Christliche Jugend im Heiligen Land braucht „prophetischen Ansatz“

Melkitischer Erzbischof von Haifa hat hohe Erwartungen an die Bischofssynode zum Thema Jugend

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Foto: © Almog (Quelle: Wikimedia; Lizenz: public domain)

Vatikanstadt-Jerusalem, 04.10.18 (poi) Die schwierige Situation der christlichen Jugend im Heiligen Land verlange nach einem „prophetischen“ Ansatz, stellte der melkitische griechisch-katholische Erzbischof von Haifa, George Wadih Bacouni, im Hinblick auf die Bischofssynode zum Thema Jugend in einem Interview mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR fest. Entscheidend sei, auf die Jugend zuzugehen; „es genügt nicht mehr, in den Kirchen oder in unseren Büros darauf zu warten, dass die Jugendlichen kommen“, stellte der Erzbischof fest, der selbst an der Bischofssynode teilnimmt. Die jungen Christen im Heiligen Land seien durch den israelisch-palästinensischen Konflikt zutiefst in Mitleidenschaft gezogen, „durch die Gewalt und durch die politische, soziale und wirtschaftliche Instabilität“. Daher gebe es viele junge Christen, die in „sichereren und stabileren Ländern eine bessere Zukunft suchen“. Die Kirche versuche in jeder Weise, den jungen Leuten zu helfen, damit sie in der Heimat bleiben können. Aber die Christen seien im Heiligen Land eine Minorität, „wir haben keine politischen Repräsentanten, wir haben nicht die selben Rechte wie die anderen, wir sind ohne Einfluss und haben kein großes Gewicht in der Gesellschaft“.

Aber die Fragen von Emigration, Arbeitsplatz, Familiengründung seien nicht die einzigen Herausforderungen für die christlichen Jugendlichen im Heiligen Land, betonte Bacouni. Es gehe auch um die Fragen des Glaubens. „Auch bei uns entfernen sich die neuen Generationen von der Kirche“, bedauerte der melkitische Erzbischof: „Den jungen Leuten das Evangelium nahezubringen, gehört zu den schwierigsten Herausforderungen für die Kirchen im Heiligen Land. Viele junge Christen werden vom säkularen Denken angezogen, wie im Westen“. Bei den jungen Leuten nehme die Frequenz des Gottesdienstbesuchs auch im Heiligen Land ab, sagte der Erzbischof. Bei den Studenten sei das auch darauf zurückzuführen, dass die Universitäten am Sonntag in Betrieb sind.

Es gebe aber auch Hoffnungszeichen, so Bacouni. Dazu gehörten insbesondere jene jungen Christen, die statt zu emigrieren im Land bleiben, um für das Evangelium Zeugnis abzulegen: „Sie haben keine Furcht, sich zum christlichen Glauben zu bekennen“. Diese jungen Christen seien auch sehr verbunden mit ihren Glaubensgeschwistern in Syrien und im Irak, die in der Auseinandersetzung mit dem Islamismus schwere Verfolgungen zu erleiden hatten. Seine Kirche habe viele geistliche Berufungen, vor allem in Jordanien, berichtete der melkitische Erzbischof. Erfreulich sei auch, dass in Israel an den Universitäten christliche Studenten-Gebetsgruppen entstehen. Es gebe seit einigen Jahren auch Studentenmessen.

Bacouni erhofft sich von der Bischofssynode Impulse, die den jungen Christen im Heiligen Land helfen, in einer jüdisch oder muslimisch geprägten Umwelt ihre Identität zu stärken: „Sie wollen mit den jüdischen und muslimischen Jugendlichen zusammenleben und zusammenarbeiten“.