Chaldäischer Patriarch erhebt in Rom neuerlich die Forderung nach gleichen Bürgerrechten für die Christen

Solidaritätsveranstaltung der italienischen „Kirche in Not“-Sektion mit dem neuen Kardinal – Kaserne der Carabinieri-Kadetten erstrahlte zu Ehren der verfolgten Christen in rotem Licht wie in den letzten Jahren die Fontana di Trevi und das Kolosseum

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Foto: © Österreichisches Außenministerium (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Rom, 28.06.18 (poi) Die Forderung nach gleichen Bürgerrechten für die Christen in den Staaten des Nahen Ostens formulierte der chaldäisch-katholische Patriarch Mar Louis Raphael Sako am Mittwochabend bei einer Solidaritätsveranstaltung der italienischen Sektion von „Kirche in Not“ auf dem Gelände der Carabinieri-Kadettenschule in Rom am Viale Giulio Cesare. Der Patriarch, der am Donnerstagnachmittag von Papst Franziskus feierlich ins Kardinalskollegium aufgenommen wurde, betonte, dass die Christen im Nahen Osten einer sicheren Umgebung bedürfen, in der sie „in Würde und Freiheit“ als gleichberechtigte Bürger leben können. Es sei eine weltweit gültige offizielle muslimische Erklärung notwendig, dass „alle Menschen die gleichen Rechte haben“, die Religion dürfe im politischen Bereich keine Rolle spielen. An die internationale Öffentlichkeit appellierte der Kardinal-Patriarch, nicht nur geopolitischen oder mit dem Waffenhandel verbundenen Interessen zu folgen, sondern an das Wohl der Völker zu denken. Der von den Großmächten auf irakischem Territorium in Gang gesetzte Krieg habe nur Vernichtung gebracht, jetzt gehe es um den Dialog. Denn der Friede werde nur durch die gemeinsamen Anstrengungen aller „gegen Unwissenheit, Obskurantismus und Fanatismus“ erreichbar sein. Der Irak und Syrien und andere nahöstliche Länder hätten schon zu viele „Episoden des grausamen Krieges“ erlebt, von denen das Leben der „einfachen Bürger“ bedroht wird, die „nicht Akteure, sondern Opfer“ des Krieges sind.

Mar Louis Raphael Sako sagte am Mittwochabend in Rom aber auch, dass er in der irakischen Realität von heute „Zeichen der Hoffnung“ sehe. So gebe es den Wunsch nach einer „zivilen Regierung“, der auch von vielen jungen Muslimen geteilt werde, das Verlangen nach einer Verfassungsreform, das Verschwinden der Hasspredigten aus den Moscheen und die allgemeine Ablehnung des Extremismus der IS-Terroristen. Ein Hoffnungszeichen sei aber auch, dass die Christen im Zweistromland zunehmend ihre Verpflichtung zum politischen Engagement verstehen.

Bei der Veranstaltung auf dem Gelände der Carabinieri-Kadetten-Schule gab es ein Konzert des Carabinieri-Orchesters zu Ehren der verfolgten Christen. Zum Abschluss wurde das Kasernengebäude der Carabinieri-Kadetten in Erinnerung an das Blut der verfolgten Christen rot angestrahlt, wie es bei ähnlichen römischen Aktionen der italienischen Sektion von “Kirche in Not“ mit der Fontana di Trevi und mit dem Kolosseum geschehen war.

Der chaldäisch-katholische Patriarch würdigte den Einsatz der Carabinieri im Irak bei der Ausbildung neuer irakischer Polizeikräfte. Insbesondere erinnerte er an die Opfer der Anschläge auf italienische Carabinieri in Nassiriya ab November 2003. Zudem würdigte der Patriarch den Einsatz der Carabinieri bei der Verteidigung des Mosul-Damms am Tigris, eines der weltweit größten Staudämme, der für die Wasser- und Elektrizitätsversorgung des Irak von ausschlaggebender Bedeutung ist. Das Konzert auf dem Gelände der Kadettenschule bezeuge den Einsatz der italienischen Carabinieri für den Frieden, für die Verteidigung so vieler schuldloser Menschen im Irak und in anderen Weltgegenden, sagte Mar Louis Raphael Sako. Mit dem chaldäisch-katholischen Patriarchen war auch ein weiterer künftiger Kardinal aus einem islamisch dominierten Land anwesend: der Erzbischof von Karachi, Joseph Coutts.