Der Heilige Irenäus soll zum „Kirchenvater der Einheit der Kirche“ proklamiert werden

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Paris, 11.01.18 (poi) Der Erzbischof von Lyon (und Primas von Gallien), Kardinal Philippe Barbarin, hat einem Bericht des französischen Nachrichtenportals „Infocatho“ zufolge Papst Franziskus gebeten, den Heiligen Irenäus von Lyon feierlich zum „Kirchenvater der Einheit der Kirche“ zu erheben. Papst Franziskus habe in einem Brief vom 4. Januar sein prinzipielles Einverständnis erklärt, aber zugleich verlangt, dass die französischen Bischöfe und die Rektoren der theologischen Universitätsinstitute dem Vorschlag von Kardinal Barbarin beitreten müssten.

Der Heilige Irenäus  war von 177 bis 202 Bischof von Lyon. Die Einheit der Kirche war ihm ein großes Anliegen, u.a. trat er beim Papst dafür ein, dass jene Gemeinschaften, die Ostern zu einem anderen Termin als die Kirche von Rom feierten, nicht exkommuniziert wurden. Irenäus war ein Schüler des Heiligen Polykarp von Smyrna, vermutlich stammte er selbst aus Kleinasien. Als Nachfolger des als Märtyrer gestorbenen Heiligen Pothinus wurde er Bischof von Lyon, damals die bedeutendste Metropole des römischen Gallien.

Die große Sorge des Heiligen Irenäus war die Ausbreitung der Lehren der Gnostiker, die die Menschwerdung des Wortes Gottes in Jesus Christus leugneten. Der Heilige studierte aufmerksam die Lehren der Gnostiker, führte viele Glaubensgespräche, las unermüdlich. Auf der Basis seiner gründlichen Kenntnis der Auffassungen der Häretiker verfasste er das Werk  „Ad­ver­sus hae­re­ses“ (Gegen die Irr­leh­ren), um die esoterischen Auffassungen zurückzuweisen. Ire­nä­us stell­te die Kir­che in ihrer Ur­sprüng­lich­keit, Uni­ver­sa­li­tät und Ei­nig­keit gegen die Irr­leh­ren, die von Ab­wei­chung und Zer­split­te­rung ge­prägt seien. Er un­ter­strich die Le­gi­ti­mi­tät der Kir­che durch die apos­to­li­sche Suk­zes­si­on der Bi­schö­fe und durch das Fest­hal­ten an den ein­zig ma­ss­geb­li­chen Schrif­ten des Alten Tes­ta­ments und des Neuen Tes­ta­men­ts als „Kanon der Wahr­heit“. Gegen gnos­ti­sche Vor­stel­lun­gen be­tonte er den Glau­ben an den ein­zi­gen Gott und Schöp­fer, die Be­ja­hung des Le­bens in der Welt, die Be­deu­tung der Ethik, die Er­war­tung der Wie­der­kunft Chris­ti, die Sünde Adams sah er durch die Menschwerdung Christi aufgehoben. Bis heute ist die Theologie der orthodoxen Kirche stark von den Ideen des Heiligen Irenäus geprägt.

In der Auseinandersetzung vergaß der Heilige nie, dass sein Name „der Friedfertige“ bedeutete. In der Folge wurde „irenisch“ zu einem stehenden Begriff für friedvolles Verhalten in schwierigen intellektuellen und politischen Auseinandersetzungen. Seine Werke waren von Weisheit, Liebe und Treue zur apostolischen Tradition gekennzeichnet.