„Der theologische Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche ist erfolgreich“

Erzbischof Job (Getcha), der orthodoxe Ko-Vorsitzende der Dialogkommission, weist Spekulationen in der „Blogosphäre“ über das Scheitern des Dialogs zurück

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Foto: © Manolis Pagalos (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication)

Genf-Turin, 01.12.19 (poi) Der offizielle theologische Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche ist „erfolgreich“: Dies betont der Repräsentant des Ökumenischen Patriarchats beim Weltkirchenrat in Genf, Erzbischof Job (Getcha), in der am ersten Adventsonntag erschienenen neuesten Ausgabe des Newsletters der Repräsentanz. Erzbischof Job nimmt Bezug auf das jüngste Treffen des Koordinierungskomitees der internationalen Kommission für den offiziellen Dialog (11. bis 15. November im Kloster Bose im Piemont) und weist zugleich Spekulationen in der „Blogosphäre“ über das Scheitern des Dialogs zurück. Im Kloster Bose hatte das Koordinierungskomitee eine revidierte Fassung der Erklärung über „Primat und Synodalität im Zweiten Jahrtausend und heute“ diskutiert, im kommenden Jahr soll die Diskussion (vermutlich wieder in Bose) fortgesetzt werden.

In seiner Stellungnahme erinnert Erzbischof Job daran, dass der 1980 begonnene „bedeutungsvolle“ bilaterale katholisch-orthodoxe Dialog einen wesentlichen Beitrag zur Klärung theologischer Dispute der Vergangenheit geleistet habe. Es habe bisher 14 Plenarversammlungen der Dialogkommission gegeben (die je 30 katholische bzw. orthodoxe Mitglieder hat). Sechs Konsensdokumente seien bisher veröffentlicht worden: „Das Mysterium der Kirche und der Eucharistie im Licht des Mysteriums der Heiligen Dreifaltigkeit“ (München 1982), „Glaube, Sakramente und die Einheit der Kirche“ (Bari 1987), „Das Weihesakrament in der sakramentalen Struktur der Kirche mit besonderer Berücksichtigung der Bedeutung der Apostolischen Sukzession“ (Uusi Valamo 1988), „Der Uniatismus: Eine Methode der Vergangenheit und die gegenwärtige Suche nach voller Gemeinschaft“ (Balamand 1993), „Kirchliche Gemeinschaft, Konziliarität und Autorität“ (Ravenna 2007) und „Synodalität und Primat im Ersten Jahrtausend“ (Chieti 2016). Diese Dokumente hätten in einer logischen Ordnung theologische Fragen analysiert, die entweder Grund von Spaltung waren oder Fundament einer Wiederherstellung der Gemeinschaft sein können.

Nach Chieti sei das Koordinierungskomitee im September 2017 auf Leros zusammengetreten. Dort sei entschieden worden, dass sich die internationale Kommission auf das Thema „Auf dem Weg zur Einheit im Glauben: Theologische und kirchenrechtliche Fragen“ konzentrieren sollte. Die Ausarbeitung eines Dokuments mit diesem Titel sei einer Subkommission anvertraut worden. Außerdem habe man sich auf Leros für die Ausarbeitung eines Folgedokuments zur Chieti-Erklärung unter dem Titel „Primat und Synodalität im Zweiten Jahrtausend und heute“ entschieden. Auch mit der Ausarbeitung dieses Entwurfs wurde eine Subkommission beauftragt. Beide Subkommissionen hätten im Jahr 2018 regelmäßig getagt, betont Erzbischof Job.

Im November 2018 habe dann das Koordinierungskomitee in Bose getagt und sich zunächst mit dem Entwurf „Primat und Synodalität im Zweiten Jahrtausend“ auseinander gesetzt. Die Änderungswünsche wurden einer paritätisch zusammengesetzten vierköpfigen Redaktionsgruppe anvertraut. Dieser Entwurf wurde im heurigen November wieder in Bose ausführlich diskutiert. Dabei seien neuerlich Änderungswünsche eingebracht worden, um das Dokument „kürzer und straffer“ zu machen. Aus Zeitmangel sei der andere Entwurf für das Dokument „Auf dem Weg zur Einheit im Glauben“ in Bose weder 2018 noch 2019 zur Sprache gekommen. Das werde aber beim bereits vereinbarten nächsten Bose-Treffen 2020 geschehen. Erzbischof Job deutet an, dass eine Vollversammlung der internationalen Kommission im Jahr 2021 denkbar sei, um „beide Entwürfe oder wenigsten einen“ zu verabschieden.

In seinem „Leitartikel“ für den Newsletter betont Erzbischof Job (der orthodoxer Ko-Präsident der internationalen Dialogkommission ist), dass die Kommission in einem „positiven und konstruktiven“ Geist arbeite. Der von der Kommission in Gang gesetzte theologische Dialog sei „erfolgreich und bedeutungsvoll“. Es handle sich um eine „ernsthafte und genaue“ Arbeit, die Zeit brauche. Die Mitglieder seien kompetente Theologen und seriöse Repräsentanten der Kirchen. Die Arbeit der Kommission solle respektiert werden, „was auch immer im Web darüber gesagt wird“.

Im „Newsletter“ nimmt Erzbischof Job keinen Bezug auf die Frage der Beteiligung der russisch-orthodoxen Kirche an der Dialogkommission. Bekanntlich hatte der Heilige Synod des Moskauer Patriarchats im Zug der Ukraine-Krise beschlossen, dass sich die russische Kirche aus allen Gremien zurückziehen werde, in denen ein Repräsentant Konstantinopels den Vorsitz oder den stellvertretenden Vorsitz innehat.