Bulgariens Regierungschef lädt Papst Franziskus ein

Bulgarische und mazedonische Regierungsdelegationen waren heuer erstmals gemeinsam bei den Feiern zum Fest der Heiligen Slawenapostel Kyrill und Method in Rom

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Foto: © Berthold Werner (Quelle: Wikimedia, Lizenz: public domain)

Vatikanstadt, 25.05.18 (poi) Der bulgarische Ministerpräsident Bojko Borisov hat Papst Franziskus zu einem Besuch des Landes eingeladen. Borisov war mit einer großen Delegation zum traditionellen bulgarischen Besuch am Grab des Heiligen Slawenapostels Kyrill in der Basilika San Clemente nach Rom gekommen. Diese Besuche und Pilgerfahrten finden seit den 1920er Jahren alljährlich zum Kyrill-und-Method-Fest am 24. Mai statt. Am 25. Mai wurde Borisov von Papst Franziskus empfangen. Auf Facebook teilte Borisov mit, dass er den Papst nach Bulgarien eingeladen habe. In Gesprächen mit bulgarischen Journalisten deutete der Ministerpräsident an, dass Papst Franziskus die Einladung angenommen habe. Bei seiner Begegnung mit dem Papst habe er dargelegt, dass Bulgarien in den sechs Monaten seiner EU-Präsidentschaft „unermüdlich“ an der Integration der sogenannten „Westbalkan-Länder“ (insbesondere Serbien, Bosnien-Hercegovina, Montenegro, Albanien) in die Europäische Union und am „friedlichen Dialog“ in der Region arbeite, berichtete Borisov. Zugleich habe er den „tiefen Respekt“ des bulgarischen Volkes für den Papst betont. Aus vatikanischen Kreisen verlautete, dass der Bulgarien-Besuch des Papstes im Jahr 2019 erfolgen könnte – und zwar in Verbindung mit einem Besuch in Rumänien und in einem der „Westbalkan-Länder“ (vermutlich am ehesten Bosnien-Hercegovina). Voraussetzung ist freilich, dass auch eine Einladung durch die bulgarisch-orthodoxe bzw. die rumänisch-orthodoxe Kirche erfolgt.

Der Delegation des bulgarischen Regierungschefs gehörten u.a. Kulturminister Boil Banov, der Präsident der Akademie der Wissenschaften, Julian Revalski, und der in Berlin residierende Metropolit Antonij (Mihalev) an, der auch für Österreich zuständig ist. Auch römisch-katholische und muslimische Geistliche aus Bulgarien waren in der Delegation. Nach der Audienz bei Papst Franziskus führte Borisov Gespräche mit Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin.

In Rom wurde mit Interesse registriert, dass der  Rom-Besuch Borisovs gemeinsam mit dem mazedonischen Ministerpräsidenten Zoran Zaev erfolgte. In beiden Ländern ist die Verehrung der Heiligen Slawenapostel Teil des nationalen Narrativs. Auch in kommunistischer Zeit wurde die Tradition des Rom-Besuchs aufrecht erhalten, der Festtag der beiden Slawenapostel mutierte zum „Tag der slawischen Sprache und Literatur“. Auch Zoran Zaev wurde von Papst Franziskus in Audienz empfangen. Mazedonien hat politisch wegen des Staatsnamens Probleme mit Griechenland, kirchlich wird die 1967 auf Betreiben des titokommunistischen Regimes einseitig proklamierte Autokephalie der mazedonisch-orthodoxen Kirche von der Weltorthodoxie nicht anerkannt. In jüngster Zeit gab es Versuche von mazedonischer Seite, sich kirchlich wieder an die bulgarisch-orthodoxe Kirche anzulehnen, die bis 1945 Mazedonien als zu ihrem „kanonischen Territorium“ gehörig betrachtet hatte.