Staatspräsidium, Zeljko Komsic, nicht durch kroatische, sondern durch bosnisch-muslimische Stimmen gewählt, was zu schweren Verstimmungen in der kroatischen Volksgruppe führte, die auch von Kardinal Vinko Puljic entsprechend zum Ausdruck gebracht wurden.