Dramatischer Friedensappell orthodoxer Patriarchen

„Furchtbare Bedrohung eines Weltkriegs“ – Drei orthodoxe und zwei orientalisch-orthodoxe Patriarchen schließen sich der Friedensinitiative des Moskauer Patriarchen an, die zuvor mit Papst Franziskus und dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. telefonisch abgestimmt wurde

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Foto: © Effi Schweizer (Quelle: Wikimedia, Lizenz: public domain)

Moskau-Vatikanstadt, 18.04.18 (poi) Ein dramatischer Friedensappell orthodoxer und orientalisch-orthodoxer Patriarchen aus dem nahöstlichen Raum wurde am Mittwoch auf der Website des Moskauer Patriarchats veröffentlicht. Im Hinblick auf die Gefahr eines Weltkriegs appellieren die Patriarchen an die führenden Politiker der Weltgemeinschaft, sich ihrer Verantwortung vor Gott und der Menschheit bewusst zu sein. Die Patriarchen beschwören „im Namen Gottes“ die Regierungen der Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen, ihre Meinungsverschiedenheiten zu überwinden und gemeinsam für den Frieden in der Welt zu arbeiten. Wie aus den einleitenden Worten des Friedensappells hervorgeht – und auch von P. Aleksij Dikarew, dem stellvertretenden Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats bestätigt wurde – waren die telefonischen Kontakte zwischen dem Moskauer Patriarchen Kyrill und Papst Franziskus bzw. dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. von wesentlicher Bedeutung für die Erstellung des Dokuments. Der Friedensappell ist von Patriarch Kyrill, von den orthodoxen Patriarchen Youhanna X. (Antiochien), Theodoros II. (Alexandrien) und Theophilos III. (Jerusalem) sowie vom koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen Tawadros II. und vom syrisch-orthodoxen Patriarchen Mor Ignatius Aphrem II. unterzeichnet.

An der Spitze der „gemeinsamen Erklärung“ der Patriarchen steht das Wort aus der Bergpredigt (Matthäus-Evangelium, Kapitel 5): „Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden“. Die Erklärung hat folgenden Wortlaut: „Gedrängt vom Verantwortungsbewusstsein für die Millionen von Christen, die Gott unserer geistlichen Sorge anvertraut hat und vom Wohl der ganzen menschlichen Familie, die ein gemeinsames Schicksal hat, vereinen wir unsere Stimmen in einem Augenblick höchster internationaler Spannungen.

Die andauernden Feindseligkeiten im Nahen Osten, die in den letzten Jahren ungeheures Leid gebracht, das Leben tausender Menschen gefordert und die Flucht von Millionen Flüchtlingen verursacht haben, drohen sich jetzt in einen globalen Konflikt zu verwandeln.

Unsere Welt hat einen Punkt erreicht, an dem die reale Gefahr eines Zusammenbruchs der internationalen Beziehungen und der Zusammenarbeit für das Gemeinwohl der menschlichen Familie besteht.

Es ist klar, dass die Schrecken der Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts mit den schrecklichen Konsequenzen eines Weltkriegs in heutiger Zeit kaum verglichen werden können.

Angesichts dieser furchtbaren Bedrohung appellieren wir an die Führungspersönlichkeiten der Welt, ihre Verantwortung gegenüber ihrer jeweiligen Nation, gegenüber der Menschheit und gegenüber Gott zu erkennen.

In gleicher Weise appellieren wir an die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen, vor allem an die Mitglieder des Sicherheitsrates, sich ihre Pflichten gegenüber der Familie der Nationen ins Gedächtnis zu rufen. Wir beschwören sie im Namen Gottes, ihre Meinungsverschiedenheiten zu überwinden und gemeinsam für den Frieden in der Welt zu arbeiten.

Gemeinsam rufen wir die politischen Führungspersönlichkeiten auf, eine weitere Eskalation der Spannungen zu vermeiden, sich von der Konfrontation fern zu halten und den Dialog anzunehmen“.

Bei einer Begegnung mit Journalisten hatte Patriarch Kyrill bereits am Samstag von der Friedensinitiative gesprochen. Die Christen könnten angesichts der Vorgänge im Nahen Osten nicht gleichgültig bleiben. Denn das Christentum sei im Nahen Osten entstanden, das Leid der Menschen in der Region sei ungeheuer. Die Botschaft der Kirche sei immer mit der Verkündigung von Gerechtigkeit und Frieden verbunden.