Der Libanon feierte am Montag Mariä Verkündigung als nationales Fest

Die christlich-islamische Initiative begann im Jahr 2007, ein islamischer Rechtsgelehrter – und damaliger Sekretär des Großmufti – war der Initiator

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Foto: © Vladanr (Quelle: Wikimedia, Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Beirut, 25.03.19 (poi) Im Libanon wurde am Montag das Fest Mariä Verkündigung (Verkündigung des Herrn) – wie jedes Jahr seit 2010 – als nationales Fest begangen. Der sunnitische Scheich Mohammed Noccari, auf den die Initiative zurückgeht, dass Christen und Muslime gemeinsam dieses Fest feiern sollten, sagte im Gespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur „Fides“ , anfangs habe es in den Religionsgemeinschaften vereinzelt Widerstand gegeben, weil Theologen Synkretismus (Religionsvermischung) befürchteten. Aber bald sei klar geworden, dass Christen und Muslime jeweils nach eigener Tradition Maria verehren. Die einzigen, die sich noch ablehnend verhalten, seien salafistische und wahabitische Gruppen. Die Politiker hingegen hätten die Bedeutung der von Christen und Muslimen hochgehaltenen Verehrung Mariens für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die nationale Einheit des Libanon sofort verstanden.

Im „Fides“-Interview schilderte der Scheich, der heute als Professor für islamisches Recht in Beirut, Dubai und Straßburg tätig ist, wie er durch Alltagserlebnisse und nicht durch akademische Überlegungen zu seiner Initiative kam: „Meine Frau ist eine französische Katholikin, wir hatten in der Wohnung eine schöne Marienstatue, ein Verwandter hat bei jedem Besuch versucht, die Statue zu beschädigen oder zu zerstören“. Diese familiären Zwischenfälle hätten dazu beigetragen, sein Interesse für die Christen und Muslimen gemeinsame Marienverehrung zu vertiefen. Noccari sprach mit dem Jesuitenpater Louis Boisset in Lyon. Gemeinsam gelangten sie zur Überzeugung, dass es keine lehrmäßigen Hindernisse für die Initiative eines zum Nationalfeiertag proklamierten Marienfestes gebe. Ursprünglich hätten P. Boisset und er an den Marienfeiertag am 8. Dezember gedacht, aber dann habe man davon Abstand genommen, weil die orthodoxen Christen das Dogma der ohne Makel der Erbsünde empfangenen Jungfrau Maria nicht kennen. Daher sei die Wahl auf den 25. März – Mariä Verkündigung – gefallen. Der Bericht über die Verkündigung des Engels an Maria steht im Koran ebenso wie im Evangelium, Maria ist die einzige Frau, die im Koran namentlich Erwähnung findet und zwar 34 Mal (in den Evangelien erscheint der Name Mariens 19 Mal).

Die erste christlich-islamische Feier des Festes Mariä Verkündigung fand 2007 im traditionsreichen libanesischen Marienheiligtum Jamhour statt. Die Politik war beeindruckt, der damalige Ministerpräsident Saad Hariri (der auch jetzt wieder Regierungschef ist) proklamierte den 25. März zum Nationalfeiertag. Prof. Noccari,  der damals Sekretär des Großmuftis war, musste allerdings den Hut nehmen. Die Initiative, die Mutter Jesu gemeinsam zu ehren, hatte zu Spannungen geführt, die Noccari zur Demission veranlassten.

Die Initiative hat sich aber mittlerweile auch in andere Länder verbreitet, u.a. nach Frankreich, Kanada, Spanien und Brasilien. Auch in Jordanien gibt es Bestrebungen, den 25. März zum nationalen Feiertag zu machen. Ministerpräsident Hariri möchte ein Zentrum errichten, wo das christlich-islamische Nationalfest Mariä Verkündigung würdig begangen werden kann. An die UNO soll der Vorschlag herangetragen werden, den 25. März zum Welttag des christlich-islamischen Dialogs zu erklären.

Nach Ansicht von Mohammed Noccari hat sich der christlich-islamische Dialog in den letzten 15 Jahren gefestigt und intensiviert. Das in Abu Dhabi von Papst Franziskus und dem Großimam von Al-Azhar unterzeichnete Dokument über die menschliche Brüderlichkeit sei auch eine Frucht dieses Dialogs. Seit dieses Dokument publiziert wurde, würden jede Woche Gruppen von Christen und Muslimen zusammentreten, um gemeinsam die Inhalte zu studieren. Auch in den muslimischen Gemeinschaften gebe es eine bemerkenswerte Evolution: „Man beginnt zu verstehen, dass die Anerkennung der Rechte und der Würde der Frau auch die Predigt und die religiöse Praxis betreffen“.