Deutsche orthodoxe Bischofskonferenz: Keine Lösung mit den russischen Mitgliedern

Erzbischof Mark und Erzbischof Tichon hatten „offene Briefe“ an ihre Mitbrüder gerichtet – Vorschläge standen aber im Gegensatz zu den Beschlüssen der IV. Panorthodoxen Konferenz – Der Konferenz-Vorsitzende, Metropolit Augoustinos, bezeichnete sie als „anachronistisch, ekklesiologisch utopisch und praktisch nicht durchführbar“

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Foto: © Чръный человек (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Berlin, 25.03.19 (poi) Die Orthodoxe Bischofskonferenz von Deutschland (OBKD) hat sich bei ihrer jüngsten Vollversammlung ausführlich mit den „offenen Briefen“ zweier ihrer russisch-orthodoxen Mitglieder – Erzbischof Mark (Arndt) und Erzbischof Tichon (Zaitsew) – befasst. Entsprechend dem Beschluss des Heiligen Synods des Moskauer Patriarchats nehmen die beiden Erzbischöfe nicht mehr an den Sitzungen der Bischofskonferenz teil, da der Vorsitzende, Metropolit Augoustinos (Labardakis), ein Hierarch des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel ist. In ihrer Antwort an Erzbischof Mark und Erzbischof Tichon hat die OBKD die „offenen Briefe“ der beiden russisch-orthodoxen Hierarchen als „Plädoyer für die weitere Existenz und die Fortsetzung der Arbeit der Orthodoxen Bischofskonferenz“ bewertet. Allerdings stelle die insbesondere von Erzbischof Tichon vorgeschlagene Neuordnung im Vorsitz – Rotation oder Wahl – „eine Änderung des panorthodoxen Beschlusses zur Gründung und der Organisation der orthodoxen Bischofskonferenzen in der Diaspora“ dar und könne deshalb nur panorthodox beschlossen werden. Dies übersteige die Kompetenzen der OBKD. Gleichzeitig lud die OBKD die beiden russischen Bischöfe zu einem „informellen Gespräch über die weitere Zusammenarbeit“ ein.

Am Tag vor der Vollversammlung der OBKD, die am 23. März in Düsseldorf am Sitz der serbisch-orthodoxen Diözese stattfand, hatte Metropolit Augoustinos eine Erklärung zu den „offenen Briefen“ der beiden russisch-orthodoxen Erzbischöfe abgegeben. Darin nahm er auch auf die von den beiden Erzbischöfen formulierten Vorschläge für veränderte Strukturen der panorthodoxen Zusammenarbeit, zB ein Rotations- oder Wahlprinzip beim Vorsitz der Bischofskonferenz Bezug und stellte fest, dass „die Orthodoxe Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD) – ebenso wie die übrigen elf weltweit existierenden Gremien dieser Art – nicht unsere eigene Erfindung und auch kein willkürlich eingesetztes Organ des Ökumenischen Patriarchates von Konstantinopel ist“. Sie sei vielmehr das Resultat eines „2009 gemeinsam gefassten Beschlusses der IV. Panorthodoxen Konferenz in Chambesy“. Gemeinsam und einstimmig hätten damals die autokephalen Kirchen die Gründung dieser Bischofskonferenzen in der Diaspora beschlossen. Hinter diesen Beschluss könne man nicht zurück. Metropolit Augoustinos wörtlich: „Deshalb sind die nun gemachten Vorschläge prinzipiell anachronistisch, ekklesiologisch utopisch und darüber hinaus auch praktisch nicht durchführbar“.

Trotzdem werde das panorthodoxe Engagement – ebenso wie das ökumenische Miteinander – weiterhin im Mittelpunkt des Handelns der Metropolie Konstantinopels in Deutschland und der orthodoxen Bischofskonferenz stehen: „Dies werden wir mit Phantasie und Kreativität realisieren. In der Einheit und für diese Einheit schlägt unser Herz“. So verstehe er im Grunde auch die Appelle seiner russischen Amtsbrüder, so der Metropolit. Er ermutige deshalb alle orthodoxen Bischöfe in Deutschland, alle Geistlichen und jeden einzelnen orthodoxen Christen zur

Weiterführung und Stärkung der orthodoxen Zusammenarbeit.

In einem Detail der Erklärung wurde sichtbar, dass die „Wunde“ des Konzils von Kreta nach wie vor brisant ist. Metropolit Augoustinos schrieb, es sei nicht hilfreich, wenn die russischen Bischöfe jetzt die orthodoxen Bischofskonferenzen in der Diaspora verlassen, um dann im Anschluss zu erklären, die Bischofskonferenz könne nicht mehr als solche bezeichnet werden oder tätig sein, da ja die vorgeschriebene Einstimmigkeit nicht mehr vorhanden sei. Dies erinnere „an das Verhalten des Moskauer Patriarchats im Jahr 2016, als es das gemeinsam beschlossene und jahrzehntelang gemeinsam vorbereitete Heilige und Große Konzil der orthodoxen Kirche in Kreta plötzlich boykottierte und dann erklärte, es habe sich gar nicht um ein Konzil gehandelt, da ja nicht alle Patriarchate anwesend gewesen seien“.

Auf die Sorgen der beiden russisch-orthodoxen Erzbischöfe um die konkrete Situation der von Metropolit Onufrij geleiteten ukrainisch-orthodoxen Kirche ging Metropolit Augoustinos nicht ein, betonte aber seine „unerschütterliche Auffassung“, dass das zweitgrößte Land Europas „das Recht auf eine eigene kirchliche Struktur hat, auch wenn dies in Moskau nicht gesehen wird“.