Die orthodoxe Welt ist erschüttert über die Feuerkatastrophe von Attica

Patriarch Bartholomaios I. spricht von „ungeheurer menschlicher und ökologischer Katastrophe“ – Orthodoxe Patriarchen solidarisch mit der Kirche von Griechenland – Appell an alle Menschen guten Willens, den Betroffenen zu helfen

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Athen-Konstantinopel, 26.07.18 (poi) Die Feuerkatastrophe von Attica hat in der orthodoxen Weltkirche und darüberhinaus in der ganzen Christenheit tiefe Betroffenheit und Mitgefühl ausgelöst. Erschüttert zeigte sich vor allem der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I., der erst vor kurzem zum Thema „Toward a Greener Attica: Preserving the Earth and Protecting its People“ ein internationales ökologisches Symposion in Athen und Umgebung veranstaltet hatte. In einer Erklärung betonte Bartholomaios I., wie er vom ersten Augenblick an die dramatischen Entwicklungen in Attica verfolgt habe, „wo das Feuer so viele Menschen aus dem Leben gerissen, das Eigentum der Bewohner zerstört und den vitalen Reichtum der Wälder vernichtet hat“. Er vereine sein Gebet mit dem des Erzbischofs von Athen und ganz Griechenland, Hieronymos (Liapis), und der Metropoliten von Attica, damit das Eingreifen Gottes „diese ungeheure menschliche und ökologische Katastrophe“ stoppt, die zweifellos unausdenkbare Konsequenzen haben werde. Das Gebet gelte ebenso den Angehörigen der Opfer, den Verletzten und allen, die von der Katastrophe in irgendeiner Weise betroffen sind. Das Ökumenische Patriarchat nimmt sich in besonderer Weise um das Waisenhaus „Lyreio“ in Neos Voutzas an, das schwer gelitten hat. Der Hilfsappell aus Konstantinopel gilt nicht nur den orthodoxen Christen, sondern allen „Menschen guten Willens“.

Die Oberhäupter der orthodoxen Kirchen wandten sich in Solidaritätsschreiben an Erzbischof Hieronymos und den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras. In all diesen Schreiben wird einerseits das Gebet für die Seelenruhe der Toten zugesichert, andererseits aber auch finanzielle Unterstützung für die Hilfsaktionen zu Gunsten der Betroffenen, die oft alles verloren haben, und für den Wiederaufbau der vom Feuer zerstörten attischen Ortschaften in Aussicht gestellt. Der Moskauer Patriarch Kyrill schrieb an den Erzbischof, der Tod so vieler Menschen durch die Feuerkatastrophe erfülle ihn mit tiefem Schmerz. Zugleich bat er den Erzbischof, allen Angehörigen von Opfern und den Betroffenen der Katastrophe das tiefe Mitgefühl der russisch-orthodoxen Kirche auszudrücken. Der serbische Patriarch Irinej versicherte dem Erzbischof von Athen, dass die ganze serbische Kirche mit der Kirche von Griechenland und dem „geschwisterlichen griechischen Volk“ Trauer und Schmerz teile. In dankbarer Erinnerung an die griechische Hilfe in den schwierigen 1990er Jahren appellierte Patriarch Irinej u.a. auch an die serbische Bauwirtschaft, beim Wiederaufbau der zerstörten Häuser zu helfen. Der rumänische Patriarch Daniel betonte das Mitgefühl und die „brüderliche Solidarität“ mit allen Betroffenen der Katastrophe. Das rumänische Patriarchat hat alle seine Eparchien aufgefordert, die Betroffenen der Katastrophe von Attica auch finanziell zu unterstützen. In Bukarest wurden drei Spendenkonten – in rumänischen Lei, Euro und US-Dollar – eingerichtet, um die Hilfe auf den Weg zu bringen.

