„Die orthodoxe Kirche bewahrt ihre Einheit“ FOTOGALERIE

Neuer russisch-orthodoxer Erzbischof Antonij bei der Feier zum „Sonntag der Orthodoxie“ in der griechisch-orthodoxen Dreifaltigkeitskathedrale in Wien

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Wien, 26.02.18 (poi) Die orthodoxe Kirche habe Zeiten der Verfolgung erlebt, auch Irrwege, „aber sie bewahrt ihre Einheit“: Dies betonte der neue russisch-orthodoxe Erzbischof in Wien, Antonij (Sewrjuk), der am Sonntagabend auf Einladung von Metropolit Arsenios (Kardamakis) in der griechisch-orthodoxen Dreifaltigkeitskathedrale am Fleischmarkt die Panorthodoxe Vesper am „Sonntag der Orthodoxie“ leitete. Ausdruck der Einheit der orthodoxen Kirche sei die im Glaubensbekenntnis proklamierte Einheit des Glaubens und die Einheit am Altar, wenn „Priester aus verschiedenen Nationen mit unterschiedlichen Sprachen konzelebrieren, aber eine einzige orthodoxe Sprache sprechen“, betonte Erzbischof Antonij. Er versicherte, dass er alles tun werde, um mit den Repräsentanten der anderen orthodoxen Kirchen das gemeinsame Zeugnis der Orthodoxie in Österreich sichtbar und hörbar zu machen. An Metropolit Arsenios gewandt, sagte der russisch-orthodoxe Erzbischof: „Sie haben mich als Freund, als Bruder aufgenommen. Sie haben mir heute in Ihrer Kathedrale die Gastfreundschaft Abrahams erwiesen“.

Metropolit Arsenios hatte zuvor in seiner Predigt das Festtagsevangelium, in dem berichtet wird, wie der Apostel Philippus seinem Freund Nathanael begeistert berichtet, den Messias gefunden zu haben, für die Gegenwart übersetzt: Auch die Christen von heute seien berufen, die Freude über die Begegnung mit Christus an die vielen suchenden Menschen weiterzugeben. Diese Berufung gelte für alle Christen, unabhängig davon, ob sie orthodox, katholisch oder evangelisch sind. Wörtlich sagte der Metropolit: „Als Getaufte sollen wir auch andere einladen, die persönliche Begegnung mit Christus zu erleben“.

In herzlichen Worten dankte Metropolit Arsenios Erzbischof Antonij, dem Klerus und den Gläubigen aus den verschiedenen orthodoxen Gemeinden, die bei der Panorthodoxen Vesper mitbeteten. Zugleich lud der Metropolit zur Beteiligung an der Großen Fastenzeit ein: „Wir sollen mit der Kirche fasten, weil wir eins mit der Kirche sind“. Abschließend verwies er auf das neue orthodoxe Gebetbuch, das Gebete in griechischer und deutscher Sprache enthält, wobei manches zum ersten Mal auf Deutsch übersetzt wurde. Das Gebetbuch wolle es den Gläubigen ermöglichen, ihre Gebetspraxis auf einfache Weise zu festigen, sagte Metropolit Arsenios und kündigte die Herausgabe weiterer „nutzbringender geistlicher Bücher“ an.

Die orthodoxen Kirchen feiern den ersten Sonntag der Großen Fastenzeit als „Sonntag der Orthodoxie“. An diesem liturgischen Fest wird an die Wiedereinführung der Bilderverehrung in Konstantinopel und damit in der ganzen Ostkirche im Jahr 843 erinnert. Diesem „Triumph der Orthodoxie“ war der jahrzehntelange Bilderstreit vorangegangen, in dem theologische Motive mit politisch-militärischen Aspekten zusammenflossen. Die Ablehnung der Ikonen setzte zu Beginn des 8. Jahrhunderts ein. Beim 7. Ökumenischen Konzil im Jahr 787 in Nicäa wurde zwar ausdrücklich die Rechtmäßigkeit der Ikonenverehrung festgeschrieben, weil diese Verehrung ja eine Konsequenz der Menschwerdung Gottes darstellt. Die Ikonenfeinde wüteten jedoch weiter. Erst unter der Kaiserin-Regentin Theodora, die für ihren noch unmündigen Sohn Michael regierte, konnte sich die „rechtgläubige“ Auffassung über die Ikonenverehrung endgültig durchsetzen.

Heute wird der „Sonntag der Orthodoxie“ auch im Zeichen der Einheit der orthodoxen Kirchen gefeiert.