Ein russischer Priester fährt auf der Spur der zerstörten Gotteshäuser durchs Land

Das Projekt des Geistlichen aus Tscheljabinsk will auf das Schicksal der vielen orthodoxen Kirchen aufmerksam machen, die nach den Jahrzehnten des Staatsatheismus vor allem in den ländlichen Gebieten Russlands noch immer in Trümmern liegen

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Foto: © Dirk Franke (Quelle: Wikimedia; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Germany)

Moskau, 26.07.18 (poi) Der russisch-orthodoxe Priester Ioann Karabidowitsch hat eine Initiative gestartet, um die russische Öffentlichkeit auf das Schicksal der tausenden orthodoxen Gotteshäuser aufmerksam zu machen, die seit den Jahrzehnten des kommunistischen Staatsatheismus vor allem in den ländlichen Gebieten in Trümmern liegen. Er startete von seiner Heimatstadt Tscheljabinsk im Ural aus eine über tausende Kilometer führende Motorradtour durch das europäische Russland. In seinem Schlepptau fährt ein Kamerateam mit, das die Bilder der ruinierten Kirchen dokumentiert. Aus diesem Bildmaterial wird einerseits ein Dokumentarfilm entstehen, aber auch ein Kalender für das Jahr 2019.

Der Start des Priesters erfolgte am 16. Juli in Tscheljabinsk. Am Mittwochabend traf er in Moskau ein. Sein Programm in der russischen Hauptstadt umfasst sowohl zerstörte als auch restaurierte Kirchen. Karabidowitsch hat keine Sponsoren, sondern finanziert das Projekt aus der eigenen Tasche.

In den letzten 30 Jahren seit dem Ende des Kommunismus sind in Russland zwar mehr als 30.000 orthodoxe Gotteshäuser restauriert oder neu gebaut worden. Aber viele Kirchen sind nach wie vor geschlossen, verfallen oder zweckentfremdet; trotz der Wiederaufbauphase der letzten 30 Jahre ist die Zahl der Kirchen noch immer weit vom Stand vor der sogenannten Oktoberrevolution des Jahres 1917 (als die bolschewistische Machtergreifung erfolgte) entfernt. Der Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), hat davon gesprochen, dass sich die Zahl der orthodoxen Gotteshäuser in Russland in den nächsten 30 Jahren verdoppeln könnte, wenn die Zuwachsraten so bleiben wie in den letzten 30 Jahren. „Wir bauen Gotteshäuser und gründen Klöster, weil die Leute das wollen“, stellte der Metropolit fest.