„Christen im Irak wollen gleiche Bürgerrechte“

Früherer Nuntius in Bagdad, Kardinal Filoni, betont die seit jeher „mäßigende Rolle“ der Christen im Zweistromland

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Foto: © DoD photo by Navy Petty Officer 2nd Class Dominique A. Pineiro (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain)

Vatikanstadt-Bagdad, 07.08.19 (poi) Der frühere Apostolische Nuntius in Bagdad (und jetzige Präfekt der vatikanischen Missionskongregation), Kardinal Fernando Filoni, hat betont, dass der chaldäisch-katholische Kardinal-Patriarch Mar Louis Raphael Sako für den Irak einen Weg sucht, der den Christen ihre Bürgerrechte garantiert. Das sei aber „angesichts der Kultur und Mentalität im Zweistromland nicht einfach“, sagte Kardinal Filoni im Gespräch mit „Vatican News“. Es gehe um mehr als bloß Zugeständnisse und Toleranz, sondern um wirkliche Gerechtigkeit: „Das Recht aller, der Minderheiten und Mehrheiten gleichermaßen, in ihrem eigenen Land zu leben und ihre staatsbürgerlichen, aber auch religiösen Freiheiten garantiert zu bekommen“.

Die Christen hätten im Irak seit jeher eine mäßigende Rolle gehabt, so Kardinal Filoni, der auf Grund seiner langen diplomatischen Tätigkeit in Bagdad ein profunder Kenner der irakischen Verhältnisse ist: „Ich kann sagen, dass die Christen, auch wenn sie auf verschiedene Weise und zu verschiedenen Zeiten hart verfolgt wurden, immer eine sehr offene Haltung der Vergebung, der Versöhnung, des guten Zusammenlebens hatten. Sie praktizieren diese Realität seit Jahrhunderten, und aus diesem Grund vergesse ich nie, wenn Muslime selbst manchmal zu Christen sagten: ,ihr seid unser Element der Mäßigung. Geht nicht weg´. Leider gibt es und gab es einen Exodus.“

Die Rückkehr der Christen namentlich in die Ninive-Ebene, von wo sei von den IS-Terroristen mit blutiger Gewalt vor genau fünf Jahren vertrieben wurden, gehe „sehr langsam“ vonstatten, bestätigte Filoni: „Wenn es keine nationalen und internationalen gesetzlichen Garantien für ein würdiges und freies Leben gibt, ist es für diejenigen, die weggegangen sind, schwierig, zurückzukehren“. Auch werfe der Wiederaufbau viele Fragen auf: „Wie soll der Wiederaufbau geschehen?  Mit neuen Wegen? Sie können ein Haus, ein Gebäude, einen Platz wieder aufbauen, aber können Sie auch das menschliche Gewebe wieder aufbauen, das bis vor ein paar Jahren in diesem Gebiet lebendig war?“ Dieser humane Aspekt bleibe die große Herausforderung. Die irakischen Christen hätten sich ihrer Heimat immer sehr verbunden gefühlt, sie bräuchten für eine Rückkehr aber die notwendigen zivilen, nationalen und internationalen Bedingungen.