Chaldäischer Patriarch will mit christlichen Politikern über die Zukunft der Kirche im Irak beraten

Bei dem Treffen solle es um die bevorstehenden Wahlen, die Veränderung des demografischen Gleichgewichts in der Ninive-Ebene, die anhaltende Migrationsbewegung der Christen und die mangelhafte Darstellung der religiösen Vielfalt in den Schulbüchern gehen

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Foto: © Österreichisches Außenministerium (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Bagdad, 21.06.20 (poi) Der chaldäisch-katholische Patriarch, Kardinal Mar Louis Raphael Sako, will bei einem „außerordentlichen Treffen“ mit Repräsentanten christlicher Parteien und Organisationen des Landes über die Zukunft der christlichen Gemeinschaften im Irak beraten. Dies berichtet die katholische Nachrichtenagentur „Fides“. Es werde dabei um die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Krisen gehen, durch die die christliche Präsenz im Irak gefährdet ist. In einer offiziellen Verlautbarung des Patriarchats nannte Mar Louis Raphael Sako einige vordringliche Themen: Die bevorstehenden Wahlen (einschließlich der mitunter unklaren Besetzung der den Christen vorbehaltenen Sitze), die Veränderung des demografischen Gleichgewichts in der Ninive-Ebene (vor allem durch das Einströmen von Angehörigen der Schabaki-Gemeinschaft), die nach wie vor anhaltende Migrationsbewegung der Christen. Auf der Tagesordnung des Treffens sollte auch das Gesetz zum Personenstatus stehen, da es auf dessen Grundlage im Irak nach wie vor zur Diskriminierung von Christen kommt. Der Kardinal-Patriarch zitierte auch Schulbücher, in denen die religiöse Vielfalt des Irak ausgeklammert wird.

In den kommenden Tagen werden sich die verschiedenen politischen und sozialen Organisationen mit christlichem Hintergrund voraussichtlich zum Vorschlag des chaldäisch-katholischen Patriarchen äußern. In der Vergangenheit war es immer wieder zur kontroversen Debatten gekommen, bei denen christlicher Politiker die Initiativen des chaldäischen Patriarchats als Ausdruck von „exzessivem Aktivismus im politischen Bereich“ bezeichneten. Im vergangenen November wurde zum Beispiel das Treffen des Kardinal-Patriarchen mit den Demonstranten kritisiert, die wochenlang auf der Straße ihre Unzufriedenheit gegen die irakische Regierung und die politischen Institutionen zum Ausdruck brachten. Das Patriarchat wies danach „irreführende Darstellungen“ dieser Begegnung in den großen und den sozialen Medien zurück. Mar Louis Raphael Sako bekräftigte seinen Wunsch, alle Komponenten der Gesellschaft zu unterstützen, die zur Förderung einer authentischen Rechtsstaatlichkeit im Irak beitragen können.