Die Armenisch-katholische Kirche hat ein neues Oberhaupt

Bischofssynode in Rom wählte Erzbischof Raphael Francois Minassian zum neuen Patriarchen – Er wird künftig den Namen Raphael Bedros XXI. tragen

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Foto: © Scio (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Rom, 23.09.21 (poi) Die Armenisch-katholische Kirche hat ein neues Oberhaupt: Wie der Vatikan am Donnerstag mitteilte, wählte die in Rom tagende Synode der armenisch-katholischen Bischöfe Erzbischof Raphael Francois Minassian (74) zum neuen Patriarchen. Künftig wird er den Namen Raphael Bedros XXI. tragen. Der im Libanon geborene Minassian war als Erzbischof zuletzt für die armenisch-katholischen Gläubigen in Osteuropa zuständig.

Die Synode in Rom war von Papst Franziskus einberufen worden. Zuvor hatten sich die armenisch-katholischen Bischöfe bei einer Sitzung im Juni am Patriarchatssitz Bzommar nahe Beirut nicht auf einen Nachfolger für den im Mai verstorbenen Patriarchen Krikor Bedros XX. Ghabrojan einigen können.

Minassian wurde am 24. Oktober 1946 in Beirut geboren. Er studierte ab 1966 am libanesischen Priesterseminar in Rom und wurde 1973 zum Ordenspriester der Patriarchal-Kongregation von Bzommar geweiht. Von 1996 bis 2006 war er Pfarrer der armenisch-katholischen Gemeinde in Kalifornien. Am 26. September 2005 wurde Minassian zum Patriarchalexarch von Jerusalem und Amman ernannt. Dieses Amt hatte er bis 2011 inne.

Mit der Ernennung zum Ordinarius für die armenisch-katholischen Gläubigen in Osteuropa am 24. Juni 2011 erfolgte auch die Ernennung zum Titularerzbischof von Caesarea in Kappadozien der Armenier. Patriarch Nerses Bedros XIX. spendete ihm am 16. Juli 2011 die Bischofsweihe. Erzbischof Minassian hatte seinen Amtssitz in der armenischen Hauptstadt Jerewan.

Zur Armenisch-katholischen Kirche bekennen sich heute rund 470.000 Gläubige weltweit, darunter rund 325.000 in Armenien selbst. Der Rest ist über die ganze Welt verstreut.

 

Kleine Kirche, großes kulturelles Erbe

Die Armenisch-apostolische Kirche ist eine eigenständige orientalisch-orthodoxe Kirche und kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Armenien war das erste Land der Welt, das 301 das Christentum als Staatsreligion einführte. Die Geschichte der Armenisch-katholischen Kirche ist wesentlich kürzer und beginnt im 18. Jahrhundert. Nachdem Armenier Ende des 11. Jahrhunderts ein eigenes Königreich in Kilikien an der Mittelmeerküste gegründet hatten, kam es immer wieder zu intensiveren Kontakten mit der Römisch-katholischen Kirche.

Schon zur Zeit der Kreuzzüge gab es mehrere letztlich gescheiterte Versuche einer Union. Erst um 1740 gingen vier armenisch-apostolische Bischöfe eine Union mit Rom ein. Einer von ihnen wurde zum ersten Patriarchen der Armenisch-katholischen Kirche gewählt und vom Papst bestätigt. Viele katholische Armenierinnen und Armenier wurden Anfang des 20. Jahrhunderts ebenso wie zahlreiche andere Christinnen und Christen Opfer des Völkermordes im Osmanischen Reich. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Armenisch-katholische Kirche reorganisiert und das Patriarchat in Beirut errichtet.

Eine besondere Rolle in dieser kleinen Kirche spielt bis heute der armenisch-katholische Mechitaristenorden, der 1701 – und damit rund 40 Jahre vor der offiziellen Union mit Rom – von Mechitar von Sebaste in Konstantinopel gegründet wurde. Der Orden hat sich um die Bewahrung und Weiterentwicklung der armenischen (und generell der christlich-orientalischen) Kultur große Verdienste erworben. So haben die Mechitaristen in Venedig und in Wien u.a. unzählige Bücher in orientalischen Sprachen gedruckt. Bis heute existiert im Mechitaristenkloster in Wien eine umfangreiche Bibliothek. Die Wiener Niederlassung gilt als bedeutendes Zentrum armenischer Kultur in Mitteleuropa. In Österreich gehören der armenisch-katholischen Kirche schätzungsweise 500 Gläubige an.