Chaldäischer Patriarch lehnt Idee eines christlichen Kleinstaats in der Ninive-Ebene neuerlich ab

„Es ist für die Christen nicht wünschenswert, sich hinter konfessionellen Milizen zu verschanzen“

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Foto: © Fredarch (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Bagdad, 31.08.18 (poi) Der chaldäisch-katholische Kardinal-Patriarch Mar Louis Raphael Sako hat neuerlich betont, dass seine Kirche keine christliche „Enklave“ in der Ninive-Ebene wünscht. In einem Interview mit der in London erscheinenden arabischsprachigen Tageszeitung „Asharq al-Awsat“ betonte Sako: „Wir sind Teil des Irak, wir wollen keine Teilung oder die Schaffung von Verwaltungsgebieten auf Basis des Religionsbekenntnisses der Bewohner“. In dem Interview bekräftigte der Patriarch, dass es seiner Meinung nach „für irakische Christen nicht wünschenswert ist, sich hinter konfessionellen Milizen zu verschanzen“ oder sich auf die Stärke ausländischer bewaffneter Einheiten zu verlassen. Zweifellos bleibe der Zustand der christlichen Gemeinden im Irak schwierig, es gebe vielfältige Phänomene der politischen und sozialen Ausgrenzung. Trotzdem gelte: „Migration ist nicht die Lösung, und der Westen ist kein Paradies“.

Die Provinz Ninive mit ihren vielen christlich geprägten Kleinstädten und Dörfern war von den IS-Terroristen im Sommer 2014 erobert worden. Zehntausende Christen mussten fliehen und fanden Zuflucht in der autonomen kurdischen Region des Irak. Im Mai 2017 hatten zwei Erzbischöfe von Mosul, Youhanna Bedros Mouche (syrisch-katholisch) und Mor Nikodemos Dawood Sharaf (syrisch-orthodox) – zusammen mit dem syrisch-orthodoxen Erzbischof von Mor Matta, Mor Timotheos Moussa Shamany – in einer gemeinsamen Erklärung die regionalen und nationalen Behörden und die internationalen Organisationen aufgefordert, die Ninive-Ebene in einen autonomen Bezirk zu verwandeln und unter den Schutz der Vereinten Nationen zu stellen, um sie vor Konflikten und Streitigkeiten zu schützen und die Rechte der Christen zu garantieren. Die Bischöfe forderten auch das Recht auf Selbstverwaltung für die christlichen Gemeinschaften der Ninive-Ebene. Wenig später erklärte das chaldäische Patriarchat ausdrücklich, die chaldäische Kirche schließe sich der Erklärung der drei Bischöfe nicht an.

Die Idee eines christlichen Kleinstaats in der Ninive-Ebene wird vor allem in der sogenannten „Assyrischen Nationalbewegung“, die sich auf die Diasporagemeinden der Apostolischen Kirche des Ostens (assyrisch-orthodoxe Kirche) stützt, seit Jahrzehnten verfochten. Die chaldäische Kirche lehnte diese Idee immer ab, weil dies einerseits eine „Ghettoisierung“ des Christentums im Irak bedeuten würde und andererseits ein Kleinstaat in der Ninive-Ebene gegen militärischen Druck von außen nicht zu verteidigen wäre.