Erzbischof Demetrios (Trakatellis), das Oberhaupt der zum Patriarchat von Konstantinopel gehörenden orthodoxen Erzeparchie von Nord- und Südamerika, brachte in Botschaften an Erzbischof Hieronymos und den griechischen Staatspräsidenten Prokopis Pavlopoulos sein Mitgefühl „angesichts dieser unvorhersehbaren Tragödie“ zum Ausdruck. Die griechisch-orthodoxen Christen in Amerika teilten das Leid der „Schwestern und Brüder in Griechenland“. In einem Rundschreiben an den Klerus ordnete Erzbischof Demetrios an, dass am kommenden Sonntag in den griechisch-orthodoxen Gotteshäusern Amerikas in besonderer Weise für die Opfer der Katastrophe und für alle Betroffenen gebetet werden soll. Bei den Liturgien soll eine spezielle Kollekte für die Hilfsaktionen zu Gunsten der vom Feuersturm in Mitleidenschaft Gezogenen erfolgen.

Die orthodoxe Kirche von Griechenland hat sich intensiv in die Hilfsmaßnahmen für die von der Katastrophe betroffenen Menschen eingeschaltet. Erzbischof Hieronymos, der zu nächtlicher Stunden geweckt und über die Katastrophe informiert wurde, setzte sich sofort mit den Metropoliten der Region Attica in Verbindung. Er entsandte hunderte Angestellte und Freiwillige der Athener orthodoxen karitativen Organisation „Apostoli“ in das Katastrophengebiet, um die Maßnahmen von Feuerwehr, Zivilschutz usw. zu unterstützen. Ebenso wurden Priester bereitgestellt, die den Menschen Trost spendeten, die Angehörige oder Freunde im Feuer verloren hatten. „Apostoli“ verteilte auch Hilfspakete an jene Personen, die durch den Feuersturm ohne alle Mittel dastanden.

Metropolit Arsenios: „Christliche Pflicht, zu helfen“

Der griechisch-orthodoxe Metropolit von Austria, Arsenios (Kardamakis), veröffentlichte am Mittwoch eine Erklärung, in der es wörtlich heißt: „Angesichts des Ausbruchs und des Ausmaßes der Feuer in Griechenland mit mittlerweile mehreren Dutzend Toten bin ich selbst und sind wir alle tief betroffen. Unser Mitgefühl gehört allen Menschen, die in den letzten Tagen einen Familienangehörigen oder Freund verloren haben und deren Zuhause und ganzer Besitz den Flammen zum Opfer gefallen ist. Möge Gott, der Herr den Verstorbenen die ewige Ruhe in seinem himmlischen Reich schenken, die Verletzten heilen und kräftigen und all denjenigen, die innerhalb kürzester Zeit ihre ganze Existenz verloren haben, beistehen und sie stärken!

Die Lage der Menschen in Griechenland war auf Grund der anhaltenden Krise und ihrer Folgen in den letzten Jahren bereits häufig sehr schwer, die Feuer um Athen haben jetzt die Situation vieler hundert oder gar vieler tausend Menschen nochmals so dramatisch verschlechtert, wie es kaum vorstellbar ist. Neben den vielen Toten hat eine große Zahl von Menschen ihr Zuhause und damit häufig ihren gesamten Besitz verloren. Es ist fraglich, ob die bereits sehr strapazierten sozialen Netze in Griechenland diese Menschen, die jetzt vor dem Nichts stehen, auffangen können. Es ist daher unsere christliche Pflicht, unseren Geschwistern in dieser Katastrophe beizustehen und ihnen unsere Unterstützung und Hilfe zukommen zu lassen, sowohl im Gebet als auch durch aktive Taten.

Die Metropolis von Austria wird nach besten Kräften ihren Beitrag leisten und durch die Kirche von Griechenland den Bedürftigsten und am schwersten Geschädigten direkt an Ort und Stelle Unterstützung zukommen lassen. Ich bitte alle Gläubigen und Freunde der Metropolis von Austria sowie alle Menschen guten Willens, diese Bemühungen ebenfalls zu unterstützen und den Menschen in Griechenland in diesen Tagen der größten Not zu helfen. Spenden zur Unterstützung der Opfer der Feuer können auf folgendes Konto überwiesen werden: Metropolis von Austria, IBAN: AT 14 3200 00010 660 4771, BIC: RLNWATWW, Betreff: Feuer Griechenland.“